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Kirche in Deutschland: Ansicht von Köln Kirche in Deutschland: Ansicht von Köln 

Papstbrief und synodaler Weg – was bisher geschah

Die Kirche in Deutschland erlebt eine Zäsur. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sich im März diesen Jahres aus Anlass der MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch ausführlich mit dem Umbruch beschäftigt und festgestellt: „Erschütterungen verlangen besondere Vorgehensweisen“.

„Der Glaube kann nur wachsen und tiefer werden, wenn man frei wird von Blockierungen des Denkens, wenn man sich der freien und offenen Debatte stellt und die Fähigkeit entwickelt, neue Positionen zu beziehen und neue Wege zu gehen“, so heißt es auf der Webseite der DBK. Als Konsequenz dieser Einsicht beschlossen die Bischöfe, einen „Synodalen Weg“ einzuschlagen.

Zum Abschluss der März-Vollversammlung in Lingen erklärte Kardinal Marx, dass die Kirche beschlossen habe, „einen verbindlichen synodalen Weg als Kirche in Deutschland zu gehen, der eine strukturierte Debatte ermöglicht und in einem verabredeten Zeitraum stattfindet, und zwar gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Wir werden Formate für offene Debatten schaffen und uns an Verfahren binden, die eine verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern aus unseren Bistümern ermöglichen. Wir wollen eine hörende Kirche sein. Wir brauchen den Rat von Menschen außerhalb der Kirche.“ Dabei wollte er den Begriff „synodaler Weg“ weniger als präzisen Begriff denn als „Öffnung der Möglichkeiten“ verstanden wissen.

Die kritischen Themen

Aspekte dieses synodalen Weges sollten der klerikale Machtmissbrauch, die Lebensformen von Bischöfen und Priestern und auch die Sexualmoral der Kirche sein, so Kardinal Marx noch in Lingen.

Die Einbeziehung der Laienvertretung ZdK sei wichtig: „Wir Bischöfe kommen alleine nicht weiter“, so Erzbischof Stefan Heße, der Geistliche Assistent des ZdK. Und der ZdK-Vorsitzende Thomas Sternberg fügte hinzu, dass er bei den meisten deutschen Bischöfen einen „echten Reformwillen“ spüre. Neben den Bischöfen und dem ZdK haben auch andere Initiativen bereits angekündigt, sich an diesem synodalen Weg zu beteiligen, etwa die Katholischen Akademien

Der synodale Weg trifft aber nicht überall auf Zustimmung; im Mai diesen Jahres distanzierte sich der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa ausdrücklich von dem Projekt. Dass es keine „deutschen Sonderwege“ geben könne, betont auch Würzburgs Bischof Franz Jung. Es dürfe keine Schnellschüsse geben, die zur Spaltung führten.

Wie es weiter geht

Es sei ein Fehler gewesen, in der Vergangenheit die Konfliktthemen auszublenden, so Kardinal Marx wenige Tage nach der Vollversammlung in Lingen. „Wir müssen frei werden, Ballast abwerfen, der uns hindert, in die Zukunft zu gehen. … Wir müssen jetzt nicht auf Rom warten, wir müssen unseren Weg gehen.“ Die Absprachen dazu wurden bei einem Treffen der Bischöfe in Berlin getroffen. Bei diesem Treffen wurde dann durch den Nuntius, Erzbischof Nicola Eterovic, der Papstbrief übergeben.

Der nächste Schritt auf dem synodalen Weg soll ein Zwischenbericht bei einer Konferenz am 13. und 14. September 2019 sein. Die Konferenz wird gemeinsam gehalten von der Bischofskonferenz, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und weiteren Personen. „Bis dann werden auch Zeitpunkt und Dauer der strukturierten Debatten klar sein“, kündigt die DBK an.

„Die Kirche braucht ein synodales Voranschreiten. Papst Franziskus macht dazu Mut“, so hatte es Kardinal Reinhard Marx am 14. März zum Abschluss der Konferenz in Lingen formuliert. Und genau das liefert nun der Papstbrief offen und an alle Gläubigen in Deutschland gerichtet.

(vn -ord)

 

 

29 Juni 2019, 11:30