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Delegation des Roten Kreuzes auf dem Weg nach Berg-Karabach Delegation des Roten Kreuzes auf dem Weg nach Berg-Karabach  (AFP or licensors)

Berg-Karabach: „Lasst uns nicht allein“

In einem Telefongespräch mit der katholischen Presseagentur Sir meldet sich der apostolische Administrator der Katholiken armenischen Ritus in Osteuropa zu Wort und appelliert: „Lasst uns nicht allein. Was geschieht, ist eine schreckliche Sache.“

Mikael Bassalé, apostolischer Administrator der Katholiken armenischen Ritus in Osteuropa, ist angesichts der Militäraktion Aserbaidschans gegen die armenische Bevölkerung von Berg-Karabach zutiefst besorgt. Katholische Quellen in Armenien berichten gegenüber der Agentur Sir, dass Hunderte von Armeniern entführt, getötet und verwundet worden seien.

Der Bischof befürchtet, dass der Angriff in Berg-Karabach erst der Anfang sei. „Eriwan wurde noch nicht angegriffen, aber der Angriff auf Berg-Karabach bedeutet nicht, dass die Aseris nicht in nicht allzu ferner Zukunft Armenien angreifen werden“, sagt er und mahnt: „Die Möglichkeit ist sehr groß“, und sollte dies geschehen, „wäre es eine Katastrophe“. „Ich glaube nicht, dass Armenien allein dastehen wird, doch ich glaube nicht, dass unser Land angesichts eines aserbaidschanischen Angriffs weiter existieren kann, vor allem jetzt, wo Russland in einen Krieg verwickelt ist und Europa mit der Ukraine beschäftigt ist.“

„Niemand wird an die Armenier denken“

„Die Menschen fühlen sich verraten“, so der Bischof weiter. „Sie wissen, dass das Land allein nicht durchhalten kann, niemand fühlt sich hier sicher.“ Bischof Bassale erklärt, dass Armenien auf der einen Seite eng mit Russland und auf der anderen Seite mit Europa verbunden sei. „Ohne diese beiden Realitäten kann es nicht existieren. Aber der Krieg in der Ukraine hat die Dinge noch komplizierter gemacht, die Menschen sind gespalten. Die einen bevorzugen die Russen, die anderen Europa. Es ist nicht bekannt, wer der wahre Freund Armeniens ist. Aber eines ist klar: Niemand denkt an uns.“

Für den Bischof hat jetzt die Sicherheit der Menschen Priorität. „Sie müssen geschützt werden, und dazu müssen wir so schnell wie möglich UN-Kräfte entsenden, um die Menschen in Sicherheit zu bringen. Leider hat sich die Entsendung humanitärer Hilfe bisher als schwierig erwiesen. Sie kommen nicht an.“ Die Zugangskanäle seien alle geschlossen worden. Es gebe keine Kommunikation und die Mobiltelefone funktionierten nicht.

Seit neun Monaten blockiert

Der „Latschin-Korridor“, der einzige Zugang von außen zu der armenischen Enklave, ist seit neun Monaten von der aserbaidschanischen Armee blockiert. Während dieser ganzen Zeit sei die Bevölkerung, etwa 120.000 Einwohner, von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Die Menschen hätten keine Lebensmittel, keine Medikamente, keinen Strom und keinen Treibstoff. Wenn jemand krank werde, gebe es keine Möglichkeit, ein Krankenhaus in Armenien zu erreichen. Ihre grundlegenden Menschenrechte würden jeden Tag mehr und mehr verletzt, so die Warnung des Bischofs.

ÖRK-Delegation vor Ort

Erst kürzlich besuchte eine Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) mit seinem Generalsekretär Jerry Pillay Armenien. Wie der ÖRK mitteilt, trafen die Mitglieder der Delegation mit dem Leiter der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Armenien zusammen. Als sich die Delegation dem Eingang zum Latschin-Korridor näherte, konnte sie jedoch nicht weiterreisen, da die aserbaidschanischen Streitkräfte plötzlich den Beschuss von Stepanakert wieder aufgenommen hatten.

Im Namen der Delegation appellierte Generalsekretär Pillay dringend für die Einstellung der Angriffe auf Stepanakert und forderte die aserbaidschanische Regierung auf, einen echten und sinnvollen Dialog mit den Armeniern von Berg-Karabach aufzunehmen, um einen gerechten und dauerhaften Frieden unter voller Achtung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte zu erreichen.

(sir/vatican news – mg)

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23. September 2023, 12:17