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Bei dem Konflikt geraten Zivilisten ins Visier, viele von ihnen fliehen Bei dem Konflikt geraten Zivilisten ins Visier, viele von ihnen fliehen  (AFP or licensors)

Karabach-Konflikt: Kriegsopfer brauchen dringend Hilfe

In Armenien gibt es aufgrund des Konfliktes um Berg-Karabach immer mehr Flüchtlinge, die notversorgt werden müssen. Die Situation werde von Tag zu Tag dramatischer, berichtet die Salzburger Armenien-Expertin Jasmin Dum-Tragut im Interview mit Kathpress. Sie befürchtet, der Krieg um Berg-Karabach sei noch lange nicht ausgestanden.

Dum-Tragut, Leiterin des „ZECO“ (Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens) der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg, war Anfang Oktober eigentlich zu einem Forschungsaufenthalt nach Armenien gereist.

Der Aufenthalt war dann allerdings massiv vom Krieg überschattet. Die Fronten zwischen Aserbaidschan auf der einen und Berg-Karabach und Armenien auf der anderen Seite seien total verhärtet, so der Befund der Expertin, die seit wenigen Tagen wieder zurück in Österreich ist. Ein Ende der Kämpfe sei wohl erst dann zu erwarten, wenn eine Seite „nicht mehr kann“.

Zerstörtes Wohnhaus in Ganja, Aserbaidschan
Zerstörtes Wohnhaus in Ganja, Aserbaidschan

Verhärtete Fronten und Waffenstillstand gebrochen

Hinzu komme, dass in Kriegszeiten Corona weder bei den Flüchtlingen noch bei der Armee ein Thema sei. Das werde sich aber noch ändern, denn die zweite Welle stehe vor der Tür, merkt die Beobachterin an.



Die einzige alternative Lösung sieht Dum-Tragut im entschiedenen und massiven Auftreten der internationalen Staatengemeinschaft, am ehesten der „Minsk-Gruppe“ der OSZE. Dann bräuchte es aber etwa auch Friedenstruppen vor Ort, um einen Waffenstillstand zu überwachen. Das sei alles freilich höchst unrealistisch, musste Dum-Tragut einräumen. 

Verhärtete Fronten herrschen in dem bewaffneten Konflikt
Verhärtete Fronten herrschen in dem bewaffneten Konflikt

Rasche Hilfe für Flüchtlinge in Armenien



Positiv überrascht zeigte sich Dum-Tragut von den armenischen Behörden insofern, als diese sehr rasch auf die Not der Flüchtlinge reagiert hätten. So könnten Flüchtlingskinder sofort in Armenien zur Schule gehen, Flüchtlinge würden auch hier ihre Sozialleistungen der (nicht anerkannten) Republik Arzach (Berg-Karabach) ausbezahlt bekommen. Die Flüchtlinge aus Berg-Karabach, die in Armenien ankommen, würden inzwischen über das ganze Land verteilt. Vor allem auch die Kirchen und NGOs, aber auch viele Privatpersonen versuchten zu helfen, so gut es geht. 



Freilich: Es gehe nicht so gut, wie es notwendig wäre. Deshalb möchte Dum-Tragut in den nächsten Tagen in Österreich eine Hilfsaktion starten und hofft auf viele Mitstreiter wie etwa den Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Mit den Geldern sollen in der Diözese Tavusch Flüchtlingsfamilien und Familien von gefallenen armenischen Soldaten unterstützt werden. Eines ist Dum-Tragut dabei wichtig: „Wir unterstützen nicht den Krieg. Wir helfen den Opfern des Krieges.“ In den nächsten Tagen will sie mit ersten Informationen zur Hilfsaktion an die Öffentlichkeit gehen.

(vatican news – pr)

21 Oktober 2020, 14:33