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Der Moskauer Patriarch im Gespräch mit Papst Franziskus auf Kuba (Archivbild) Der Moskauer Patriarch im Gespräch mit Papst Franziskus auf Kuba (Archivbild) 

Russland: Kyrill I. drängt auf politische Lösung für Südkaukasus

Angesichts der anhaltenden Kämpfe um die Südkaukasusregion Berg-Karabach hat der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. Aserbaidschan und Armenien zur Einhaltung der vereinbarten Feuerpause aufgerufen.

Die Führung beider Länder solle den Waffenstillstand für eine politische Lösung nutzen, appellierte der Patriarch in einer Erklärung, die auf der offiziellen Website der russischen-orthodoxen Kirche veröffentlicht wurde. „Im Interesse der Zukunft der beiden Nachbarvölker fordere ich dringend dazu auf, den Waffenstillstand zu verlängern und ihn für friedliche Verhandlungen zu nutzen“, so Kyrill I. „Ein schlechter Frieden ist besser als ein guter Streit“, betonte das Kirchenoberhaupt.



Bemühen um friedliche Lösung

Kyrill I. sprach den Bewohnern von Berg-Karabach und den Völkern Aserbaidschans und Armeniens wegen des seit mehr als 30 Jahren andauernden Konflikts sein Mitgefühl aus. Allen Opfern „dieses schrecklichen Kriegs“ und ihren Familien bekundete er sein Beileid.

Die russisch-orthodoxe Kirche habe mit den spirituellen Führungspersönlichkeiten Armeniens und Aserbaidschans, Katholikos-Patriarch Karekin II. und Scheich-ul-Islam Allahshukur Paschazade, lange daran gearbeitet, „damit aus dieser Konfrontation kein interreligiöser Konflikt wird und die Probleme auf friedliche Weise gelöst werden können“. Jeder müsse jetzt alles tun, um das Blutvergießen zu stoppen, so der Moskauer Patriarch.



Die armenische Kathedrale in Shusha, etwa 15 km von der Provinz-Hauptstadt von Berg-Karabach enttfernt, wurde unlängst von einer Rakete beschädigt
Die armenische Kathedrale in Shusha, etwa 15 km von der Provinz-Hauptstadt von Berg-Karabach enttfernt, wurde unlängst von einer Rakete beschädigt

Waffenstillstand kam unter russischer Vermittlung zustande

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan hatten sich unter russischer Vermittlung in Moskau auf einen Waffenstillstand verständigt, um Gefangene auszutauschen und Tote in ihre Heimat zu überführen. Beide Seiten werfen sich seither aber gegenseitig vor, die Feuerpause missachtet zu haben. Auch am Dienstag berichteten sie, dass die jeweils andere Seite sie erneut angegriffen habe. Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Berg-Karabach liegt auf aserbaidschanischem Staatsgebiet. Die Region wird aber de facto nicht vom islamisch geprägten Aserbaidschan kontrolliert, sondern von Armenien.



Erste direkte Wortmeldung

Bereits kurz nach Beginn der schweren Gefechte Ende September hatte ein Kirchensprecher erklärt, Kyrill I. bete für eine schnelle friedliche Lösung des Konflikts. Die nun veröffentlichte schriftliche Erklärung ist die erste direkte Wortmeldung des Patriarchen zu den Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan.

(interfax/kap – pr)

13 Oktober 2020, 21:58