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Vatican News
Archivbild: Ein Priester in Costa Rica beim Beichtehören Archivbild: Ein Priester in Costa Rica beim Beichtehören  (AFP or licensors)

„Priesterväter nicht in jedem Fall suspendieren“

Der Vatikan will die Fälle von Priestern, die Kinder haben, mit Fingerspitzengefühl behandeln: Nicht in jedem Fall sollen die Betroffenen vom Priesteramt suspendiert werden. Bei der Abwägung soll es vor allem um das Wohl der Kinder gehen. Das geht aus einer Mail der Kleruskongregation an den Betroffenenverband „Coping International“ hervor.

Der Verband hatte die Kongregation mit Äußerungen ihres Präfekten, Kardinal Beniamino Stella, in einem Gespräch mit der Vatikanzeitung konfrontiert. Der Untersekretär der Kongregation, Andrea Ripa, reagierte darauf bereits in der vergangenen Woche mit dem Hinweis, dass die Interviewauszüge eine „genaue Reflexion“ der Leitlinien seien.

Demnach sollen Priester, die das Alter von vierzig Jahren noch nicht erreicht haben, direkt aus dem Priesterstand entlassen werden. Das soll sie in die Lage versetzen, sich um ihre Kinder zu kümmern, auf deren Wohl es schließlich vor allem ankomme. Dabei gehe es nicht nur um die materielle Versorgung des Kindes, sondern auch die „verantwortungsvolle Ausübung der Elternfürsorge“. 

Der Bischof trifft die Einzelentscheidung

Von dieser Regel gibt es allerdings Ausnahmen. So muss ein Priester nicht in jedem Fall suspendiert werden. Das gilt etwa dann, wenn sein Kind in eine stabile Familie kommt, in der allerdings jemand anderes die Vaterrolle einnimmt. Und es gilt auch dann, wenn die Vaterschaft eines Priesters erst bekannt wird, wenn seine Kinder bereits erwachsen sind. Dann liegt es am Bischof, eine Einzelentscheidung zu treffen. „Das Dikasterium rät zu flexiblen Unterscheidungen innerhalb der Richtlinien“, so Kardinal Stella in dem Interview aus dem vergangenen Jahr.

In dem Gespräch mit der Vatikanzeitung hatte der Präfekt der Kleruskongregation auch erwähnt, etwa 80 Prozent aller Dispensierungen von Priestern hätten mehr oder weniger direkt mit deren Kindern zu tun. Sollte sich ein Priester gegen den Wunsch seines Bischofs oder Ordensoberen nach einer Suspendierung stellen, werde der Fall seiner Kongregation - bzw. im Fall von Ordensleuten der Ordenskongregation - vorgelegt.

„Ein Kind ist immer ein Geschenk Gottes, egal wie es empfangen wurde.“

„Ein Kind ist immer ein Geschenk Gottes, egal wie es empfangen wurde“, so der Kardinal in dem Interview. Stella betonte aber auch, dass die Frage des Umgangs mit Priesterkindern die Einschätzung des Vatikan zum priesterlichen Pflichtzölibat nicht berühre.

(katholisch.de/vn – sk)
 

28 Januar 2020, 10:36