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Kardinal Beniamino Stella Kardinal Beniamino Stella  (Vatican Media)

Wenn Priester Väter werden: „Es geht um das Kindeswohl”

Jahrzehntelang war es ein Tabu: Kinder von Priestern. Und weil nicht darüber gesprochen wurde, wuchsen sie in der Regel ohne Vater auf. Der Vatikan hat interne Richtlinien zum Umgang mit Priester-Vätern erstellt, Kardinal Beniamino Stella, Präfekt der Klerus-Kongregation, erklärt die Kriterien.

Andrea Tornielli und P. Bernd Hagenkord – Vatikanstadt

Im Zuge der Kinderschutz-Konferenz im Vatikan waren diese Richtlinien von „Coping International“, einer Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Kindern katholischer Priester auf der ganzen Welt, zur Sprache gebracht worden. Der Vatikan bestätigte, dass es diese Richtlinien gebe; sie seien nicht etwa geheim, sondern zum internen Gebrauch bestimmt.

Zuständig ist das Dikasterium für den Klerus, dessen Präfekten Kardinal Beniamino Stella wir nach den Kriterien befragt haben, nach denen in Fällen von Priestern mit Kindern entschieden wird.

“ Es geht um das Wohl der Kinder ”

„Solche Entscheidungen folgen dem Ziel des Schutzes und des Wohls der Kinder. Wir achten das Recht der Kinder, einen Vater und eine Mutter um sich zu haben“, so der Kardinal. Es gehe vor allem um Priester unter 40 Jahren; die Normen sehen eigentlich vor, dass eine Suspendierung vom Priesteramt, oft fälschlicherweise ‚Laisierung‘ genannt, erst mit diesem Alter vollzogen werden kann.

Zurückgehend auf eine Praxis, die der damalige Leiter des Dikasteriums, Kardinal Claudio Hummes, Papst Benedikt XVI. vorgetragen hatte, solle eine solche Suspendierung aber auch früher möglich sein, erläutert Stella. „Die vorrangige Aufmerksamkeit des Priesters muss seinem Nachwuchs gelten, das hat auch Papst Franziskus in seinem Gesprächsbuch mit Rabbi Skorka noch als Erzbischof von Buenos Aires kategorisch festgestellt.“

Ein technischer Text

Mit ‚Aufmerksamkeit‘ sei dabei nicht nur der notwendige Lebensunterhalt gemeint, sondern auch die Zuneigung durch Eltern, die angemessene Bildung, „in der Tat alles, was eine effektive und verantwortungsvolle Ausübung der Vaterschaft umfasst, vor allem in den ersten Lebensjahren.“

Und genau um diese Praxis gehe es auch im internen Dokument. „Es handelt sich um einen Text mit dem Titel ‚Hinweis auf die Praxis der Kongregation für den Klerus in Bezug auf Geistliche mit Nachkommen‘, der die seit Jahren im Dikasterium geltende Praxis sammelt und systematisiert. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um ein Arbeitsmittel, auf das man sich in einer solchen Situation beziehen kann, um einen ‚technischen‘ Text für die Mitarbeiter des Dikasteriums, von dem man sich leiten lassen kann. Nur aus diesem Grund wurde es nicht veröffentlicht.“

Ein Priester mit Kind muss Klerikerstand verlassen

Es gehe darum, die Befreiung von den Verpflichtungen des Priesteramtes in kürzester Zeit – Kardinal Stella spricht von einigen Monaten – zu erreichen, „damit sich der Priester neben der Mutter des Kindes für seine Kinder zur Verfügung stehen kann.“

Ein Priester müsse allerdings in einem solchen Fall den Klerikerstand verlassen, auch wenn er sich für den Dienst geeignet halte, präzisiert Stella. „Manchmal kommt es vor, dass Bischöfe und Ordensobere die Situation von Priestern vorbringen, welche nicht die Absicht haben, um Entlassung zu bitten, auch nicht wenn es Kinder gibt. Das gilt besonders, wenn die emotionale Beziehung zur Mutter des Kindes beendet ist. In solchen Fällen gibt es leider Bischöfe und Vorgesetzte, die der Meinung sind, dass der Kleriker, nachdem er für den Nachwuchs gesorgt hat oder nachdem er versetzt wurde, den Dienst weiter ausüben kann.“

Flexibler Umgang mit den verschiedenen Situationen

Ein Kind sei immer ein Geschenk Gottes, ganz gleich wie es geboren wird. Der Verlust des Klerikerstandes sei notwendig, weil elterliche Verantwortung Verpflichtungen schaffe, welche die Ausübung des Priestersamtes unmöglich machten. Das gelte selbst, wenn der Priester selber gar nicht um Befreiung bitte.

„Natürlich muss jeder Fall nach seinen eigenen Gesichtspunkten und in seiner eigenen Besonderheit geprüft werden“, so Stella. Das erfordere flexiblen Umgang mit den Situationen. „Wichtig ist aber, dass der Priester versteht, was seine Verantwortung ist.“

(vatican news)
 

27 Februar 2019, 15:30