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Papst Franziskus beim Angelus am 1.8.2021 Papst Franziskus beim Angelus am 1.8.2021  (AFP or licensors)

Papst beim Angelus: Gott nicht aus Eigennutz suchen

Es genügt nicht, Gott zu suchen, sondern wir müssen uns auch fragen, warum wir ihn suchen. Daran hat Papst Franziskus diesen Sonntag bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz erinnert.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Warum suchen wir Jesus? Das sollte sich jeder Gläubige ehrlich fragen, findet Papst Franziskus. Ausgangspunkt seiner Überlegungen beim Mittagsgebet an diesem Sonntag war das Tagesevangelium nach Johannes (Joh 6,24-35). Es berichtet, wie die Leute Jesus und seine Jünger am Ufer des Sees von Galiläa vermissen und daraufhin nach Kafárnaum fahren, um Jesus zu suchen. Jesus suchen, das sei prinzipiell richtig, erklärte der Papst dazu. Aber schon die Bibel lehre, dass wir uns auch fragen müssen, warum wir Ihn suchen:

„Warum suchen wir den Herrn? Warum suche ich den Herrn? Was sind die Beweggründe für meinen, für unseren Glauben? Hier müssen wir gut unterscheiden, denn unter den vielen Versuchungen gibt es eine, die wir götzendienerische Versuchung nennen könnten. Sie ist es, die uns antreibt, Gott zu unserem eigenen Nutzen zu suchen, um Probleme zu lösen, um Dank Seiner das zu bekommen, was wir aus eigener Kraft nicht erhalten können. Aus Interesse. Aber auf diese Weise bleibt der Glaube oberflächlich und - ich erlaube mir das Wort wunderverhaftet: 

„Wir suchen Gott, damit er unseren Hunger stillt, und vergessen ihn dann, wenn wir satt sind“

Wir suchen Gott, damit er unseren Hunger stillt, und vergessen ihn dann, wenn wir satt sind. Im Mittelpunkt dieses unreifen Glaubens steht nicht Gott. Im Zentrum stehen unsere eigenen Bedürfnisse."

Hier im Audio: Papst Franziskus beim Angelus über die Suche nach Gott

Die Liebe Gottes kennt kein Kalkül

Gott zu unserem eigenen Nutzen suchen, dieser Versuchung sollten wir also nicht erliegen, mahnte Franziskus. Dazu erläuterte er weiter, dass es zwar richtig sei, die eigenen Nöte dem Herzen Gottes vorzutragen - aber eben nicht in der Erwartung, dass Gott dann alles für uns löst. Und wie kommen wir nun von einem Glauben, der nur an die eigenen Bedürfnisse denkt, zu einem Glauben, der Gott gefällt? Dazu sagt der Papst:

„Es geht nicht um religiöse Praktiken oder darum, besondere Vorschriften einzuhalten. Es geht darum, Jesus im Leben willkommen zu heißen, eine Liebesgeschichte mit Ihm zu leben. Er ist es, der unseren Glauben läutern wird. Alleine sind wir dazu nicht in der Lage. Aber der Herr wünscht sich eine Beziehung der Liebe zu uns: Noch vor den Dingen, die wir empfangen und tun, ist Er zu lieben. Es gibt eine Beziehung zu Ihm, die über die Logiken von Interesse und Berechnung hinausgeht."

Und die wahre Liebe sei eben uneigennützig, und selbstlos, betonte Franziskus: „Man liebt nicht, um dafür einen Gefallen zu erhalten!" Der Papst führte weiter aus, dass das übrigens generell im Leben wichtig sei, nicht nur in der Beziehung der Menschen zu Gott, sondern auch im Umgang der Menschen untereinander:

„Eine Gesellschaft, die anstatt der Menschen die Interessen in den Mittelpunkt stellt, ist eine Gesellschaft, die kein Leben hervorbringt“

„Wenn wir vor allem die Befriedigung unserer Bedürfnisse suchen, laufen wir Gefahr, Menschen zu benutzen und Situationen für unsere Zwecke zu instrumentalisieren. Wie oft haben wir gehört: ,Der benutzt die Leute und dann vergisst er sie`. Menschen benutzen für eigene Zwecke - das ist wirklich hässlich! Und eine Gesellschaft, die anstatt der Menschen die Interessen in den Mittelpunkt stellt, ist eine Gesellschaft, die kein Leben hervorbringt. Die Einladung des Evangeliums ist diese: Anstatt sich nur um das materielle Brot zu sorgen, das uns sättigt, Jesus als das Brot des Lebens zu empfangen, und – von unserer Freundschaft mit Ihm ausgehend – lernen, einander zu lieben. Selbstlos und ohne Berechnung."

Nach dem Angelus: Grüße an Peruaner

Anschließend beteten Papst Franziskus und die Gläubigen wie üblich den Engel des Herrn. Nach seinem Mittagsgebet vom Fenster zum Petersplatz hin grüßte der Papst wie immer auch einige Pilgergruppen namentlich. In der Menge entdeckte Franziskus zudem einige Peru-Flaggen. Anlass für ihn sich an die jüngsten Wahlen im Land zu erinnern:

„Ich sehe auch einige Peru-Flaggen. Und ich grüße Euch Peruaner, die Ihr einen neuen Präsidenten habt. Möge der Herr Euer Land immer segnen." 

Peru hatte im Juli Pedro Castillo als neuen Präsidenten gewählt.

Ganz zum Schluss des Angelus bat Papst Franziskus wie so oft um Gebete für ihn. 

(vatican news - sst)

01 August 2021, 13:12