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Präsident Steinmeier beim 5. World Holocaust Forum 2020 in Jerusalem Präsident Steinmeier beim 5. World Holocaust Forum 2020 in Jerusalem  (ANSA)

Steinmeier bei Holocaust-Gedenken in Yad Vashem: „Nie wieder!“

„Nie wieder!“ - Ein weltweiter Appell gegen Antisemitismus ist von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ausgegangen. Staats- und Regierungschefs aus rund 50 Ländern kamen an diesem Donnerstag zum 5. Welt-Holocaust-Forum zusammen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen und des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zu gedenken. Das Forum trug den Titel: „An den Holocaust erinnern, Antisemitismus bekämpfen“.

Er stehe 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz „als deutscher Präsident vor Ihnen allen, beladen mit großer historischer Schuld“, wandte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Ansprache an die Teilnehmer der Veranstaltung, darunter neben hochrangigen Staatsvertretern und Vertretern des Judentums auch Holocaust-Überlebende und deren Angehörige. Steinmeier ist das erste deutsche Staatsoberhaupt, das eine Rede an der Gedenkstätte hielt. Zu Beginn und am Schluss seiner Rede sprach er auf Hebräisch, den Hauptteil seiner Rede hielt er aus Rücksicht auf die Holocaust-Überlebenden auf Englisch, nicht auf Deutsch. 

Es dürfe keinen „Schlussstrich unter das Erinnern geben“, so Steinmeier, der in seiner Ansprache die Schuld der Deutschen an der Shoah unterstrich: „Die Mörder, die Wachmänner, die Helfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche.“ Deutschland sei auch der Treiber für den „industriellen Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden“ und den „grausamen Krieg, der weit mehr als 50 Millionen Menschenleben kosten sollte“, gewesen. Gleichzeitig sei er jedoch erfüllt von Dankbarkeit, sagte Steinmeier: „Für die ausgestreckte Hand der Überlebenden, für das neue Vertrauen von Menschen in Israel und der ganzen Welt, für das wieder erblühte jüdische Leben in Deutschland.“ Der Geist der Versöhnung habe Deutschland, Israel und der Welt „einen neuen, einen friedlichen Weg gewiesen“.

„Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand“

Frieden sei jedoch zerbrechlich, der Mensch bleibe verführbar, zeigte sich Steinmeier mit eindringlichen Worten über den aktuell wieder erstarkenden Antisemitismus besorgt: „Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, völkisches, autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit.“  Er würde gerne behaupten, die Deutschen hätten aus der Vergangenheit gelernt, so Steinmeier weiter. Doch das könne er nicht sagen, „wenn jüdische Kinder auf dem Schulhof bespuckt werden“ oder wenn „unter dem Deckmantel vorgeblicher Kritik an israelischer Politik kruder Antisemitismus“ aufscheine. „Das kann ich nicht sagen, wenn nur ein dickes Holztor es verhindert, dass an Jom Kippur ein rechter Terrorist in einer Synagoge in Halle ein Blutbad anrichtet.“

Zwar sei heute eine andere Zeit als vor 75 Jahren, die Menschen und Gesichter seien nicht die gleichen: „Aber das Böse ist gleich geblieben. Und es bleibt die eine Antwort: Nie wieder! Nie wieder!“ 

Steinmeier versprach in diesem Zusammenhang den Einsatz Deutschlands gegen Antisemitismus und das „Gift des Nationalismus“: „Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels!“ Deutschland solle daran gemessen werden, dass es dieser historischen Verantwortung gerecht werde. 

Neben Steinmeier sprachen auch der Präsident und Premierminister Israels, Rivlin und Nethanyahu, der russische und französische Präsident, Putin und Macron, der amerikanische Vize-Präsident Pence sowie Vertreter des Judentums, darunter Moshe Kantor, der Präsident der World Holocaust Foundation und Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses. 

(vatican news - cs)

 

24 Januar 2020, 12:40