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Papst Franziskus zum Holocaust: „Wir dürfen nicht vergessen“

Am 27. Januar 1945, vor genau 75 Jahren, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Allmählich wurde der Weltöffentlichkeit das Grauen des Holocaust bewusst. Auch wenn die letzten Zeitzeugen aussterben – wir dürfen nicht vergessen.

Das sagte Papst Franziskus an diesem Montag zu Vertretern des Simon-Wiesenthal-Zentrums, die er im Vatikan in Audienz empfing. Jeder Mensch habe dieselbe Würde, „ganz gleich woher er kommt, welche Religion er hat oder welchen sozialen Status“ Darum sei es so wichtig, „zur Toleranz, zum gegenseitigen Verständnis, zur Religionsfreiheit und zum sozialen Frieden zu erziehen“.

„Ihr habt euch in besonderer Weise der Aufgabe verschrieben, das Andenken an den Holocaust wachzuhalten. Auf dem Gelände des früheren KZ Auschwitz-Birkenau habe ich 2016 still gebetet und nachgedacht. Heute fällt es uns angesichts des Wirbels der Dinge um uns herum schwer, einmal innezuhalten, nach innen zu sehen, still zu werden, um den Schrei der leidenden Menschheit zu hören.“

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Still gedenken, statt Beleidigungen zu brüllen

Der heutige Konsumrausch sei „auch verbal“, fuhr Franziskus fort: Es gebe so viele „unnütze Worte“, soviel „verschwendete Zeit“, soviele „gebrüllte Beleidigungen“.

„Das Schweigen hingegen hilft dabei, das Gedächtnis zu pflegen. Wenn wir das Gedächtnis verlieren, dann annullieren wir auch die Zukunft! Der Jahrestag solch unaussprechlicher Grausamkeit, wie die Menschheit sie vor 75 Jahren entdeckt hat, möge uns dazu bringen, innezuhalten, einmal zu schweigen und zu gedenken. Das brauchen wir, damit wir nicht gleichgültig werden!“

Nein zu jeder Form des Antisemitismus

Er sei besorgt über die „egoistische Gleichgültigkeit“, die er „in vielen Teilen der Welt“ immer stärker spüre, fuhr Papst Franziskus fort. Immer häufiger dächten Menschen nur noch an sich selbst: „Das Leben ist gut so, wenn es für mich gut läuft, und wenn mir etwas missfällt, dann brechen Wut und Bösartigkeit los… So bereitet man dem Populismus den Boden, wie wir das um uns herum sehen. Auf solchem Boden wächst der Hass dann schnell. Noch vor kurzem haben wir barbarische Fälle eines wiederauflebenden Antisemitismus erlebt. Ich werde nicht müde, jede Form von Antisemitismus entschieden zu verurteilen! Um das Problem an der Wurzel zu bekämpfen, müssen wir aber auch an das Feld herankommen, auf dem der Hass wächst, um dort Frieden zu säen. Durch Integration und größeres Verständnis für den anderen schützen wir uns am besten selbst: Die integrieren, die am Rand stehen, denen die Hand reichen, die weit weg sind, denen helfen, die Opfer von Intoleranz und Diskriminierung sind…“

Der Papst erinnerte an den Text Nostra aetate des Zweiten Vatikanischen Konzils, der die Beziehungen zwischen Judentum und katholischer Kirche auf neue Füße gestellt hat. In dem Text sei von einem „reichen geistlichen Erbe“ von Juden und Christen die Rede.

Das Feld der Geschwisterlichkeit bestellen

„Ich spüre, dass wir besonders heute ganz neu dazu aufgerufen sind, diesen Dienst zu leisten: Nähe herstellen statt Distanz halten; gemeinsame Wege einschlagen, statt Lösungen erzwingen zu wollen. Wenn wir das nicht tun, die wir an den einen Gott glauben, wer soll es denn sonst tun? Im Buch Exodus heißt es einmal, Gott habe sich an seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob erinnert (vgl. Ex 2,24 f.) – erinnern auch wir uns also an die Vergangenheit und nehmen wir es uns zu Herzen, wenn Menschen leiden. So werden wir das Feld der Geschwisterlichkeit bestellen.“

(vatican news – sk)
 

20 Januar 2020, 12:30