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Kardinal Koch in Yad Vashem - 5. Welt-Holocaust-Forum am 23. Januar 2020 Kardinal Koch in Yad Vashem - 5. Welt-Holocaust-Forum am 23. Januar 2020  (ANSA)

Kardinal Koch: „Ängste der Menschen ernst nehmen, um Antisemitismus zu verhindern“

Die Gedenkveranstaltung „An den Holocaust erinnern. Antisemitismus bekämpfen“, die am Donnerstag Staats- und Regierungsvertreter aus rund 50 Ländern in Yad Vashem versammelte, hat ein deutliches Zeichen gegen den neu erstarkenden Antisemitismus unserer Tage gesetzt. Davon zeigte sich im Gespräch mit Radio Vatikan Kurienkardinal Kurt Koch überzeugt. Der Präsident des vatikanischen Einheitsrates hatte an der Veranstaltung teilgenommen.
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„Dass so viele Staatsvertreter gekommen sind, insgesamt 49, ist doch ein Zeichen, dass man die Situation heute ernst nimmt und ein Zeichen setzen will gegen Antisemitismus“, sagte uns der Schweizer Kardinal im Anschluss an die große Begegnung, bei der neben den Vertretern Israels und des Judentums auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Ansprache hielt.

„Antisemitismus nicht einfach ein Kapitel, das in die Geschichtsbücher abgelegt werden kann“

„In den Reden der Staatschefs ist es deutlich geworden, dass sie diese große Herausforderung wahrnehmen, dass Antisemitismus nicht einfach ein Kapitel der Geschichte ist, das in die Geschichtsbücher abgelegt werden kann, sondern dass das auch heute neu im Aufschwung begriffen ist. Dafür sind viele Beispiele genannt worden und die müssen zu denken geben“, so Kardinal Koch. Insbesondere der deutsche Bundespräsident hatte in seiner Rede auf Feindseligkeiten gegen jüdische Schüler und das nur knapp vereitelte Attentat auf eine Hallenser Synagoge am jüdischen Feiertag Jom Kippur hingewiesen.

„Nationalismus und Populismus schüren Antisemitismus“

Die Ursachen für diesen wieder erstarkenden Antisemitismus insbesondere in Europa und in den Vereinigten Staaten seien sicherlich vielfältig, meint Koch: „Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass die Menschen angesichts der vielen Herausforderungen Angst vor dem Fremden, vor anderen, haben und sich das dann beispielsweise auf die Juden überträgt.“ Doch auch die heute sichtbaren nationalistischen Tendenzen könnten zu antisemitischen Auswüchsen führen: „In verschiedenen Ländern sind die Ursachen auch sehr verschieden. Aber ich denke, Nationalismus und Populismus sind wesentliche Ursachen.”

„Man kann die Ängste nicht verbieten – das bewirkt das Gegenteil“

Die Sorgen und Ängste der Menschen, die dem neu erstarkenden Antisemitismus den Nährboden böten, müssten ernst genommen werden, meint der Kardinal, an dessen Dikasterium auch die vatikanische Kommission für den Dialog mit dem Judentum verortet ist: „Man kann die Ängste nicht verbieten – das bewirkt das Gegenteil. Wir müssen die Ängste der Menschen ernst nehmen und ihnen helfen, sie zu überwinden. So, wie es Jesus im Johannesevangelium sagt: ,In der Welt habt ihr Angst, aber siehe, ich habe die Welt überwunden'. Beides gehört dazu: Die realistische Feststellung der Ängste der Menschen, aber auch, im Glauben diese Ängste überwinden zu können - in Offenheit für das Andere, den Anderen.“

Die katholische Kirche sei in spezifischer Weise berufen, das gemeinsame Erbe mit dem Judentum wie die gemeinsamen Traditionen und Werte zu vertiefen, betont Koch. In diesem Zusammenhang gelte es auch, Nostra Aetate, „die große Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnisse der Kirche zum Judentum,“ wieder „neu zu vertiefen und fortzuführen“.

(vatican news - cs)

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Gedenken in Yad Vashem
24 Januar 2020, 13:10