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Beerdigung zweier Gewaltopfer in Imphal, Manipur, Indien Beerdigung zweier Gewaltopfer in Imphal, Manipur, Indien  (ANSA)

Indische Bischöfe: Beruhigung Manipurs braucht Zeit

Kirchenvertreter im konfliktbeladenen indischen Bundesstaat Manipur versuchen erste Schritte hin zu einer Befriedung der ethnischen Konflikte in der Region. Seit fast einem Jahr kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen, die auch die Kirchengemeinden bedrohen. Bei der Generalversammlung der Bischöfe mahnten die Vertreter Geduld an.

„Der Friedensprozess geht schrittweise und wird Zeit brauchen“, sagte Linus Neli, Erzbischof von Imphal, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Manipur im Nordosten des Landes. Wie die Nachrichtenagentur Fides am gestrigen Mittwoch meldete, traf sich dort die Generalversammlung der indischen katholischen Bischofskonferenzen, die Vertreter aller drei in Indien beheimateten Riten versammelt (Lateinisch, Syro-Malabar, Syro-Malankar). In Manipur machen Christen etwa 40 Prozent der Bevölkerung aus. Besonderes Augenmerk legte der Erzbischof auf die Hilf- und Wiederaufbaumaßnahmen der katholischen Gemeinschaften im andauernden ethnischen Konflikt, der die Region heimsucht.

Fast täglich Zusammenstöße

Seit Anfang Mai vergangenen Jahres kommt es fast täglich zu ethnischen Zusammenstößen. Die Auswirkungen sind gravierend: Fast 180 Personen – darunter Frauen und Kinder – wurden getötet, 60.000 vertrieben, zahlreiche Bildungseinrichtungen geschlossen, Wohn- und Geschäftshäuser angezündet, ca. 300 Kirchen zerstört. Die Wirtschaftsleistung des Bundesstaates sinkt. Unternehmer berichten von Umsatzeinbußen bis zu 70% und erzwungenen Kündigungen. Die Inflation im Einzelhandel stieg auf 11,63%, das Internet wurde lange Zeit ausgeschaltet. Lokalen Medienberichten zufolge haben viele Flüchtlinge den Bundesstaat verlassen, hunderte Lastwagen mit humanitärer Hilfe stecken fest oder wurden angegriffen.

Streit um Land

Die Zusammenstöße breiteten sich vom Bergdistrikt Churachandpur aus auf weitere Täler wie das Imphal- und das Bishnupur-Tal aus. Churachandpur wird hauptsächlich vom Stamm der Kuki-Zo bewohnt. Die Gründe für den Konflikt sind denn auch ethnischer Natur.  Die Gemeinschaften der Kuki-Zo, der Naga und der Meitei beanspruchen sich überschneidende Gebiete in Manipur. Die Meitei machen 51 Prozent der Bevölkerung aus (2,3 Millionen Personen), konzentrieren sich aber nur auf 10 Prozent des Territoriums. Die Kuki-Zo und die Naga, die zusammen 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, bewohnen ca. 90 Prozent der Landfläche, da ihre Siedlungen vor allem auf den Hügeln liegen, welche den Großteil des Staates ausmachen. Der Oberste Gerichtshof von Manipur hatte im Mai vergangen Jahres die Regierung des Bundesstaates angewiesen, den Meitei den Status eines „anerkannte Stammes“ zu verleihen. Damit würden auch die Meitei von Sonderrechten profitieren. Allerdings sind die Meitei schon überproportional in Partei und Staatsverwaltung vertreten. Die Kuki befürchten, dass durch den Sonderstatus die Dominanz der Meitei noch weiter erhöht wird. Beide Gruppen leben momentan segregiert voneinander, es bestehen gegenseitige Betretungs- und Besuchsverbote. Diese Maßnahme hat die Konflikte zunächst etwas beruhigt.

Erste Schritte zur Versöhnung

Der emeritierte Erzbischof von Guwahati, Thomas Menamparampil, sieht diese Segregation als notwendigen „ersten Schritt auf dem Weg zu einer echten Versöhnung“. Das von ihm geleitete „Interreligiöse Forum“ versuche, bilaterale Beziehungen zu knüpfen, um den Dialog wieder aufzunehmen. Dabei spreche man mit der gesamten Zivilgesellschaft.

(fides – ww)

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08. Februar 2024, 11:53