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Studenten protestieren in Manipur gegen die Gewalt an Christen in Indien Studenten protestieren in Manipur gegen die Gewalt an Christen in Indien  (ANSA)

Indien: Ordensfrau wegen „Religionsbeleidigung“ verhaftet

Schwester Bibha Kerketta und vier weitere Personen ihres engeren Umfelds wurden verhaftet, nachdem sie in ihrem Haus im indischen Bundesstaat Chhattisgarh eine Dankesmesse abgehalten hatten. Der Ordensfrau wurden von Hindu-Nationalisten Verstöße gegen das Anti-Konversionsgesetz und die Förderung der Feindschaft zwischen den Religionen vorgeworfen. Für lokale Medien handelt es sich um eine „Einschüchterung von Christen“.

Eine katholische Ordensfrau und ihre Mutter gehören zu den fünf Personen, die verhaftet wurden, nachdem sie an einer Messe im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh teilgenommen hatten. Den Beschuldigungen zufolge hätten sie und ihre Angehörigen eine „Heilungszeremonie“ veranstaltet, Hindu-Gottheiten herabgewürdigt und Bewohner ihres Dorfes aufgehetzt. Von den Betroffenen selbst wird dies kategorisch zurückgewiesen.

Die Polizei verhaftete die junge Ordensfrau Bibha Kerketta, die erst kürzlich ihre ersten Gelübde bei der Gemeinschaft der „Töchter der Heiligen Anna“ abgelegt hatte, am 6. Juni zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Tante, ihrem Onkel und einem Fahrer in ihrem Haus in ihrem Heimatdorf Balachhapar in der Diözese Jashpur.  Dort hatte sie in einem Privathaus eine Dankesmesse im engsten Umkreis - mit Verwandten, Freunden und Nachbarn, die den Angaben zufolge allesamt Katholiken gewesen seien - gefeiert.

Mutter geschlagen, christliche Symbole zerstört

Nach dem Gottesdienst und dem anschließenden gemeinsamen Essen, als die Gäste das Haus bereits verlassen hatten, stürmten den Angaben zufolge insgesamt 20 Anhänger von Hindu-Gruppen, begleitet von einem Lokalpolitiker, das Haus. Dabei hätten sie die Mutter der Ordensfrau geschlagen und verhört. Wie der Pfarrer der Shanti Bhavan-Gemeinde, in der die Ordensfrauen wirken, gegenüber Ucanews berichtete, hätten die Angreifer auch eine Bibel, einen Kerzenständer und einen Rosenkranz weggeworfen.

Die Polizei sei wenig später eingetroffen, habe die Anwesenden zum Verhör auf die Polizeiwache gebracht und die Ordensfrau, ihre Mutter und drei weitere Personen unter Verweis auf die geltenden Anti-Konversionsgesetze festgenommen, berichtete „Matters India“ am Donnerstag.

Verweis auf Anti-Konversionsgesetze

„Die Schwester und ihre Familienmitglieder wurden in einem völlig falschen Fall verhaftet“, sagte der Pfarrer mit Bezug auf die Ereignisse. „Die Männer fragten sie auch, warum sie Christen geworden seien, und bedrohten sie. Bald darauf traf die Polizei ein und nahm fünf von ihnen mit auf die Polizeiwache", sagte er. Nur ein Onkel von Sr. Kerketta, der an Sehschwäche leidet, sei gegen Kaution freigekommen. Eine Anhörung über die Gewährung von Kaution der übrigen sei für kommenden Dienstag festgesetzt worden, sagte der Priester.

„Es ist sehr traurig. Wir verstehen nicht, wie die Messe als etwas dargestellt wird, das Feindschaft zwischen Menschen anderer Religionen schafft“, bedauerte er.

Gegenüber „Matters India“ äußerte sich auch eine ältere Mitschwester der Inhaftierten unter Wahrung ihrer Anonymität und erklärte, es habe sich bei dem Treffen nur um einen einfachen Gottesdienst gehandelt. „Heilungen“ oder Predigten gegen Hinduisten, wie von den Gegnern behauptet, hätten nicht stattgefunden. Die Polizei suche derzeit noch nach weiteren Teilnehmern der Eucharistiefeier, so die Ordensfrau.

Gewalt gegen Christen

Der Bundesstaat wird von der Kongresspartei regiert, die für sich in Anspruch nimmt, Indiens säkulare Werte zu verteidigen. Christen sind jedoch weiterhin Gewalt und Schikanen durch Hindu-Aktivisten ausgesetzt. So wurden seit August 2022 mehr als 1.000 einheimische Christen in der von Maoisten heimgesuchten Region Bastar vertrieben.

Die Christen beklagten, dass organisierte Angriffe gegen sie viele zur Flucht aus ihren Dörfern gezwungen haben. Ihre Angreifer hätten ihre Häuser, Nutztiere und Ernten geplündert. Ihnen sei auch die Erlaubnis verweigert worden, ihre Toten in den Dörfern zu begraben, so dass sie gezwungen waren, die Leichen zur Beerdigung zu den weit entfernten staatlichen oder kirchlichen Friedhöfen zu tragen.

Der Ministerpräsident von Chhattisgarh, Bhupesh Baghel, hatte Maßnahmen gegen die Hintermänner der Gewalt gegen Christen zugesichert, aber Kirchenführer erklärten, die Lage der Glaubensgemeinschaft sei nach wie vor düster.

Für Schlagzeilen hatte in den vergangenen Wochen die Eskalalation der Gewalt gegen Christen im Bundesstaat Manipur im Nordosten Indiens gesorgt. Zahlreiche Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben, es gab auch Tote.

Kirche appelliert an Regierung

John Crus Minj, der Sekretär des Bischofs von Jashpur, verurteilte unterdessen die Gewalt gegen die Ordensfrau, ihre Mutter und andere. Man werde an die Regierung des Bundesstaates appellieren, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen und die Schikanen gegen Christen zu beenden.

Die Christen machen weniger als zwei Prozent der 30 Millionen Einwohner des Bundesstaates aus, der überwiegend von tribalen Stämmen dominiert wird.

(ucanews/kap - cs)

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09. Juni 2023, 11:59