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Christinnen in Mossul, Ende April Christinnen in Mossul, Ende April 

„Kirchen des Ostens“: Noch kein Durchbruch zur Einheit

Die Assyrische Kirche des Ostens und die Alte Kirche des Ostens wollen ihre Trennung überwinden und suchen Wege zur Wiedervereinigung.

Am 9. Mai begann zu diesem Zweck ein Treffen hochrangiger Delegationen beider Kirchen in Chicago, um strittige Punkte zu besprechen und Wege zur Einheit zu finden. Die Notwendigkeit der Kircheneinheit stehe außer Frage, hieß es am Dienstag in einer Erklärung der beiden Kirchen zum Treffen.

Viele strittige Fragen seien bereits „mit christlicher Liebe“ diskutiert worden, weitere Diskussionen würden anstehen. Ein Durchbruch in den Gesprächen wurde offensichtlich noch nicht erzielt. Die bislang erzielten Vorschläge sollen nun den Synoden beider Kirchen zur Diskussion vorgelegt werden. Am 17. Mai wollen die Delegationen erneut in Chicago beraten.

Hochrangige Gesprächspartner

Beide Kirchen entsandten hochrangige Bischöfe zu dem Treffen, vonseiten der Alten Kirche des Ostens nahm u.a. auch Patriarchal-Verweser Mor Yacob Daniel teil. Er steht seit dem Tod von Katholikos-Patriarch Mar Addai II. Giwargis, der am 11. Februar 2022 verstarb, interimistisch seiner Kirche vor.

Der aktuelle Katholikos-Patriarch der Assyrischen Kirche des Ostens ist Mar Awa III. Royel, der am 8. September 2021 nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt seines Vorgängers Mar Gewargis III. Sliwa zum neuen Katholikos-Patriarchen gewählt wurde. Mar Awa ist mit der Wiener ökumenischen Stiftung Pro Oriente seit vielen Jahren eng verbunden, er war bis zu seiner Wahl Mitglied im Pro-Oriente-Forum-Syriacum, in dem Vertreter der Kirchen der syrischen Traditionen (einschließlich der Alten Kirche des Ostens) regelmäßig zu ökumenischen Dialogtreffen zusammenkommen.

Keine Unterschiede in Glaubensfragen

Zwischen der Assyrischen Kirche des Ostens und der Alten Kirche des Ostens bestehen keinerlei Unterschiede in Glaubensfragen. Die Alte Kirche des Ostens ging erst in den 1960er-Jahren aus einem Streit innerhalb der Assyrischen Kirche des Ostens hervor. In dieser Kirche wurde 1964 der Gregorianische Kalender eingeführt. Einige Bischöfe akzeptierten dies nicht und hielten am Julianischen Kalender fest. 1968 entstand so auch formal die Alte Kirche des Ostens, die weltweit zwischen 70.000 und 100.000 Gläubige zählt. Ihr Zentrum hat sie im Irak, es gibt aber auch Gemeinden in Nordamerika, Europa und Australien.

Die Assyrische Kirche des Ostens geht zurück auf die Kirche des alten Perserreiches. Die Kirche entwickelte sich ab Anfang des 2. Jahrhunderts in Mesopotamien. Ab dem 4. Jahrhundert rissen - politisch bedingt - die Kontakte zur übrigen Christenheit immer mehr ab. Die Kirche des Ostens entfaltete aber eine eigenständige, rege Missionstätigkeit.

Gläubige in Nahost, abewr auch in westlichen Ländern

Mitte des 7. Jahrhunderts erreichten die ersten Missionare bereits China und gründeten dort christliche Gemeinden. In der Blütezeit des 13. und 14. Jahrhunderts unter den Mongolen gab es entlang der Seidenstraßen für die zahlreichen Gläubigen aus unterschiedlichsten Kulturen ca. 27 Metropolien und 230 über ganz Asien ausgedehnte Diözesen unter dem Katholikos-Patriarchen in Bagdad.

Heute zählen zu der eigenständigen Kirche weltweit nur mehr rund 400.000 Gläubige mit dem Schwerpunkt in Nahost (Iran, Irak, Syrien, Libanon), aber auch in Nordamerika, Europa, Australien und Indien.

(kap – sk)
 

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11. Mai 2022, 15:20