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Archivbild: Prinz Hassan bin Talal und Papst Franziskus bei einem Treffen am 3. Oktober 2019 Archivbild: Prinz Hassan bin Talal und Papst Franziskus bei einem Treffen am 3. Oktober 2019  (@Vatican_Media)

Jordanien: Interreligiöser Appell für Schutz für Gotteshäuser

Attentate auf Gotteshäuser, in denen sich Glaubensgemeinschaften zum Gebet oder zu rituellen Handlungen versammeln, gehören zu den schlimmsten Auswüchsen des religiösen Fundamentalismus. Das schreiben die Teilnehmer einer islamisch-christlichen Initiative.

Weil das Problem fortbesteht, ist ein weltweites interreligiöses und interkulturelles Netzwerks sinnvoll, das sich für den Schutz der Gotteshäuser und aller Gläubigen einsetzt, heißt es in dem Appell, den der vatikanische Fidesdienst vorstellte.

Es gehe darum die Gläubigen zu schützen, die Gottes- und Gebetshäuser aufsuchen. Damit könne ein Beitrag geleistet werden zur Entwicklung einer „gemeinsamen menschlichen Zivilisation“, die von der Anerkennung und dem Austausch „gemeinsamer menschlicher Werte“ genährt werde.

Diese Initiative wird vom jordanischen Prinzen Hassan Bin Talal auf den Weg gebracht, der dem „Arab Thought Forum“ und dem „Royal Institute for Religious Studies“ vorsteht. Mehr als 40 muslimische und christliche Unterstützer unterzeichneten inzwischen den Appell, darunter hochrangige Vertreter von Gemeinschaften des Nahen Ostens und Vertreter von akademischen, theologischen und kulturellen Einrichtungen aus verschiedenen Ländern.

Zwischen den Identitäten einen Dialog fördern

Der Aufruf betone insbesondere die Notwendigkeit, zwischen den verschiedenen konfessionellen und kulturellen Identitäten einen Dialog zu fördern, der die menschliche Vernunft und das Teilen gemeinsamer Werte würdigt. Die Angriffe auf Kultstätten stünden im Zusammenhang mit den Ereignissen, die in jüngster Zeit auch erneut Stätten von kulturellem Wert, Bibliotheken und „andere repräsentative Zentren der islamisch-arabischen Zivilisation“ ins Visier genommen hätten. In diesem Zusammenhang werde auch an Beispiele aus der Vergangenheit erinnert, darunter die islamische Bibliothek „Bayt al Hikma“(Haus der Weisheit) in Bagdad, die 1258 von den Mongolen zerstört wurde.

Religiöse Stätten seien symbolische Orte „unserer Menschlichkeit, unserer Geschichte und der gemeinsamen Traditionen von Menschen auf der ganzen Welt“, heißt es in der Erklärung. Und „ohne Geschichte können wir die Zukunft nicht erhalten“. Die Geschichte und ihr Erbe seien nichts anderes als ein Pfeiler der Gegenwart, „die wir aufzubauen versuchen“. „In unserer Zeit“, so heißt es in dem von Prinz Bin Talal unterstützten Appell, „nehmen die Aufstachelung zum Hass und die Widersprüche, die das Blutvergießen rechtfertigen, weiter zu, begleitet vom Missbrauch von Religionen als Vorwand für Gewalt, Ausgrenzung und Diskriminierung“. Historische und archäologische Stätten und das architektonische Erbe, einschließlich Museen, Bibliotheken und Manuskripte, würden ins Visier genommen, mit der klaren Absicht, „die Erinnerung zu löschen, die die Zivilisationen der Völker und ihre Grundwerte vor dem Aussterben bewahrt“.

Konzept der gemeinsamen menschlichen Werte

Dieser Auslöschung des historischen Gedächtnisses der Völker, so der Appell, könne man begegnen, indem man „das Konzept der gemeinsamen menschlichen Werte“ anerkenne und fördere und indem man erlebe, dass „im Gegensatz zu dem, was manche denken mögen, das Konzept der 'gemeinsamen menschlichen Werte' in seinem tiefsten Sinn weder die den verschiedenen religiösen Überzeugungen innewohnenden besonderen Eigenheiten schwächt", noch "mit kulturellen oder nationalen Identitäten in Konflikt gerät“.

Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Professor Ali Muhyiddin Al-Qura Daghi, Generalsekretär der Internationalen Union der muslimischen Gelehrten (Katar), der türkische Professor Arshad Hormuzlu, der saudische Professor Khalil al Khalil und Dr. Ahmed al Khamlichi, Direktor der marokkanischen Stiftung Dar Al-Hadith al Hassaniya, die libanesische Wissenschaftlerin Nayla Tabbara, Mitbegründerin der Adyan-Stiftung, Imam Yahya Pallavicini, Präsident des Verbandes der islamischen Organisationen Italiens, Martino Diez, Direktor der Internationalen Oasis-Stiftung, Atallah Hanna, griechisch-orthodoxer Erzbischof von Sebastia; der emeritierte Bischof Salim Sayegh, ehemaliger Vikar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem für Jordanien sowie der jordanische Priester Rifat Bader, Direktor des Katholischen Zentrums für Forschung und Medien.

(fides – mg)

03 November 2021, 15:25