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Auf einem Huthi-Friedhof im Jemen Auf einem Huthi-Friedhof im Jemen  (ANSA)

Jemen: „Nach wie vor eine Tragödie“, sagt Bischof Hinder

Nach sieben Jahren Krieg ist der Jemen ist aus den Schlagzeilen verschwunden, aber die Lage ist dort „nach wie vor eine Tragödie“. Das sagte uns der Apostolische Vikar für Arabien, Bischof Paul Hinder. Wir sprachen mit ihm am Rand eines Interreligiösen Gipfels bei der EXPO in Dubai in den Vereinten Arabischen Emiraten.

„Im Land ist sehr viel Elend, Krankheit, Konflikte, aber es ist viel komplexer als man das von außen wahrnimmt“, so der aus der Schweiz stammende Bischof. „Es gibt auch innerhalb des Jemen die Teile des Landes, die in relativem Frieden leben“, doch Sorgen machen dem Kapuziner „viele Millionen Menschen, die tatsächlich in Not leben“, vor allem die zahlreichen Binnenvertriebenen. „Sehr viele interne Flüchtlinge müssen in andere Landesteile ausweichen, wo sie im Moment wieder unsicher sind. Sie müssen befürchten, dass sie weiter wandern müssen.“

Vertriebene bleiben vorerst im Land 

Ins Ausland, gar nach Europa, dränge es die Menschen, die durch den blutigen Konflikt im Land vertrieben wurden, bis jetzt nicht, bekräftigt der Bischof: „Die Jemeniten gehen nicht sehr nach außen, sondern suchen Lösungen innerhalb des Landes. Und da sollte die Internationale Gemeinschaft alles tun, um zu helfen, dass innerhalb von Jemen Lösungen gefunden werden, um die Menschen zu schützen und genügend Frieden und Gerechtigkeit herzustellen, dass die Leute eine Perspektive für die Zukunft haben.“

„Da sollte die Internationale Gemeinschaft alles tun, um zu helfen, dass innerhalb von Jemen Lösungen gefunden werden, um die Menschen zu schützen“

Die katholische Kirche könne im Jemen nicht gut helfen, aus mehreren Gründen, wie der Apostolische Vikar einräumt. „Wir als Kirche sind hier zu schwach, es gibt erstens sehr wenige Christen im Jemen, und im Moment sind auch die Kommunikationsbrücken weitgehend abgebrochen. Es ist sehr schwierig, ins Land zu kommen und auch sehr schwierig von den Menschen die Meinungen zu bekommen, auf die wir hören müssten.“

Hier zum Hören:

Hintergrund

Seit der Machtübernahme der Huthi-Miliz Ende 2014 herrschen im Jemen Krieg, Not und Chaos. Das Land galt schon zuvor als Armenhaus der Arabischen Halbinsel. Interessen vieler Staaten der Region spielen bei dem Krieg eine große Rolle, „es ist nicht so, dass es nur ein reiner Bürgerkrieg ist unter den Jemeniten“, betont Hinder. Fest steht, dass zu den größten Verlierern des blutigen Konfliktes Kinder zählen. Laut UNICEF wurden mindestens 10.000 Minderjährige durch Kampfhandlungen getötet oder verwundet.

(vatican news – gs)

17 November 2021, 13:14