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Vatican News
9. November 2021: Demonstranten vor dem Hauptquartier der nationalen Wahlkommission in Basra 9. November 2021: Demonstranten vor dem Hauptquartier der nationalen Wahlkommission in Basra   (AFP or licensors)

Chaos im Irak: Patriarchat ruft zu nationalem Dialog auf

Angesichts der verfahrenen politischen Situation im Irak ergeht ein dramatischer Appell aus dem Patriarchat der Chaldäer, dem Kardinal Louis Raphael Sako vorsteht. Sollte es keinen schnellen Ausweg aus dem Chaos geben, in das die irakische Nation nach den Parlamentswahlen im Oktober gestürzt ist, „wird das Land mit dem Schlimmsten rechnen müssen, und wir alle wissen, dass der Irak nicht noch mehr ertragen kann“, heißt es in der Botschaft, die das Patriarchat am Dienstag veröffentlicht hat.

Darin fordern die Kirchenvertreter alle Gruppierungen auf, skrupellose Verhaltensweisen zu unterlassen und zu verhindern, dass eine von jahrzehntelangen Kriegen und Konflikten ausgelaugte Nation in den Abgrund gerissen wird. Demgegenüber gelte es, einen „aufrichtigen und mutigen nationalen Dialog“ zu beginnen, der alle nationalen Akteure einbeziehe, die für die Achtung der Wahlergebnisse einstünden. Nur über diesen Weg sei es möglich, „eine akzeptable Lösung im Einklang mit der irakischen Verfassung und dem Gesetz“ für die Bildung einer nationalen Regierung zu erreichen, betont die chaldäische Kirche über ihre offiziellen Kommunikationskanäle. Die neue Regierung müsse nicht nur den Kurs korrigieren und die grassierende Korruption bekämpfen, sondern auch die Souveränität und Einheit des Landes schützen sowie die Sicherheit und Würde der Iraker wahren, heißt es dort.

Wahlschlappe für den Fatah-Block

Die irakischen Parlamentswahlen vom 10. Oktober hatte einen Zuwachs für die Sadristen-Partei des Schiitenführers Muqtada al Sadr ergeben, an die 73 der 329 Sitze in der neuen parlamentarischen Versammlung gehen sollten. Der Fatah-Block, der als den pro-iranischen schiitischen Milizen der Hashd ai Shaabi nahestehend gilt und nur 15 Sitze gewonnen haben soll, hatte hingegen im Vergleich mit den 48 Sitzen, die im vorherigen Parlament von den Gruppen kontrolliert wurden, die jetzt Teil der Koalition sind, eine krachende Niederlage erlitten. Nur 41 Prozent der Wahlberechtigten gingen zu den Urnen, die niedrigste Beteiligung an den sechs Parlamentswahlen, die seit 2003, dem Ende des Regimes von Saddam Hussein, im Irak stattfanden.

Stellungen im Regierungsviertel

Seit die ersten Hochrechnungen des Wahlergebnisses eintrafen, weigern sich die Führer des Fatah-Blocks, das Ergebnis anzuerkennen und rufen ihre Anhänger zu Demonstrationen auf. In Bagdad errichteten die Demonstranten einige Stellungen in der „Grünen Zone“ - dem Viertel, in dem sich Regierungsbüros und Botschaften befinden - und beschuldigten die unabhängige Kommission der Wahlfälschung. In einigen Wahlbezirken, wo auf der Grundlage zuverlässiger Unterlagen Einsprüche eingelegt wurden, sind Neuauszählungen im Gange.

Am 5. November kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Fatah-Demonstranten, die versucht hatten, die Grüne Zone zu betreten. Medienberichten zufolge wurden bei den Zusammenstößen zwei Menschen getötet und 125 verletzt. Am 7. November wurde die Residenz des irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al Kadhimi durch einen Drohnenangriff verwüstet.

Zwar fielen dem Terrorakt keine Menschen zum Opfer, doch er drohte, das instabile Land in einen Bürgerkrieg zu stürzen und den direkten Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten wieder aufleben zu lassen. Pro-iranische schiitische Milizen, die sich im Irak aufhalten, stehen im Verdacht, das Attentat organisiert zu haben.

(fides - cs)

18 November 2021, 14:43