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Als Franziskus im Irak war: Ein Imam und ein Dominikaner vor einem Papst-Willkommensplakat Als Franziskus im Irak war: Ein Imam und ein Dominikaner vor einem Papst-Willkommensplakat  (ANSA)

Boeselager: Glaubensbasierte Diplomatie hilft dem Dialog

Der Souveräne Malteserorden nimmt am Globalen Interreligiösen Gipfel teil, der diese Woche in Dubai im Zug der EXPO eröffnet wurde. Der Großkanzler des Malteserordens, Albrecht von Boeselager, ist überzeugt: Religionsführer haben eine Schlüsselrolle bei Konfliktlösungen, deshalb muss diese Art von Diplomatie gefördert werden.

Mario Galgano und Francesca Sabatinelli – Vatikanstadt

Großkanzler Albrecht von Boeselager sprach im italienischen Pavillon in Dubai anlässlich des Internationalen Tages der Toleranz. Das Treffen wurde vom Minister für Toleranz und Koexistenz der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Nahayan Mabarak Al Nahyan, ins Leben gerufen. Dieser hatte kürzlich den Malteserorden in Rom besucht. Im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert Boeselager, weshalb die „interreligiöse Diplomatie“ heute aus seiner Sicht so wichtig ist:

„Im Zuge der internationalen Globalisierung ergeben sich große Veränderungen in den Staaten, die bisher von einer relativ homogenen Bevölkerung bewohnt wurden. Deswegen wird ein interreligiöser Dialog immer wichtiger, denn wir dürfen nicht nebeneinander leben, sondern wir müssen miteinander leben, wir dürfen nicht in isolierten Zellen leben, sondern wir müssen miteinander reden. Und das muss auch in der Außenpolitik zur Sprache kommen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass Religionen und religiöse Gefühle von Populisten für ihre Agenda missbraucht werden, sondern wir müssen die Ressourcen, die in der Autorität der Religionsführer stecken, nutzen, um auf der Erde mehr Frieden zu schaffen.“

Zum Nachhören - was Großkanzler Albrecht von Boeselager sagt

Kultur des Dialogs

Das Treffen in Dubai, an dem religiöse Führer und hochrangige Vertreter internationaler Behörden teilnehmen, solle deshalb diese Kultur des Dialogs und der gegenseitigen Achtung fördern, fügt der Großkanzler an.

„Wir als Malteserorden legen besonderen Wert drauf, dass wir mit anderen Religionen und deren Organisationen bei unserer humanitären Hilfe international zusammenarbeiten, um auf diese Weise Zeichen für Kooperation und Frieden zu setzen. Wir sind sehr aktiv und zunehmend aktiv im Mittleren Osten, im Irak, in Syrien, im Libanon, in Palästina. Im Libanon betreiben wir neun Kliniken; vieles davon läuft in formeller Zusammenarbeit mit sunnitischen und schiitischen sowie Drusen-Gemeinschaften. Das beweist, dass Zusammenarbeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Regionen und deren Akteuren möglich sind. Wir setzen so ein Zeichen von Hoffnung für Frieden und Zusammenarbeit.“

Dokument „Religionen in Aktion“

Boeselager erläuterte in Dubai das Dokument „Religionen in Aktion“, das der Malteserorden veröffentlicht hat. Dieses Schreiben solle das Bewusstsein für die globale Geopolitik der Religion schärfen. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Dokuments, so Albrecht Boeselager, „ergeben sich aus den Erfahrungen des Malteserordens vor Ort: In Krisengebieten ist der Erfolg der Diplomatie - mit ihrem Schwerpunkt auf Dialog, Verhandlung und gegenseitigem Respekt der verschiedenen Konfessionen - eindeutig mit der Fähigkeit verbunden, Religionsgemeinschaften und religiöse Führer einzubeziehen und religiöse Infrastrukturen einzubeziehen“.

In seiner Eröffnungsrede verurteilte der Minister für Toleranz und Koexistenz der Vereinten Arabischen Emirate alle Formen von Gewalt, die im Namen der Religion verübt würden, und rief zu einer Welt der Toleranz, der Empathie und der Gerechtigkeit auf, „einer Welt der gelebten menschlichen Geschwisterlichkeit“.

Weitere Vertreter waren die stellvertretende italienische Außenministerin Marina Sereni und der Apostolische Vikar für Südarabien, Bischof Paul Hinder. Zu den Initiativen, die in diesen Tagen im Rahmen des Internationalen Tages der Toleranz organisiert werden, gehöre ein Runder Tisch, der sich an das Thema des Treffens anlehne.

(vatican news)

18 November 2021, 08:58