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Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi  (AFP or licensors)

Ägypten: Koptischer Patriarch würdigt Präsident al-Sisi

Der koptische Papst-Patriarch Tawadros II. hat Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi für dessen Politik gelobt. Verglichen mit seinen Vorgängern habe al-Sisi in seinen sieben Regierungsjahren Erfolge erzielt, die „in drei Dekaden" nicht erreicht worden seien, sagte der Koptenpapst dem Sender „Extra News" am Sonntagabend. Der Regierung versprach die koptische Kirche zudem in einem Abkommen vermehrte finanzielle Hilfen von Auslandskopten.

Der ehemalige Militär al-Sisi kam im Jahr 2013 nach einem Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung von Mohammed Mursi, der den islamistischen Muslimbrüdern nahestand, an die Macht. Seit 2014 ist er offiziell Präsident. Al-Sisis Regierungsstil wird von Beobachtern als autoritär eingestuft. Tawadros II. hatte schon bei früheren Gelegenheiten seine Unterstützung für den Präsidenten bekundet. Unter anderem hatte er den Putsch von 2013 öffentlich begrüßt.

Fortschritte bei Religionsfreiheit unter al-Sisi

In Ägypten haben die Religions- und Bürgerrechte für die Kopten unter al-Sisis Präsidentschaft jedenfalls Fortschritte gemacht. So stärkte der Präsident etwa das Recht der christlichen Minderheit, die nach Schätzungen rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmacht, auf den Neubau von Kirchen - ein Thema, das in der Vergangenheit für große Probleme gesorgt hatte.

Patriarch zeigt sich geduldig

Besondere Anerkennung zollte Patriarch Tawadros im „Extra News"-Interview demnach dem Begriff der „Neuen Republik", den der Präsident jüngst als Programm für die politische Zukunft des Landes ausgegeben hatte. Hingegen wehrte sich der Patriarch von Alexandria gegen die Behauptung, Christen seien im mehrheitlich islamischen Ägypten nur „Bürger zweiter Klasse". Gleichzeitig betonte er, dass der Weg zu vollständiger Gleichheit aller Bürger ein schrittweiser Prozess sei, der erst dann als abgeschlossen gelten könne, wenn er in der gemeinsamen Kultur und dem kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft verankert sei.

Präsident al-Sisi bei einer Rede
Präsident al-Sisi bei einer Rede

Neue Zusammenarbeit vereinbart

Nur einen Tag nach dem Interview unterzeichneten die koptischen Kirche und die ägyptische Regierung ein gemeinsames Abkommen. Ziel des Abkommens ist, die Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern. Das soll durch vermehrte finanzielle Hilfen von ausländischen Koptengemeinden für soziale Entwicklungsprojekte in ländlichen Gebieten Ägyptens gelingen. Der koptisch-orthodoxe Bischof Julius zeigte sich in diesem Zusammenhang dankbar für die Möglichkeit, ein Projekt zur Stärkung der Chancengleichheit durch verbesserten Zugang zu sozialen Diensten und besseren Lebensbedingungen zu unterstützen.

Die koptisch-orthodoxe Kirche ist die ursprüngliche Kirche Ägyptens. Sie wurde im ersten Jahrhundert vom Evangelisten und Apostel Markus gegründet, der in Ägypten missionierte. Die koptische Kirche ist nie Staatskirche gewesen, immer wieder erfuhren ihre Anhänger Verfolgung und Unterdrückung. Etwa die Hälfte der Mitglieder lebt heute im Ausland.

(kna/kap/fides – gh)

17 November 2021, 15:38