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Menschen suchen Schutz in einem Dschungel in Demoso, in der Provinz Kayah, Myanmar Menschen suchen Schutz in einem Dschungel in Demoso, in der Provinz Kayah, Myanmar 

Myanmar: Mehr als 76.000 Kinder vertrieben

„Während sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit verschiebt, entwickelt sich in Myanmar eine Hungerkrise", lautet die eindringliche Warnung von „Save the Children“.

Seit dem Militärputsch vom 1. Februar, der nicht nur landesweite Proteste und Streiks auslöste, sondern auch zu Zusammenstößen mit bewaffneten Zivilverteidigungskräften führte und den alten Konflikt des Militärs mit ethnischen Milizen neu entfachte, mussten mehr als 76.000 Kinder in Myanmar aus ihren Häusern fliehen. Das brutale Vorgehen des Militärs gegen Demonstranten und Dissidenten habe nach Angaben der Assistance Association for Political Prisoners (AAPP) mindestens 1.150 Menschen das Leben gekostet. Die Situation habe sich durch die Covid-19-Pandemie noch verschärft.

Kinder suchen Sicherheit des Waldes  

„Save the Children“, eine Menschenrechtsorganisation, die sich für die Verbesserung der Lebensumstände von Kindern einsetzt, äußerte sich am Montag unter Berufung auf aktuelle Daten der Vereinten Nationen besorgt. Demnach hätten die meisten vertriebenen Kinder die Sicherheit des Dschungels gesucht, wo sie nur mit Planen und Bambusstöcken vor den sintflutartigen Regenfällen des Monsuns geschützt sind. Viele Familien hätten keine ausreichenden Lebensmittelvorräte und teilten sich nur eine Mahlzeit pro Tag. Schwangere Mütter seien hilflos, wenn es um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Babys unter den harten Bedingungen gehe.

Bundesstaat Kayah besonders betroffen

Die Kinderrechtsgruppe wies darauf hin, dass seit dem Putsch landesweit 206.000 Menschen vertrieben wurden, davon seien 37 Prozent Kinder. Im südöstlichen Bundesstaat Kayah, der eine Bevölkerung von zirka 290.000 Menschen zählt, flohen allein im September rund 22.000 Menschen aus ihren Häusern. Mehr als 79.000 Menschen - darunter rund 29.000 Kinder - seien derzeit in diesem Bundesstaat auf der Flucht. Eine Stadt, Demoso, stehe völlig leer, nachdem die gesamte Bevölkerung im vergangenen Monat vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen dort geflohen sei.

Warnung vor „Massensterben"

Tom Andrews, der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar, hatte im Juni davor gewarnt, dass es im Bundesstaat Kayah zu einem „Massensterben durch Hunger, Krankheiten und Ausgesetztsein" kommen könnte. Da der Zugang zu Nahrungsmitteln und lebensrettenden Diensten blockiert sei, leben die vertriebenen Familien Berichten zufolge nur von Reisbrühe. Etwa 60 Prozent der von „Save the Children“ im April befragten Familien in Kayah hätten angegeben, dass ihre Hauptnahrungsquelle die Landwirtschaft sei, sie aber durch den Konflikt von ihren Höfen vertrieben worden seien. Anfang dieses Jahres schätzte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, dass sich die Zahl der hungernden Kinder in dem Land in den nächsten sechs Monaten auf 6,2 Millionen mehr als verdoppeln könnte - gegenüber 2,8 Millionen vor Februar.

Hilfsorganisationen sind Hände gebunden

In vielen Teilen des Landes konnten die Hilfsorganisationen aufgrund des anhaltenden Konflikts und der Beschränkungen bei der Lieferung von Hilfsgütern die bedürftigen Familien nicht erreichen. Viele vertriebene Familien sind auf Spenden der einheimischen Bevölkerung angewiesen, um Lebensmittel und lebensnotwendige Güter zu erhalten.

Auch Papst Franziskus äußerte sich zu Myanmar

Auch Papst Franziskus machte am Sonntag auf die tragische Situation in Myanmar aufmerksam und rief zu Frieden und einem Ende von Leid und Tod auf.

(vatican news - gh)

 

 

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05. Oktober 2021, 14:35