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Taliban in Kabul Taliban in Kabul  (ANSA)

Arzt in Kabul: „Helft uns, aus Afghanistan zu flüchten!“

Ein Arzt in der afghanischen Hauptstadt Kabul, der anonym bleiben möchte, beschreibt die Lage in Afghanistan und fordert die internationale Gemeinschaft auf, die leidenden Menschen aus dem Land zu bringen.

Die Evakuierungen aus Afghanistan kommen schneller voran. Bis Mittwoch wurden mehr als 2.200 Diplomaten und andere Zivilisten aus dem Land ausgeflogen, wie ein westlicher Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte.

Die zivilen Flüge wurden zwar gestoppt, aber die ausländischen Regierungen bemühen sich, ihre Bürger und die Afghanen, die mit ihnen zusammenarbeiten, aus Kabul zu bringen, nachdem das Land am Wochenende von den Taliban eingenommen wurde.

Zum Nachhören - was ein Arzt in Kabul und ein Weihbischof in Münster sagen

Die Taliban haben unterdessen versprochen, die Rechte der Frauen „im Rahmen des islamischen Rechts“ zu respektieren, wie ein Sprecher der Gruppe am Dienstag auf einer Pressekonferenz erklärte. Aus Berichten vor Ort geht hervor, dass die Afghanen nicht wissen, wie ihre Zukunft aussehen wird.

Ein Afghane mit der Nationalflagge in Kabul
Ein Afghane mit der Nationalflagge in Kabul

Ungewisse Zukunft in Afghanistan

Ein Arzt in Kabul, der anonym mit Radio Vatikan sprach, sagte, dass das Leben der Einheimischen in Gefahr sei, und fügte hinzu, dass die meisten Menschen daran gehindert würden, Afghanistan zu verlassen.

Er zitierte afghanische Nachrichtenberichte als Beweis dafür, dass ausländische Regierungen wüssten, was die Zukunft unter der Herrschaft der Taliban bringe, da sie versuchen würden, ihre Bürger und Afghanen, die mit ihnen zusammenarbeiten, zu evakuieren. „Das bedeutet, dass sie unter großem Druck stehen“, stellte er fest.

„Tausende von Menschen warten vor dem Flughafen ohne Pässe oder Visa“, sagte er. „Die ausländischen Behörden bringen sie aus Kabul und ganz Afghanistan heraus.“

Großbritannien habe Pläne angekündigt, innerhalb eines Jahres bis zu 5.000 Afghanen aufzunehmen, von denen die meisten Frauen, Mädchen und religiöse Minderheiten sein würden. In den kommenden Jahren sollen rund 20.000 Afghanen im Vereinigten Königreich aufgenommen werden.

Deutschland erwäge nach Angaben der Bundesregierung die Evakuierung von bis zu 10.000 Personen, darunter afghanische Hilfskräfte und Menschenrechtsaktivisten. Auch Weihbischof Stefan Zekorn, Beauftragter für weltkirchliche Themen im Bistum Münster, bewegen die Geschehnisse. Er zeigt sich besorgt um den Frieden und die Stabilität in der Region. Nun gelte es, der Verantwortung für die vielen Ortskräfte der Bundeswehr aber auch der internationalen Hilfsorganisationen nachzukommen, und sie vor der Bedrohung durch die Taliban zu schützen, sie außer Landes zu bringen. Die deutsche Gesellschaft sehe er für eine mögliche Aufnahme geflüchteter Menschen aus Afghanistan gut gerüstet – auch aufgrund der Erfahrung und der Einsatzbereitschaft vieler Helferinnen und Helfer in den Kirchengemeinden.

Plädoyer für Fluchthilfe

Der Arzt aus Kabul äußerte auch Zweifel über seine Zukunftsaussichten: „Ich glaube, dass es für mich noch schlimmer wird“, sagte er. „Es lastet eine Menge Druck auf mir, meiner Familie und allen hier.“ Er sagte, er hoffe, aus Afghanistan fliehen können und habe Kollegen um Hilfe gebeten.

Auf die Frage, was er der Welt mitteilen möchte, sagt er:

„Bitte unterstützt uns! Ich denke, die Welt weiß, was die Zukunft für uns bereithält. Ihr müsst den Menschen helfen, von hier wegzukommen!“

(vatican news/pm – mg)

19 August 2021, 11:39