Suche

Vatican News
Eine Familie erhält Lebensmittel von Caritas Mosambik, in Pemba, Mosambik, 30. März 2021 Eine Familie erhält Lebensmittel von Caritas Mosambik, in Pemba, Mosambik, 30. März 2021  (ANSA)

Sant'Egidio fordert mehr Hilfen für Mosambik: „Lasst sie nicht im Stich“

Die unhaltbare Situation in Mosambik hat die Gemeinschaft Sant'Egidio in einer Pressekonferenz angeprangert und darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung des Landes seit geraumer Zeit im Würgegriff des Terrorismus lebt. Es seien die jüngeren Generationen, die den höchsten Preis zahlen, erklärt der Priester Angelo Romano vom Büro für internationale Beziehungen der Gemeinschaft in unserem Interview.

Mario Galgano und Andrea De Angelis - Vatikanstadt

30 Millionen Menschen: So vielen geht es im ostafrikanischen Land Mosambik schlecht, weil sie mit einer Krise kämpfen, die ihr Leben maßgeblich beeinträchtigt und durcheinander bringt. Besonders diejenigen leiden, die im hohen Norden, an der Grenze zu Tansania, in der Gegend von Cabo Delgado leben. Der Terrorismus ist dort weit verbreitet und hat in den letzten drei Jahren und vor allem in den letzten zwölf Monaten Hunderttausende von Binnenflüchtlingen verursacht. Die Menschen sehen sich gezwungen, alles hinter sich zu lassen, um vor Terroranschlägen zu fliehen, aber ihre Reisen führen nicht immer in Sicherheit: Auf den Reisen der Verzweiflung gab und gibt es viele Opfer, vor allem unter den Jüngsten.

Zum Nachhören - wie die Lage im Mosambik ist

Auswirkungen der humanitären Krise

Die Gemeinschaft Sant'Egidio will die Menschen in Mosambik, die Opfer des Terrorismus sind, nicht im Stich lassen und weist auf die Auswirkungen der humanitären Krise hin. Pater Angelo Romano vom Büro für internationale Beziehungen von Sant'Egidio erläutert im Interview mit Radio Vatikan, wie es zur Krise in Mosambik kam:

„Am 4. Oktober 1992 wurde in Rom, in Sant'Egidio, das Friedensabkommen unterzeichnet und damit ein Bürgerkrieg beendet, der fast 17 Jahre gedauert und fast eine Million Tote gefordert hatte. Mosambik hatte eine hohe Wachstumsrate, es hatte einen Neustart, das Land hatte alle Karten, um seiner Zukunft mit Hoffnung entgegenzusehen. 2017 brach in Cabo Delgado, im äußersten Norden, an der Grenze zu Tansania, ein islamistischer Aufstand aus. Terroristische Anschläge einer Organisation, die später, so scheint es, auch formal Teil der islamistischen Terrorgruppe IS wurde, häuften sich. Angriffe, die darauf abzielen, das soziale Gefüge zu zerstören und es dann nach den Regeln des selbsternannten Islamischen Staates wieder aufzubauen. Angriffe, die die Bevölkerung wahllos getroffen haben.“

Schulunterricht in Mosambik
Schulunterricht in Mosambik

Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Binnenflüchtlinge enorm gestiegen. Bis heute seien es etwa 740.000 Menschen, von denen sich nur ein Zehntel in Lagern befinden würden, die von internationalen Organisationen unterstützt werden.

„Die meisten dieser Personen sind Flüchtlinge in familiären Zusammenhängen, in behelfsmäßigen Unterkünften. Die Situation ist daher im Moment sehr ernst und betrifft sowohl die christliche als auch die muslimische Gemeinschaft. Terroristen betrachten Muslime, die nicht ihrer Vision folgen, als Feinde und verfolgen sie genauso wie andere. Dies ist eine böse und extrem gefährliche Konstruktion. Mosambik hat schon lange nicht mehr die Mittel und Kapazitäten, um diese Krise zu bewältigen.“

Verschiedene Initiativen im Gange

Es habe in jüngster Zeit eine Reihe von Entscheidungen gegeben, um die Krise in Mosambik zu überwinden. Der Vertreter von Sant´Egidio zählt eine niederländische militärische Intervention auf, die noch im Gange sei und eine weitere der Gemeinschaft der Staaten des südlichen Afrikas stehe kurz vor dem Start.

„Die europäische Hilfe beginnt, aber wir von Sant'Egidio sind überzeugt, dass die Antwort nicht nur militärisch sein kann. Die Bevölkerung wurde an den Rand gedrängt, es sind sehr große Anstrengungen nötig, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen, und in diesem Sinne kann die internationale Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen.“

Besonders die Kinder würden den höchsten Preis in dieser Krise bezahlen, so der Priester.

„Wir reden hier über einen sehr hohen Prozentsatz dieser Flüchtlinge, fast die Hälfte der Gesamtzahl. Zusammen mit den Frauen stellen sie 75 Prozent der Binnenflüchtlinge. Sie zahlen also den höchsten Preis, weil sie ihre Ausbildung unterbrechen müssen, und viele werden von Terroristen entführt, um als Kämpfer ausgebildet zu werden. Viele Mädchen werden gekidnappt und versklavt. Eine weitere Zerbrechlichkeit liegt in der Situation der Kinder selbst, die dem Konflikt ausgesetzt sind. Es muss auch gesagt werden, dass diese Binnenflüchtlinge seit Wochen, ja sogar Monaten, zu Fuß oder in behelfsmäßigen Booten unterwegs sind, um terroristischen Angriffen zu entkommen. Viele von ihnen sind an Hunger und Erschöpfung gestorben.“

Sant'Egidio habe seine humanitäre Hilfe für diese Menschen verstärkt. So wurden etwa 25.000 Menschen mit Hunderten von Tonnen an Hilfsgütern beliefert. Die katholische Gemeinschaft wolle noch mehr tun, vor allem, indem sie Kindern den Schulbesuch ermöglichen wollen, so Angelo Romano.

(vatican news)

22 Juli 2021, 10:33