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Erzbischof Najeeb Michaeel Erzbischof Najeeb Michaeel  (KENZO TRIBOUILLARD/AFP)

Bekommt Erzbischof von Mossul den Sacharow-Preis?

Das Europa-Parlament hat eine Vorauswahl der Persönlichkeiten getroffen, die für den Sacharow-Preis dieses Jahres in Frage gekommen. Unter ihnen ist auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul im Irak. Er konkurriert mit der Opposition in Belarus und Umweltkämpfern in Honduras um die renommierte Auszeichnung.

Der Sacharow-Preis wird vom Straßburger Parlament jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich für die grundlegenden Menschenrechte einsetzen. Gruppen von mindestens vierzig Europa-Abgeordneten können Preisträger vorschlagen.

Erzbischof Najeeb Moussa Michaeel gehört dem Dominikanerorden an. Er verhalf 2014 vielen Menschen zur Flucht aus Karakosh, bevor die Terrorkämpfer des „Islamischen Staats“ die Stadt im Norden des Irak einnahmen. Außerdem rettete er damals Hunderte von wertvollen Manuskripten und Drucken, die teilweise bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.

Er rettete Bücher - und Menschen

Der Erzbischof war früher der Verantwortliche für die Bibliothek des Dominikanerordens in Mossul, die mehrere tausend seltene oder einmalige Manuskripte und Drucke auch in aramäischer, nabatäischer und phönizischer Sprache birgt. 1990 gründete er ein Zentrum für die Katalogisierung orientalischer Manuskripte (CNMO). 2007 sahen sich die Dominikaner gezwungen, aus Sicherheitsgründen von Mossul nach Karakosh umzuziehen.

Als der „Islamische Staat“ vor sechs Jahren die Ninive-Ebene eroberte, brachte Erzbischof Najeeb Moussa Michaeel 8.000 Manuskripte sowie 35.000 Dokumente in Sicherheit. In einem 2017 erschienenen Buch berichtet er von der Rettung, seitdem muss er die Geschichte immer wieder erzählen, auch jüngst bei einem Auftritt vor Europa-Parlamentariern.

Jetzt in Erbil: Die gerettete Bibliothek
Jetzt in Erbil: Die gerettete Bibliothek

 

Die Flüchtenden saßen auf den Manuskripten

Zehntausende von Christen suchten damals ihr Heil in der Flucht vor der Terrorbande. Die meisten flüchteten ins irakische Kurdengebiet. Mit den Autos, in denen sie Manuskripte transportierten, nahmen die Dominikaner auch Fliehende mit, die sich auf der Fahrt nach Erbil einfach auf die Manuskripte setzten. Im Dezember 2018 wurde Najeeb in seinem Exil vom Papst zum Erzbischof von Mossul ernannt.

Der französische Abgeordnete Nicolas Bay (ID) würdigt den Kirchenmann als „wirklich mutigen Menschen“. Er setze sich „unermüdlich für die Christen im Irak ein“ und habe „der Barbarei standgehalten“.

Am 22. Oktober wird der Name des endgültigen Preisträgers bekanntgegeben. Überreicht wird die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro dotiert ist, am 16. Dezember in Straßburg.

(cath.ch)

14 Oktober 2020, 10:11