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Myanmar in Zeiten von Corona Myanmar in Zeiten von Corona 

Myanmar: Vorbildlich im Kampf gegen Covid

Myanmar oder Burma, wie das südostasiatische Land auch genannt wird, wird von internen Konflikten heimgesucht, doch scheint das Land von der Coronavirus-Pandemie relativ unberührt zu sein. Die Regierung hat dennoch drastische Maßnahmen ergriffen, um die Pandemie einzudämmen. Die katholische Kirche, die nur eine kleine Minderheit ausmacht, erlebt den Lockdown hautnah, leistet aber auch materielle und geistliche Unterstützung. Wir sprachen mit einem französischen Missionar.

Mario Galgano und Adélaïde Patrignani - Vatikanstadt

In Myanmar wurden am 23. März die ersten Covid-19-Infektionen gemeldet. Bei den Betroffenen handelte es sich um Ausländer, und die Regierung von Aung San Suu Kyi ergriff rasch sehr strenge Maßnahmen: Flughäfen wurden geschlossen, Ausgangssperren verhängt, Grenzblockaden und sogar die Absage des Neujahrsfestes angekündigt, ein Novum für das Land.

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Das Coronavirus stellt eine große Bedrohung für Myanmar und seine 54 Millionen Einwohner dar. Das Gesundheitssystem wurde während der Militärdiktatur nämlich grob vernachlässigt. Diese prekäre Gesundheitssituation wird durch die lokalen Krisengebieten auf dem ganzen Territorium verschärft, von denen mehrere Gebiete aufgrund blutiger interner Konflikte zwischen der Armee und den Rebellengruppen außerhalb der Kontrolle der Regierung liegen. Vier Monate vor den Parlamentswahlen, die am 8. November stattfinden sollen, versucht die Regierung der „Nationalen Liga für Demokratie“ daher, Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, aber die Mittel sind begrenzt, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Folgen sind bereits spürbar: mehr als 90.000 Textilarbeiter haben ihren Arbeitsplatz verloren, immer mehr Menschen hungern, und die Weltbank hat ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum von 6 Prozent auf 2 Prozent zurückgestuft.

Hilfe aus Europa, USA, China und Südkorea

Myanmar erhielt zum Glück Hilfe von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten, aber auch von Vietnam, China und Südkorea. In diesem Zusammenhang versucht die Kirche auch, den Einwohnern Unterstützung zu geben. Papst Franziskus besuchte das Land mit 800.000 Katholiken, das zu 88 Prozent buddhistisch ist, im November 2017. Pater Ludovic Mathiou, Priester der französischen Auslandsvertretungen, ist seit 2017 in Myanmar und lebt derzeit in der Stadt Kalaymyo, an der Grenze zum Bundesstaat Chin.

„In Burma tauchte das Coronavirus am 23. März in einer kleinen Stadt im Chin-Staat namens Tedim auf, und hat sich dann bis nach Rangun verbreitet. Die Epidemie entwickelte sich am Ende recht langsam, es gibt bisher nur sechs offizielle Todesfälle und etwa 290 Corona-Infizierte [306 Infizierte  und 6 Todesfälle nach offiziellen Zahlen vom 4. Juli 2020, Anm. d. Red.], von denen die meisten bereits geheilt sind. Die aktuellen Fälle betreffen Menschen, die aus Nachbarländern wie Indien, Malaysia oder Bangladesch nach Burma zurückkehren. Die Regierung hat dafür gesorgt, dass das Virus rechtzeitig eingedämmt wurde - und das auch schon deshalb, weil sie medizinisch gesehen nicht über die Mittel verfügt, mit dem Virus umzugehen.“

Die burmesische Regierung hat in dieser Krise vieles richtig gemacht, würdigt der Missionar.

„Konkret hat die Regierung nach dem, was ich von meinem Standort aus sehen kann, Quarantänestationen eingerichtet, die diejenigen aufnehmen sollen, die aus dem Ausland kommen. Die Quarantäne dauert zwar recht lang und auch wir sind praktisch seit März eingesperrt, aber sie hat Früchte getragen. Abgesehen von Rangun, wo es, zweifellos aufgrund der Bevölkerungsdichte, viele Fälle gibt - über 200 -, sieht es im Rest des Landes relativ gut aus. Natürlich ist das Virus sporadisch vorhanden, aber glücklicherweise ohne allzu großen Schaden anzurichten.“

Der französische Missionar hat den Endruck, dass die Vorkehrmaßnahmen der Regierung  „recht gut gelungen“ seien, „trotz der großen Schwierigkeiten, mit denen das Land überall zu kämpfen hat“.

„Das Gesundheitssystem ist, seien wir ehrlich, nicht gut, denn seit etwa 1962 gab es keine privaten Krankenhäuser mehr - jetzt gibt es einige in Rangun, es gibt große Krankenhäuser, die wiedereröffnet wurden. Aber auf dem Land, in den Kleinstädten, ist das Gesundheitssystem nicht gut, auch wenn es gute Ärzte gibt. Deshalb hat Burma an seine Nachbarn appellieren müssen: Vor allem Korea hat viel geholfen, genauso wie China... Die Mittel sind gering, aber die Ärzte haben sich der Situation wirklich mutig gestellt und es tatsächlich geschafft, die Krise einzudämmen.“

Was die Kirche unternimmt

Die Kirche beteilige sich an dieser Hilfsaktion, so der Missionar weiter. Dies sei auf Ersuchen der Regierung schon der Fall gewesen, bevor die ersten Corona-Fälle gemeldet wurden. So habe die Kirche sich auch an der Verbreitung von Informationen beteiligt.

„Dann hat die Kirche auch ganz konkret Gebäude gespendet: In Rangun zum Beispiel kann das große Seminar nicht wiedereröffnet werden, weil es derzeit als Quarantänestation genutzt wird, und zwar für etwa hundert Menschen. Soviel ich weiß, sind da noch Menschen drin. Und die Kirche hat über die Caritas viel Gutes getan, indem sie Lebensmittel, Schutzmasken, hydro-alkoholische Gels verteilt und sich einfach um die Ärmsten der Armen gekümmert hat. Aber die Kirche kann nicht direkt auf medizinischer Ebene eingreifen, da sie keine Krankenhäuser mehr hat.“

Doch neben den positiven Seiten, die der Missionar aufzählt, dürfe man nicht die vielen Konfliktfelder in Myanmar außer Acht lassen. Es sei ein Land, das gerade einen Wandel durchmache, sagt Mathiou, und zwar einen Wandel, „der langsam, aber sicher vonstattengeht“. Und da dürfe man nichts überstürzen.

„Das entschuldigt keineswegs ein Verbrechen oder irgend eine andere Gewalttat, aber wir müssen versuchen, tiefer zu gehen, um dieses Land besser zu verstehen, das sehr schön ist. Ein Land mit einer jungen Bevölkerung, die die harten Jahre hinter sich lassen und den Anschluss an die Welt nicht verpassen will. Die katholische Kirche ist hier vor allem eine dynamische Institution, sehr jung, mit vielen priesterlichen Berufungen und vielen jungen Menschen, die sich für das Ordensleben interessieren. Beten Sie also für Burma, und kommen Sie doch auch selbst hierher!“

(vatican news)

07 Juli 2020, 10:33