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Zu Millionen gehen arbeitslose Wanderarbeiter zurück in ihre Dörfer Zu Millionen gehen arbeitslose Wanderarbeiter zurück in ihre Dörfer  (ANSA)

Indien: Entsetzen über Besprühung von Wanderarbeitern

Kirchenführer, Aktivisten und politische Parteien in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind schockiert über das Besprühen migrierender Wanderarbeiter mit Chemikalien, um sie zu desinfizieren. „Wir verurteilen die Tat", sagte der Sekretär der Kommission für Migranten der katholischen Bischofskonferenz Indiens, Pater Jaison Vadassery, dem asiatischen Pressedienst Ucanews. „Niemand in einer zivilisierten Gesellschaft wird das gutheißen".

Am 22. Mai fand ein Video über die Besprühung von Wanderarbeitern mit Chemikalien in einem Stadtteil von Neu Delhi  weite Verbreitung. Zuvor waren bereits in sozialen Netzwerken Videos von ähnlichen Sprühaktionen in anderen Bundesstaaten im Umlauf.

Nach Angaben der den Bundesstaat Delhi regierenden Aam Aadmi Party (AAP) war für die Sprühaktion ein städtischer Betrieb verantwortlich, den Mitglieder der regierenden hindu-nationalistischen Partei BJP leiten. Das Besprühen von Menschen mit Desinfektionsmitteln könne zu Augen-, Haut- und Atemwegserkrankungen führen, sagte ein Sprecher der Oppositionspartei laut Ucanews.

Millionen ziehen in ihre Dörfer

Seit dem am 24. März von Indiens Regierung verhängten Lockdown hat sich der Massenexodus von Migrantenarbeitern aus den Städten zu einer humanitären Krise entwickelt. Trotz des Appells von Premierminister Narendra Modi an die Arbeiter, an ihrem Aufenthaltsort zu bleiben, haben sich Millionen zu Fuß über Straßen und entlang von Eisenbahnlinien auf den Weg in ihre Dörfer gemacht.

Für viele der geschätzten 40 Millionen einheimischen indischen Wanderarbeitnehmer bedeutet der inzwischen bis 31. Mai verlängerte Lockdown Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Hunger. Die gestrandeten Migrantenarbeiter sind von den Corona-Hilfsprogrammen ausgeschlossen, weil die meisten nicht in den Städten gemeldet sind, in denen sie sich als Tagelöhner verdingen.

Kirchliche Helfer springen in die Lücke

In die Lücke springen unter anderem kirchliche Hilfsorganisationen. In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen habe die Bischofskommission für Migranten bisher 50.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt, sagte Pater Vadassery der International Catholic Migration Commission (ICMC).

(kna – gs)



27 Mai 2020, 09:28