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Palästinenser versuchen, den Stacheldraht zu entfernen, mit dem jüdische Siedler im Westjordanland besetzte Gebiete eingezäunt haben Palästinenser versuchen, den Stacheldraht zu entfernen, mit dem jüdische Siedler im Westjordanland besetzte Gebiete eingezäunt haben  (AFP or licensors)

Heiliges Land: Ökumenische Gremien fordern Ende der Annektierungspläne Israels

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und der Rat der Kirchen des Nahen Ostens (MECC) stellen sich gegen die Pläne einer einseitigen Annexion der palästinensischen Gebiete des Westjordanlandes durch Israel.

In einem gemeinsamen Brief an die europäischen Außenminister vom Montag fordern die beiden ökumenischen Gremien die Europäische Union dazu auf, „eine feste und prinzipientreue Position“ gegen das Projekt einzunehmen, das „eine schwere Verletzung des Völkerrechts“ und „einen verheerenden Schlag“ für die Zweistaatenlösung und den Friedensprozess in der Region darstellen würde.

Erst in den vergangenen Tagen hatten sich die Patriarchen und Oberhäupter der Kirchen des Heiligen Landes mit einem diesbezüglichen Appell an die Internationale Gemeinschaft gewandt.

Schritt bringe weder Gerechtigkeit noch Frieden

Die beiden ökumenischen Gremien verleihen in ihrem Schreiben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die EU mit ähnlichen Maßnahmen reagieren werde, wie sie für die Annexion der Krim durch Russland beschlossen wurden. Für den Fall, dass die israelischen Behörden mit der Annexion fortfahren sollten, fordern die Kirchenvertreter darüber hinaus die Aussetzung des Assoziations-Abkommens zwischen der EU und Israel, das ausdrücklich auf die Achtung der Menschenrechte und der demokratischen Grundsätze verweist.

Für den Ökumenischen Rat der Kirchen und den Rat der Kirchen des Nahen Ostens wird die Annexion „weder Gerechtigkeit noch Frieden bringen, sondern nur größere Ungerechtigkeit, Enteignung, zunehmende Spannungen, regionale Destabilisierung und eine weitere Erosion der Achtung des Völkerrechts“. „Die EU“, so warnt der Brief abschließend „darf sich nicht - durch Trägheit oder unangemessene Reaktion - an diesem Ergebnis mitschuldig machen.“

Bau neuer Siedlungen geht weiter

Die Proteste gegen das umstrittene und vom amerikanischen Präsidenten Trump hoch gelobte „Jahrhundert-Abkommen“, das im vergangenen Januar auf Betreiben der Vereinigten Staaten Israel die Möglichkeit einräumte, seine Souveränität auf die jüdischen Kolonien im Westjordanland auszudehnen, hatten die Pläne zum Bau neuer Siedlungen in den besetzten Gebieten nicht gestoppt, obwohl der Plan selbst die Forderung nach einem vierjährigen Einfrieren der Baumaßnahmen enthielt. Darüber hinaus haben sich die Angriffe jüdischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland in den letzten Wochen vervielfacht. Im Gegenzug beklagen jüdische Organisationen und Politiker weltweit verstärkt antisemitische Angriffe.

(vatican news - cs)

12 Mai 2020, 11:44