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Vatican News
Gesundheitseinrichtung in Kenia Gesundheitseinrichtung in Kenia  (AFP or licensors)

Afrika: Furcht vor massiver Ausbreitung des Coronavirus

Auch vor Afrika macht der Trend zunehmender Infektionen mit dem Coronavirus nicht Halt. Bislang sind über 300 Fälle festgestellt worden, doch die Situation in anderen Kontinenten hat gezeigt, wie schnell die Krankheit sich ausbreiten kann.

Benedetta Capelli und Christine Seuss - Vatikanstadt

Sorge bereiten den Experten vor allem die Länder Afrikas, deren Gesundheitssysteme bereits vor der Krise mangelhaft arbeiteten - und auch die Weltgesundheitsorganisation fürchtet, dass es an Ressourcen fehlt, um die weitere Ausbreitung der Krankheit erfolgreich zu verhindern. 

Auf der ganzen Welt wächst die Sorge über die rasche Ausbreitung des Coronavirus. Die Länder schotten sich gegenseitig ab, die Einreisen in die Europäische Union sollen streng reglementiert werden, und auch Deutschland hat an diesem Dienstag eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Umso mehr bereitet die sich verschlimmernde Situation in Afrika Sorgen: Länder wie Südafrika, Senegal, Ghana, Äthiopien und Kenia haben bereits Maßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, die sich vor allem in den vergangenen Tagen weltweit exponentiell ausgebreitet hat. Allein am vergangenen Freitag ist die Liste der Länder, die Infektionen mit dem Virus zu vermelden haben, von 9 auf 15 gestiegen - und ein Ende der Krise ist nicht absehbar. 

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Maßnahmen wie in Europa

Auch in Afrika wurden zweiwöchige Schulschließungen sowie die Aussetzung aller öffentlichen Zeremonien oder Sportveranstaltungen angeordnet, während Kenia bereits alle Flüge von und nach Europa gestrichen hat – weitere Einschränkungen werden geprüft. Der Stopp öffentlicher Veranstaltungen betrifft auch die Ortskirchen. So musste der Jugendtag der Erzdiözese von Accra in Ghana, geplant für den 27. und 28. März, bereits abgesagt werden. Für Freitag hat die Kirche von Elfenbeinküste zu einem Tag des Fastens und Gebets aufgerufen.

WHO in Sorge

Keinen Hehl aus seiner Sorge über die mögliche Ausbreitung der Krankheit auf dem afrikanischen Kontinent hat der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Ghebreyesus, gemacht: Er fürchte eine Explosion der Infektionen vor allem in den Ländern, deren Gesundheitssysteme Mängel aufwiesen, so der Experte. 15 Millionen Dollar sind bereits für die Länder bewilligt worden, die besonders risikobehaftet sind. Ähnlich äußerte sich der WHO-Verantwortliche für Afrika, Matshidiso Moeti, der dringenden Bedarf bei der Schaffung von Isolationsstationen und bei der Verbesserung von Präventionsmaßnahmen sieht.

Die einzelnen Länder reagieren unterschiedlich: So hat Äthiopien die Taktung seiner öffentlichen Verkehrsmittel erhöht, um eine Ansammlung von Passagieren zu vermeiden. Die Nutzung des Nahverkehrs ist derzeit kostenfrei. In Ruanda hat die Regierung zahlreiche Händewaschgelegenheiten auf den Straßen und insbesondere an Haltestellen installiert, während in Uganda alle eintreffenden Passagiere mit Sprays desinfiziert werden. 

Medizinische Hilfsorganisation unterstützt Ortskräfte

Die italienische Hilfsorgansation "Medici con l'Africa CUAMM" ist seit 1950 in Afrika aktiv. Auch sie muss sich auf die neuen Risiken einstellen. Dabei geht es um die Unterstützung der eigenen Ärzte – aber auch der lokalen Mitarbeiter im Gesundheitsdienst, die sich auf die absehbare Krise vorbereiten. Der Priester Dante Carraro leitet die Organisation und ist vor Kurzem von einer Reise in den Südsudan, eines der ärmsten afrikanischen Länder, zurückgekehrt.

„Unsere Hoffnung ist, dass das Virus bei hohen Temperaturen weniger aktiv ist.“

„Dem Coronavirus ist es gelungen, einen Kontinent wie Europa und ein Land wie Italien in die Knie zu zwingen, das eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, was die Qualität und Zugänglichkeit der Behandlungen angeht. Wenn einem Virus das gelingt, können wir uns nur vorstellen, was in Afrika geschehen kann, wo die Gesundheitssysteme schlecht aufgestellt sind, was den Zugang zur Behandlung, ausgebildetes Personal und Verfügbarkeit von Apparaten und Medikamenten betrifft. Unsere Hoffnung - die allerdings noch bestätigt werden muss - ist, dass das Virus bei hohen Temperaturen weniger aktiv ist. Es gibt einen Fall in Addis Abeba, das auf 2500 Metern Höhe liegt, aber zum Glück noch keinen im Südsudan, wo sehr hohe Temperaturen herrschen.“

Dessen ungeachtet sei es jedoch klar, dass die Situation für den afrikanischen Kontinent insgesamt als sehr ernst eingestuft werden müsse, meint der Experte angesichts mangelnder Intensivtherapieplätze. Einige Länder verfügten beispielweise über keine Rianimationsmöglichkeiten, ein deutliches Zeichen für die Verwundbarkeit Afrikas. Insbesondere die Länder der Subsahararegion seien besonders betroffen, meint Carraro.

Deutliche Unterschiede innerhalb Afrikas

„Es gibt arme Länder, die aber nicht besonders instabil sind. Beispielsweise Uganda und Tansania haben ein strukturiertes Bildungs- und Gesundheitssystem. Systematisch kommt es dort zu Ebola-Fällen und die Antwort darauf erfolgt auf wirksame Weise. Dann gibt es Länder wie Südsudan, wo man gar nicht von Gesundheitssystem sprechen kann, es fehlt an medizinischem Personal, an Hebammen und Krankenpflegern. Und dann gibt es arme und extrem instabile Länder wie die Zentralafrikanische Republik oder die Demokratische Republik Kongo.“

Die Ärzte der Organisation vor Ort seien auf das bestmögliche vorbereitet, zeigt sich der Leiter von "Medici con l'Africa CUAMM" überzeugt. Sie würden mit Materialien wie Schutzanzügen, Handschuhen, Gesichtsmasken und Desinfektionsmitteln versorgt. 

„Die Ärzte, die dort arbeiten, Italiener wie Einheimische, geben alles und achten nicht auf Arbeitszeiten“

„In Äthiopien haben wir ein Zelt aufgestellt, das als Isolierstation für Corona-Verdachtsfälle dient. Die Ärzte, die dort arbeiten, Italiener wie Einheimische, geben alles und achten nicht auf Arbeitszeiten. Sie gehen sehr umsichtig vor, denn ihnen ist bewusst, dass es eine Katastrophe wäre, wenn das Virus auf die schwächeren Bevölkerungsschichten übergreifen würde.“

Doch bei all der Schwäche des Kontinents gebe es auch eine positive Seite zu berichten, unterstreicht Carraro. Denn angesichts der mangelhaften Gesundheitsstrukturen hätten die Mitarbeiter der Gesundheitssysteme die Fähigkeit entwickelt, umso wirksamer auf Epidemien zu regieren. Dies habe auch dazu beigetragen, dass erst jetzt erste Fälle aufträten, meint der Experte. 

„Die Tatsache, dass Ebola in den afrikanischen Ländern gewütet hat, hat dazu beigetragen, dass man dort besser vorbereitet ist als in Europa“

„Die Tatsache, dass Ebola aufgetreten ist, ein Virus, das in den afrikanischen Ländern gewütet hat, hat dazu beigetragen, dass man dort besser vorbereitet ist als in Europa. Ich will nur ein Beispiel nennen, ich bin letzte Woche aus Südsudan zurückgekommen und auf allen Transitflughäfen, in Juba und Addis Abeba, gab es Temperaturscanner. Das heißt, die Temperatur wird kontrolliert und wenn man Fieber hat, wird nochmals gemessen. Bestätigt sich das Fieber, wird man in Quarantäne genommen.

Dieser Mechanismus, der aus der Erfahrung mit Ebola entstanden ist, hat dazu geführt, dass die entsprechenden Instrumente erworben wurden und das hat meiner Ansicht nach den Eintritt des Virus in einige Länder verlangsamt. Ich denke an Äthiopien, das viele Flugverbindungen mit China hat: und trotzdem hat Addis Abeba das Virus gut in Schranken gehalten. Wir wissen natürlich um die große Ausbreitungsfähigkeit des Virus und wir hoffen, dass es gelingen wird, es einzudämmen. Aber das liegt an den einzelnen Ländern, und in Afrika gibt es einige, die wirklich instabil sind...“

(vatican news)

16 März 2020, 11:37