Suche

Vatican News
Banksy - Krippe mit Mauer Banksy - Krippe mit Mauer   (AFP or licensors)

Heiliges Land: „Machtgebärde der Mauer drückt Hilflosigkeit aus"

Gerade Deutsche könnten Mut machen und Hoffnung geben, dass eine friedliche Lösung für Israel und Palästina möglich sei. Das denkt der Mainzer Weihbischof Udo Bentz nach einer Reise ins Heilige Land, die er zusammen mit anderen Bischöfen der Weltkirche antrat. Radio Vatikan sprach mit ihm über seine Eindrücke.

Claudia Kaminski – Vatikanstadt

Weihbischof Bentz erläutert den Sinn der Reise der Bischöfe in den Nahen Osten: „Eine Pilgerreise, die aber natürlich in den jeweiligen Ortskirchen zu Hause auf die Situation im Heiligen Land aufmerksam machen will, die aber auch im Heiligen Land Zeichen der Solidarität setzen will, dass wir uns mit den Christen im Heiligen Land ganz besonders verbunden fühlen.” 

Hier zum Nachhören


Zeichen der Solidarität

Es gehe auch darum, Unterstützung zu geben und Präsenz zu zeigen, so Bentz, der auch Generalvikar in Mainz ist. So habe in einer Pfarrei in Ramallah ihm ein Lehrer gesagt, wie dankbar er sei, dass die Bischöfe da seien und man miteinander reden könne: „Das ist für die Christen hier ein Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung. Aber auch im Gaza-Streifen, da waren wir vor zwei Jahren und haben mit Jugendlichen gesprochen, die keine Zukunft für sich sahen in Gaza. Daraufhin gab es eine Initiative, ein Qualifikationsprogramm zu starten, dass Jugendliche qualifizieren sollte für eine Berufsausbildung, für eine berufliche Anstellung. Jetzt konnten wir nach zwei Jahren am vergangenen Sontag mit den Jugendlichen sprechen und haben gespürt, wie sie dadurch Hoffnung und Mut geschöpft hatten.”

Gaza als Gefängnis


Auf die Frage nach der humanitären Situation berichtet uns Weihbischof Bentz von den Problemen im Gaza-Streifen: „Gaza stellt quasi eine Gefängnissituation für die Menschen dar. Da werden die Familienkontakte gekappt, es ist sehr schwierig Beziehungen zu den Familien außerhalb von Gaza aufrecht zu erhalten.“ In diesem Zusammenhang verweist der Geistliche auch auf die Problematik der Ausreisegenehmigungen nach Bethlehem etwa zu Weihnachten. Schwierig seien die Medizin- sowie die Wasserversorgung; Strom gebe es nur acht Stunden am Tag, weiß der Geistliche.

Hier seien Appelle an beide Regierungen notwendig – sowohl an die israelische als auch an die palästinensische, fordert Bentz, denn es mache sich Resignation breit.

„Aus Gaza will jeder weg“

Gaza bezeichnet er als Ort, wo eigentlich jeder weg wolle, wo aber Menschen zurückblieben, um die sich beispielsweise die Schwestern der Mutter Teresa kümmerten. Bentz ist überzeugt, dass genau dort Kirche auch sein müsse.

Besonders beeindruckt hat den Generalvikar der Besuch bei den Comboni-Schwestern, auf deren Grundstück in Bethanien, Ost-Jerusalem, vor zehn Jahren die Mauer gebaut wurde. „Wir standen an dieser Mauer, sie grenzt direkt an den Spielhof des Kindergartens. Die Schwestern haben sich entschieden, auf beiden Seiten der Mauer zu leben. Sie sagen: ,Wir leben auf beiden Seiten der Mauer und versuchen dadurch den Menschen einen Raum der Hoffnung zu eröffnen.´ Auf der einen Seite durch ein Gästehaus und durch den Kindergarten, auf der anderen Seite jenseits der Mauer durch die Arbeit mit Beduinen und Flüchtlingen. „Da wird deutlich, wie notwendig das ist, dass Kirche auch an solchen Orten da ist – gerade an solchen Orten und auch gegen eine solche Mauer andere Zeichen setzt,” betont Bentz.

„Diese Machtgebärde der Mauer ist letztlich ein Ausdruck von Hilflosigkeit“

Udo Bentz wurde 1967 geboren, zur Zeit des geteilten Deutschlands. Wie es für den Geistlichen ist, wieder vor einer trennenden Mauer zu stehen, wollten wir von ihm wissen: „Ein Gedanke in diesen Tagen, wann immer ich mit dieser Mauer konfrontiert war: diese Machtgebärde der Mauer ist letztlich ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Und unsere Erfahrung, die ich auch in das Bischofstreffen einbringen konnte, die Hoffnung nie aufzugeben, dass es friedfertige Lösungen für diese Konflikte gibt.“ Es bedürfe aller Anstrengungen, damit der Friedensprozess voranschreiten könne, betont Bentz. 

Dynamik der Separation

Auf beiden Seiten der Mauer haben die Menschen, davon ist Bentz überzeugt, das Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit. Daher müsse alles unternommen werden, diesen Weg zu stärken und eine weitere Eskalation zu verhindern: „Wir haben an einem Nachmittag auch über die Siedlungspolitik gesprochen und uns konkret an manchen Stellen diese Siedlungspolitik angesehen. Da spürt man eine weitergehende Dynamik nicht nur, dass Wohnungen gebaut werden, sondern auch wie die Infrastruktur zersiedelt wird.” Eine solche Dynamik der Separation könne beiden Völkern keine friedliche Zukunft bieten. 

Zwei-Staaten Lösung trotz Mauer?

Die Siedlungspolitik widerspreche internationalem Völkerrecht, betont Bentz und begrüßt die deutliche Stellungnahme der Bundesrepublik Deutschland gegen die Siedlungspolitik zu Beginn des Jahres. Die Notwendigkeit der internationalen Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung habe der stellvertretende Premierminister in Ramallah auch betont, so Bentz. Auf die Frage, ob er tatsächlich an eine Zwei-Staaten-Lösung glaube, meint der Bischof: „Diese Frage ist in diesen Tagen immer wieder diskutiert worden – wie realistisch ist das, wie wahrscheinlich ist das…. Das Ziel, dass beide Völker friedlich miteinander leben und beieinander leben müssen – darin sind sich alle einig. Es ist aber die Frage, wie illusorisch ist diese Lösung geworden durch diese Fakten, die immer neu gesetzt wurden und gesetzt werden.”

Bentz betonte, dass gerade die Deutschen hier Hoffnung geben könnten und dass man den Mut haben müsse daran festzuhalten. Dazu seien nicht nur Appelle notwendig, sondern es müsse in Gesprächen konkret darauf hingewirkt werden.

Christen gehören ins Heilige Land

Angesprochen auf die Abwanderung der arabischen Christen zeigt der Kirchenmann Verständnis – gerade für Jugendliche, die keine Perspektive sähen, dass ihre Rechte gewahrt würden. Man müsse aber bedenken: „Wenn die Dynamik der Auswanderung der Christen anhält, dann geht die Präsenz der Christen im Heiligen Land immer weiter zurück. Wir sprechen jetzt von einer Präsenz von einem Prozent. Das Christentum gehört aber in diesen Kulturraum, das Christentum gehört in das Heilige Land.” Daher hätten alle eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass Christen auch eine Perspektive auf Zukunft hin hätten.

Pilgerreisen nur mit echten Begegnungen

Zurück in Deutschland will er über die Situation der Christen im Heiligen Land informieren und sie ins Bewusstsein der Menschen bringen. Dazu gehören auch die Pilgerreisen: „Das ist wichtig, das ist notwendig, das ist gut. Aber auch die Frage zu stellen, wie sind denn diese Pilgerreisen gestaltet. Ich glaube, es ist notwendig, dass man Begegnungen auf diesen Pilgerreisen schafft, mit den Pfarreien hier vor Ort, mit den Menschen, und diese Themen nicht ausklammert, sondern sich damit auseinandersetzt. “

(vatican news)

16 Januar 2020, 13:23