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Als Kardinal Bergoglio in Aparecida auf eine kühne Idee kam

Zu den Protagonisten der Amazonien-Synode gehört das Netzwerk der Bischöfe Amazoniens – kurz REPAM genannt. Als Reaktion auf die Zerstörung im Amazonasgebiet wurde dieses transnationale Netzwerk vor fünf Jahren gegründet. Wir sprachen mit dem Generalsekretär Mauricio Lopez, der uns den wahren Ideengeber dieses Netzwerkes preisgibt.

Mario Galgano – Quito/Vatikanstadt

Die Vorbereitungen für die Amazonas-Synode laufen auch Hochtouren. Eine Schlüsselrolle spielt die REPAM, die bei der Vorsynode dabei war und mit dem Sekretariat der Bischofssynode eng zusammenarbeitet, wie uns der Generalsekretär des Netzwerkes, Mauricio Lopez, sagt. Die dort organisierten Kirchenvertreter der Amazonas-Region hätten hohe Erwartungen an das Treffen im Vatikan.

Zum Nachhören

„Das Netzwerk REPAM ist das Ergebnis eines zehnjährigen kirchlichen Weges, der vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils ausgeht, bei dem die Kirche sich sehr stark öffnet für die Herausforderungen der globalen Realität. REPAM integriert aber in gewisser Weise auch das Kirchesein der einzelnen Regionen Amazoniens. So kann die Mission der REPAM nur durch diesen Zusammenhang und in der Realität des Alltags in Lateinamerika verstanden werden.“

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Die Rolle der „Missionsbischöfe“

Das Besondere an der Vorsynode zum großen Treffen im Vatikan – und auch das Besondere der Zusammensetzung der REPAM – sei die Tatsache, dass sich vor allem sogenannte „Missionsbischöfe“ beteiligten. Sie würden immer wieder die Ausbeutung im Amazonasgebiet hervorheben, so Lopez. Die Erarbeitung der zu behandelnden Themen bei der Synode wurde daher Bischöfen und Missionaren anvertraut, die die Realität im Amazonasgebiet aus Erfahrung kennen - eben nicht nur „vom Hörensagen“, erklärt der Sekretär des REPAM gegenüber Radio Vatikan.

Um die Bedeutung der REPAM zu verstehen, müsse man sich daran erinnern, dass die Idee zur Schaffung eines solchen Netzwerks von panamazonischen Bischöfen vom damaligen Kardinal von Buenos Aires, Jorge Bergoglio, gegeben wurde, der auf dem Kongress von Aparecida 2007 diesen Vorschlag unterbreitet hatte, erinnert Lopez. Es sei eine kühne Idee gewesen, denn es hätte bereits kirchliche Einrichtungen für das Amazonasgebiet gegeben. Doch Kardinal Bergoglio schlug stattdessen die Gründung eines Netzwerkes vor, das mit einer „lockeren Struktur“ vor allem den Austausch über die Landesgrenzen hinaus und die Zusammenarbeit mit Indigenen in den Vordergrund stellen sollte.

Zusammenarbeit mit Indigenen

Lopez fügt hinzu, dass es eine starke Verbindung zur pastoralen Mission im Amazonasgebiet gebe. So arbeite man mit dem Indigenen-Missionsrat CIMI zusammen, einer Organisation, mit der die REPAM die Themen der Synode koordiniert habe.

„Und die REPAM kann nicht verstanden werden ohne die Unterstützung großer Institutionen der Missionskirche, die seit über 40 Jahren besteht, wie eben den Rat der Missionare für die Indigenen, CIMI, der heute vom brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro stark angegriffen wird. Denn unsere Institutionen sind Ausdruck einer Kirche mit 45jähriger Erfahrung in der Begleitung für indigene Völker, insbesondere in Brasilien. In Peru haben wir eine ähnliche Situation, mit der Organisation CAAP - dem Zentrum für Anthropologie und praktische Anwendung im Amazonasgebiet, das seit 42 Jahren besteht. Und seit 20 Jahren gibt es andere panamazonische Realitäten, die sich nicht nur mit Fragen der indigenen Bevölkerung oder einzelner Makro-Territorien befassen, sondern mit der gesamten Amazonas-Realität.“

Eine Synode für alle

Viele seien überrascht gewesen, dass der Papst eine Synode für ein bestimmtes Gebiet einberufen habe, das ein eigener Lebensraum sei und neun Länder umfasse. Allerdings betreffe die Amazonas-Synode einen noch viel größeren Kontext, erklärt Lopez mit Blick auf das Thema Umwelt- und Klimaschutz. „Das ist eine Neuheit, aber das kommt von der Arbeit der interkongregationalen Gruppen, die sich mit der Enzyklika Laudato Si befasst und gesagt haben, dass alles miteinander verbunden ist.“

Lopez ist sich bewusst, dass es auch in der Kirche Kritik an der Synode und an den von REPAM gewählten Themen gebe. Kritik sei immer willkommen, sagt der Sekretär. Er ist jedoch der Ansicht, dass einige der Kritikpunkte ungerecht seien. Lopez betont, dass er noch nie ein so freies und „fröhliches“ präsynodales Treffen erlebt habe. Das „Geheimnis dieses Erfolgs“ seien die bereits erwähnten Missionsbischöfe unter den Synodenvätern, die das Amazonasgebiet sehr gut kennen.

“ Die Peripherien sind wie ein Senfkorn. ”

„Als wir uns vor Kurzem einmal mit dem Papst zum Kaffee trafen, es war bei der Vorsynode, sprach er mit einem kolumbianischen Ordensmann. Zwei Dinge hatten mich dabei beeindruckt: Er sagte, dass die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste gerichtet werden müsse, und das sei, dass die Peripherien im Mittelpunkt stehen müssten. Es gibt einen Auftrag der Kirche, der besagt, dass die Vororte nicht wertlos sind, sondern dass sie stattdessen erleuchten und reinigen und dem Zentrum in seiner Mission helfen können. Es geht nicht darum, das Zentrum zu ersetzen. Es gibt nichts, was dem Evangelium näher steht als diese Botschaft. Die Peripherien sind wie ein Senfkorn.“

 „Kreative Lösungen“ für Priestermangel 

Lopez macht deutlich, dass es nicht das Ziel der REPAM sei, Empfehlungen über die Abschaffung des Zölibat zu geben. Vielmehr bräuchten die Gläubigen im Amazonasgebiet auch neue Formen, um etwas gegen den Priestermangel tun zu können. Und da seien „kreative Lösungen“ willkommen. Wie diese ausschauen, könnten die Synodenväter in den kommenden Wochen erarbeiten, hofft der Generalsekretär der REPAM.

(vatican news)

03 Oktober 2019, 09:30