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Der chaldäisch-katholische Patriarch, Louis Raphael Sako, seit 2018 Kardinal Der chaldäisch-katholische Patriarch, Louis Raphael Sako, seit 2018 Kardinal   (AFP or licensors)

Irak: Christen werden um Parlamentssitze betrogen

Der chaldäische Patriarch hat einmal mehr seiner Bedrückung über die Auswanderung irakischer Christen Ausdruck verliehen. Wie die vatikanische Nachrichtenagentur Fides meldet, macht Kardinal Louis Raphael Sako dafür auch unfaire Vorgänge in Politik und Verwaltung verantwortlich. Seit Jahren schrumpft die christliche Minderheit in dem überwiegend islamischen Land.

Es gleicht einem Exodus: Machten Christen im Jahr 1970 noch etwa fünf Prozent der irakischen Bevölkerung aus, so sei ihr Anteil seit dem Regime-Sturz 2003 auf weniger als zwei Prozent gesunken. Der chaldäische Patriarch bedauert das Phänomen der Auswanderung als Verlust der christlichen Präsenz und als Gefahr für die kulturelle Pluralität des Irak. Schuld daran seien allerdings die vielen Diskriminierungsfälle, die Christen im Alltag benachteiligten.

Benachteiligung bei der Vergabe von Ämtern

Der Kardinal berichtet etwa darüber, dass die einflussreichsten irakischen Parteien mit ihren Abgeordneten jene Parlamentssitze besetzten, die nach Quotenregelung christlichen Vertretern in den staatlichen Einrichtungen vorbehalten seien. Der gleiche Quotendiebstahl finde auch bei Kommunal- und Verwaltungsbehörden statt. Damit dränge man Christen an den Rand und beschneide ihre Zugangschancen zu öffentlichen und akademischen Positionen.

Offensichtlich geworden sei die religionsbezogene Marginalisierung zum Beispiel im Fall der jungen Christin Maryam Maher. Die vom Bildungsministerium hochgelobte Absolventin sei bei der Vergabe von Plätzen nicht berücksichtigt worden, mit der Begründung: „Weil sie eine Christin ist“. Selbst an der Universität von Hamdanyia hätten sie keinen neuen Präsidenten ernannt, weil der qualifizierteste Kandidat ein christlicher Professor gewesen sei.

Bedrängnis für Christen bleibt auch nach IS-Terrorismus 

Antidiskriminierungsmaßgaben bei Ruhestandsregelungen und Sondergerichten würden weiterhin nicht eingehalten. Deswegen seien Christen auf die mitunter willkürliche Praxis islamischer Gerichte angewiesen – in erblichen, ehelichen und religiösen Angelegenheiten.

Die Zahl der Christen im Irak wird auf etwa 225.000 geschätzt – bei ungefähr 39 Millionen Einwohnern. Auch nach den Erfolgen gegen die islamistischen Terroristen der IS-Miliz sprechen Beobachter von Anfeindungen gegen Christen in der Öffentlichkeit, teilweise ausgelöst von fundamentalistischen Moscheegemeinden. Neben administrativen Benachteiligungen zählen Anschläge auf Kirchen sowie Entführungen und Gewalt zu den Problemen.

(fides/vatican news – fr)

 

17 Mai 2019, 11:57