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Die Faisal-Moschee in Islamabad Die Faisal-Moschee in Islamabad 

Pakistan: Dominikaner hält Ansprache in Moschee

Der Dominikanerpater James Channan, Leiter eines kirchlichen Friedenszentrums in Lahore, hat auf Einladung islamischer Freunde eine Ansprache in der zweitgrößten Moschee Pakistans gehalten.

Channan durfte bei einer Gedenkveranstaltung für einen Imam, der sich immer um gute Kontakte zu Christen bemüht hatte, in der Badshahi-Moschee von Lahore das Wort ergreifen. Das berichtet die vatikanische Nachrichtenagentur fides. Der jetzige Imam, Sohn des Verstorbenen, habe den Dominikaner zu der Veranstaltung eingeladen.

“ Wenn alle so dächten... ”

Pater Channan durfte sich von der Redekanzel der Moschee aus an die Muslime im Gebetshaus wenden. Dabei würdigte er das Engagement des früheren und des jetzigen Imam für den interreligiösen Dialog. „Wenn alle muslimischen Verantwortlichen dem Beispiel dieser beiden großen Führer folgen würden, könnte Pakistan zu einem Land werden, in dem alle Religionen in Frieden und Harmonie leben.“

Gegenüber „Kirche in Not“ hat Channan jetzt von Erleichterung bei einer großen Mehrheit der pakistanischen Bevölkerung über das jüngste harte Durchgreifen der Sicherheitskräfte gegen Islamisten gesprochen. Er hoffe, dass die Regierung diesbezüglich auf Kurs bleibe.

Militanter Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit

Im Zuge des Freispruchs für die verhaftete Katholikin Asia Bibi sei im Ausland der Eindruck entstanden, dass eine Gruppe militanter Muslime jederzeit das ganze Land lahmlegen könne, so der Dominikaner: „Aber der militante Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit. Es gibt 10 bis 15 Prozent radikale Islamisten, die die Menschen zu Gewalt anstacheln. Die Mehrheit der Muslime folgt diesen Aufheizern nicht. Sie setzen sich für die Religionsfreiheit auch der Christen ein. Es war eine große Erleichterung für Christen und Muslime, dass die pakistanischen Sicherheitskräfte in jüngster Zeit über 1.000 Islamisten festgenommen haben.“

Die Lage der Christen in Pakistan ist laut Channan aber alarmierend, denn sie lebten in Angst und Unsicherheit: „Diese Situation hält schon seit den 1970er Jahren an, seitdem die islamische Gesetzgebung der Scharia in Pakistan als Quelle der Gesetzgebung dient. Vor allem das umstrittene Blasphemiegesetz wird von radikalen Muslimen missbraucht, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Wenn irgendwo ein Christ wegen angeblicher Blasphemie angeklagt wird, stehen gleichzeitig alle Christen in der Region am Pranger. Oft kommt es dann auch zu Ausschreitungen gegen Christen. Genau das passierte auch im Fall Asia Bibi.“

Es gibt viele Asia Bibis

Nach Channans Angaben gibt es weitere 187 Fälle, in denen Christen wegen Blasphemie angeklagt sind, etwa das Ehepaar Shafqat Masih und Shagufta Bibi. „Sie sind in der Todeszelle, ich habe sie dort besucht. Sie werden beschuldigt, blasphemische SMS verschickt zu haben. Das Paar bestreitet das. Ihre Zukunftsaussichten sind sehr düster. Selbst wenn sie doch noch freigesprochen werden sollten, werden sie und ihre Kinder nicht länger in Pakistan leben können. Fanatische Muslime werden versuchen, sie zu töten“, so Channan. Das Blasphemiegesetz zerstöre so das Leben der Angeklagten, auch wenn sie der Hinrichtung entgingen.

Im Blick auf sein Friedenszentrum sagte der Dominikaner, es sei gelungen, viele Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen. „Wir wollen zeigen, dass die verschiedenen Religionen keine Angst voreinander zu haben brauchen.“
 

(osservatore romano/kap – sk)
 

22 Januar 2019, 11:38