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Heiliges Land: Die Geburtskirche als Symbol für Frieden

Kurz vor dem Hochfest der Geburt Jesu Christi fand in Rom am Dienstagabend eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Wiederherstellung der Geburtskirche in Bethlehem statt. Kardinal Leonardi Sandri würdigte bei diesem Anlass die positive Zusammenarbeit von Christen, Juden und Muslimen, durch die die Arbeiten erst ermöglicht wurden. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte die ‚Bethlehem Development Foundation‘.

Claudia Kaminski - Vatikanstadt

Kardinal Sandri, Präfekt für die Ostkirchen, bekräftigte in seinem Grußwort, dass man mit der Veranstaltung in Rom auf die Restaurierung des Weltkulturerbes und dessen geistigen Schatz aufmerksam machen wolle in einer Zeit, in der leider Spannungen, Ungerechtigkeiten und Leiden andauerten. Es gehe jedoch darum, das Wunder zu feiern, dass Jesus Christus Mensch wurde, fleischgewordenes Wort Gottes.

Auch das Gesicht der Kirche kann verkrustet sein 


Das Licht der Grotte von Bethlehem, so der Kardinal, spiegele sich in den Gesichtern und Herzen der Menschen wider – auch dank der mehr als 1.5. Mio Mosaiksteine in der Basilika. Besonderes Augenmerk richtete Sandri auf den siebten Engel des Mosaiks in der Basilika, der während der Restaurierung ans Licht kam. Mit den anderen sechs Himmelsgeistern bilde er eine Art Prozession an den Ort, der an das Geheimnis der Geburt Jesu erinnere. Papst Franziskus zitierend machte er deutlich, dass selbst das Gesicht unserer Kirche aufgrund unterschiedlicher Probleme und Sünden durch „Verkrustungen“ verdeckt sein könne. Aber so hell, wie der Engel jetzt strahle, so könne auch das Antlitz der Kirche, des inkarnierten Christus wieder sichtbar werden. Das andere Symbolbild der Restaurierungen: die Begegnung des auferstandenen Christus mit dem ungläubigen Thomas, dessen Hand er in seine Seitenwunde drückt. Es gilt als erste Darstellung dieser Art in der christlichen Ikonographie.

Die Restaurierung der Geburtskirche Jesu Christi soll spätestens 2019 abgeschlossen sein. Voran geht den Arbeiten eine wechselvolle Geschichte. Vor mehr als zehn Jahren wurden Machbarkeitsstudien durchgeführt im Hinblick auf die Erneuerung des Daches, der Mosaike des Kirchenschiffes sowie der Narthex, der schmalen, eingeschossigen Vorhalle der Basilika. Auch die freskierten Säulen und der Mosaikboden waren Bestandteil der Untersuchungen. Zuletzt soll auch die Geburtsgrotte selbst restauriert werden.

Beispiellose Zusammenarbeit von Christen, Juden und Muslimen 

Das Projekt ist nur unter beispielloser Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und religiösen Gemeinschaften vor Ort möglich: Diese bestehen aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen, Juden und Muslimen. Zeichen dieses gemeinsamen und realen Lebens sei aber auch die Teilnahme an der Errichtung des Weihnachtsbaumes in Bethlehem, bei der man sich gemeinsam auf das Fest der Geburt Jesu Christi vorbereite.

In Bethlehem sind sogar die Engel geerdet


Religiöse Spannungen verhinderten wohl jahrelang eine ordentliche Restaurierung der Geburtskirche von Bethlehem – jahrezehntelang passierte: nichts. 2017 gelang es jedoch, den Blick auf das Gotteshaus des 6. Jahrhundert wieder freizugeben, ganz besonders den Blick auf die herrlichen alten Mosaiken, die wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlten. Ein italienischer Restaurator, der die Mosaiken von ihren Verkrustungen befreit hatte, sagte zur ikonographischen Besonderheit: „Normalerweise sind die Engel komplett von Gold umgeben, weil sie nicht von der irdischen Welt sind, hier aber haben alle Engel ihre Füße auf dem Boden, denn das ist der Ort, an dem Gottes Sohn auf die Welt hinabgestiegen ist. Die Engel begleiten die Gläubigen zur Geburtsstätte.“

Gottesdienste haben während der Restaurierungen immer stattgefunden. Auch der Pilgerbetrieb ging fast normal weiter. Finanziert wird das Projekt etwa zur Hälfte von der palästinensischen Regierung und vom Privatsektor. Die andere Hälfte muss durch Sponsoring, Spenden und Fundraising gedeckt werden, an dem sich etwa der Vatikan, Griechenland, Russland, Marokko und Deutschland beteiligen. Die Gesamtkosten belaufen sich vermutlich auf mehr als 20 Millionen Euro. 

Geschichte der Basilika: Weltkulturerbe seit 2011


Die Geburtskirche im Zentrum von Bethlehem ist eine der heiligsten Stätten der Christenheit. An der Stelle, an der Maria in einer Höhle Jesus geboren haben soll, wurde unter Kaiser Konstantin 326 der Vorgängerbau der heutigen Kirche errichtet. Der Hauptaltar der im sechsten Jahrhundert neu erbauten Basilika befindet sich über einer zwölf mal zehn Meter großen Grotte. Dort wird, markiert durch einen 14-zackigen Stern auf dem Boden, der Geburtsort Jesu verehrt. Der Eintritt in die Kirche erfolgt seit dem 16. Jahrhundert durch die nur 1,20 Meter hohe „Tür der Demut“.

Die Geburtskirche ist Teil eines 12.000 Quadratmeter großen Komplexes von Kreuzgängen, Klöstern, Grotten und weiteren Kirchen. So ist die katholische Katharinenkirche direkt mit der Geburtsbasilika verbunden. Weiter gehören ein lateinischer, ein griechisch-orthodoxer und ein armenischer Konvent dazu. Die Basilika selbst wird von diesen drei Konfessionen gemeinsam verwaltet. Seit mehr als 1.600 Jahren leben hier Mönche. 2012 setzte die Weltkulturorganisation UNESCO den Komplex der Geburtskirche auf die Liste des Weltkulturerbes.

Im Lauf der Jahrhunderte war das Gotteshaus, eine der ältesten komplett erhaltenen Kirchen überhaupt, immer wieder umkämpft, etwa zwischen Muslimen und christlichen Kreuzrittern. Nach dem Siegeszug des Islam im siebten Jahrhundert wurde die Stätte durch eine Anordnung des Kalifen Omar zu einem Bethaus für Christen und einzelne Muslime erklärt. Die Zeit der Kreuzfahrer, die den Gebäudekomplex stark ausbauten, brachte Reichtum auch für die Stadt Bethlehem. Im 12. Jahrhundert wurden die Wände der fünfschiffigen Basilika mit kostbaren Mosaiken verziert. Sie gehören - neben 36 Säulen und fein gearbeiteten Bodenmosaiken aus dem Vorgängerbau des vierten Jahrhunderts - zu den vielen Kunstschätzen der Geburtskirche.


Die große Belagerung von Bethlehem


Im Jahr 2002 wurde die Geburtskirche vom 2. April bis zum 10. Mai besonderer Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern und dadurch schwer beschädigt. Die Israelischen Streitkräfte besetzten damals die Geburtsstadt Jesu und versuchten, verdächtigte Palästinenser festzusetzen. Dutzende flohen in die Basilika, um Schutz zu suchen. Rund 200 Mönche und zahlreiche weitere Palästinenser waren jedoch schon in dem Kirchengebäude, Geiselnahmen wurden dementiert und nach Ende der Besatzung wurden die Palästinenser nach Europa oder in den Gaza-Streifen gebracht.

Einen damals 16-jährigen drängte damals der Gestank, sich zu ergeben. Er war der einzige, der während der Besatzung aus der Kirche entkommen konnte und selbst seine Eltern weigerten sich, ihn zu umarmen, bevor er sich nicht gewaschen hatte.

Dabei war wenigstens die Wasserversorgung durch einen noch intakten Hahn gewährleistet, eine Schüssel Reis mussten sich zwei Personen jeden Tag teilen, vier Menschen hatten zusammen eine Decke - Konfession oder Glaubenszugehörigkeit spielte an diesem Punkt keine Rolle mehr, die damals erlebte Solidarität schweißte die Betroffenen auch über die sonst peinlichst genau beachteten Glaubensgrenzen zusammen.

Not bereitete zudem die Versorgung der Verwundeten. Vier ebenfalls eingeschlossene Nonnen wurden durch Mediziner von außen instruiert, wie sie die Wunden notdürftig versorgen könnten: „Das wird ihnen jetzt nicht gefallen, aber sie müssen die Eingeweide des Mannes durch die Bauchwunde wieder hineinstopfen und die Haut verschließen, damit das heilen kann,“ ist eine der überlieferten Anweisungen. Wenige Tage später wurde der Mann in ein nahegelegenes Hospital gebracht. Der noch vorhandene Wein für die Wandlung war als Antiseptikum verwendet worden.

(vatican news - ck)

12 Dezember 2018, 16:20