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Proteste in Haiti Proteste in Haiti  (AFP or licensors)

Haiti: Soziale Unruhen und politische Krise

Der Karibikstaat kommt einfach nicht zur Ruhe: In Haiti protestieren die Menschen gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Bisher sind mindestens acht Menschen bei den Demonstrationen ums Leben gekommen. Die Caritas des Landes schlägt Alarm. Die Situation sei sehr „unübersichtlich“, sagt uns Caritas-Haiti-Direktor Pater Jean-Hervé François.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Nach drei Tagen des Schweigens hat der haitianische Präsident am Mittwoch gesprochen. Jovenel Moïse, der von den Demonstranten kritisiert wird, bestand darauf, dass er der legitime Präsident des Landes sei. Gleichzeitig rief er zur Achtung der Verfassung und zur Ruhe auf. Auf Kreolisch sagte er in einer kurzen Fernsehansprache: „Die Demokratie verlangt, dass die Spielregeln eingehalten werden, wie es die Verfassung vorsieht.

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Doch so unschuldig scheint Jovenel Moïse an der Situation doch nicht zu sein, wie auch Caritas-Direktor François gegenüber Vatican News sagt:

„Die Proteste sind wegen des Skandals der sogenannten Petrocaribe-Affäre entstanden. Jugendliche gingen auf die Straßen, weil sie verlangten, dass die Gelder, die aus dieser Korruptionsaffäre angehäuft wurden, dem Staat zurückbezahlt werden sollten“, erläutert Pater François. Bei dem Skandal Petrocaribe ging es um ein politisches Vorhaben der venezolanischen Regierung, an ihr genehme Länder günstiger Erdöl zu verkaufen. Doch die Summen, die durch die Preisunterschiede entstanden sind, sind verschwunden und haben große finanzielle Löcher in die Staatskassen Haitis gerissen.

Schwarze Schafe auch in der Opposition und Armee

Aber auch in der Opposition und in der Armee gebe es „schwarze Schafe“, die die jetzige Situation für sich ausnutzen wollten, obwohl sie wohl selber an dem Skandal oder anderen Korruptionsfällen beteiligt seien.

„Die Forderungen der Menschen, die jetzt auf die Straßen gehen, sind zum größten Teil gerechtfertigt. Doch die ganze Situation ist unübersichtlich. Vor allem weiß niemand, wer das Geld gestohlen hat und wie groß die genaue Summe überhaupt ist“, so Pater François. Es herrsche viel Unsicherheit. Der Petrocaribe-Skandal war unter dem früheren Präsidenten Haitis Michel Martelly entstanden. Dass wohl der jetzige Präsident und sein Vorgänger involviert seien, erschwere die Hoffnung der Haitianer auf eine politische Lösung, so der Caritas-Direktor:

„Denn es wäre schon enttäuschend, wenn sich herausstellen würde, dass Jovenel Moïse daran beteiligt war. Er galt bisher als ein sehr angesehener Politiker. Jovenel war zweifelsohne der Präsident, der bisher am meisten Hoffnung bei den Haitianern geweckt hatte. Er stammt aus einer Bauernfamilie und arbeitete selber auf dem Feld. Die Hoffnungen in ihn waren so groß, dass es eine Katastrophe wäre, wenn er sein Amt jetzt auf diese Weise verlieren würde.“

(vatican news)

22 November 2018, 13:03