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Papst Franziskus trifft Jugendliche Papst Franziskus trifft Jugendliche  (Vatican Media)

Papst Franziskus ist der stärkste religiöse Influencer in den sozialen Medien

Vier Prozent der Jugendlichen teilen in den sozialen Medien Inhalte über den katholischen Glauben. Das hat die „Global Social Listening Study“ des Informationsnetzwerks Aleteia herausgefunden. Die Ergebnisse sind den Teilnehmern der noch bis zum Sonntag im Vatikan stattfinden Jugendsynode für ihre Beratungen übermittelt worden.

Julia Rosner– Vatikanstadt

„Es geht darum zu verstehen, wie junge Menschen heute Religion erleben“, erklärte der redaktionelle Leiter des katholischen Informationsnetzwerks Aleteia, Jesus Colina, bei der Vorstellung der Studie in der päpstlichen Universität Gregoriana. Für die Untersuchungen wurden Daten von 18- bis 25-Jährigen, die auf den sozialen Plattformen Facebook oder Instagram aktiv sind, ausgewertet. Durchgefährt wurde die Studie von dem katholischen Informationsnetzwerk Aleteia in Zusammenarbeit mit der Saint Mary's University in London und der Ramon Llull University in Barcelona.

Akademiker stärker an Religion interessiert

Die Daten der ersten Untersuchungswelle „Der Glaube junger Menschen und ihr Einfluss auf soziale Netzwerke“ waren 2017 erhoben worden. Jesus Colina erklärte: „Die statistischen und nicht-personenbezogenen Daten von rund 540 Millionen Facebook- und Instagram-Profilen worden berücksichtigt. Die Jugendlichen kamen aus der ganzen Welt – außer aus Kuba, Venezuela, Bolivien, Iran, Sudan, Ägypten, Kongo. Dort waren keine Daten verfügbar“.

Die Studie zeigt, dass nur vier Prozent der Jugendlichen Inhalte über den katholischen Glauben in sozialen Netzwerken teilen. Sie verfügen durchschnittlich über ein höheres akademisches Niveau als andere ihrer Altersgruppe. Zudem sind sie laut der Studie stärker sozial und kulturell interessiert. Dennoch besteht für sie der größte Nutzen der Sozialen Medien darin, „Spaß zu haben“.

Jugendliche wie „Fähnchen im Wind“

Weiter geht aus der Studie hervor, dass das Interesse junger Menschen an sozialen Netzwerken über geografische Grenzen hinweg geht und sich auf Unterhaltung (Fernsehprogramme, Videospiele, Musik, Sport) sowie Marken und Konsumgüter konzentriert. Dieser Materialismus – wie ihn die Studie benennt – kombiniert mit der Fragilität der Beziehungen zeige, dass die heutige Generation junger Menschen im Gegensatz zu früheren Generationen kaum Bezugspunkte im Leben habe.

„Das Leben junger Menschen in sozialen Netzwerken scheint eher wie ein Fähnchen im Winde zu sein“, erklärte Jesus Colina vom katholischen Informationsnetzwerks Aleteia. „Es geht vielen Jugendlichen darum, den günstigen Wind zu finden, um fortzufahren, meist ohne genau zu wissen, was es ist.“

Global betrachtet ist erkennbar, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken in Bezug auf die Verbreitung und den Konsum von religiösen Inhalten variiert. Brasilien ist das Land mit der höchsten Zahl junger Menschen – über fünf Millionen -, die sich für Religion interessieren. Es folgen die Philippinen mit zwei Millionen, Indien mit einer Million und die Vereinigten Staaten und Peru mit 900.000 Jugendlichen.

Potenzial für die Kirche

Da fast die Hälfte aller bei Social Media registrierten Länder überwiegend christlich ist, könnten soziale Netzwerke der erste Ort werden, an dem die Kirche mit jungen Menschen in Kontakt kommen könnte und deshalb ihr volles Potenzial nutzen sollte, so die Organisatoren der Studie. „Die Kirche müsste lernen, die Genres der Unterhaltung und der Marken zu nutzen, um mit jungen Menschen kommunizieren zu können.“

Um junge Menschen verstehen zu können, müsse man wissen, was ihre Einflussfaktoren sind. Dadurch könnten ihre persönlichen Wertvorstellungen verstanden werden. Wichtig für viele jungen Leute sind – so die Organisatoren der Studie – sogenannte „Influencer“. Dies sind Personen, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in einem oder mehreren sozialen Netzwerken für Werbung und Vermarktung in Frage kommen.

Neben den Schauspielern Rowan Blanchard und Leonardo Di Caprio seien dies heute besonders die Sängerinnen Madonna und Lady Gaga. Papst Franziskus hingegen ist laut der Studie der erste der Influencer für junge Menschen, die sich für Religion interessieren. An zweiter Stelle steht der Schriftsteller Paulo Coelho, gefolgt vom Dalai Lama.

Influencer entscheidend

Dennoch merken die Studienorganisatoren an: „Es ist sinnlos, an die Ersetzung der großen Influencer zu denken, denn die Führer kleiner Religionsgemeinschaften würden sie nie ersetzen können. Es wäre intelligenter, sie zu nutzen, so dass sie zu Sprechern der Realitäten von Glauben und Religion werden.“

Die Forschungsergebnisse sind den Bischöfen anlässlich der Jugendsynode zur Verfügung gestellt worden, damit sie die Realität der heutigen Jugend besser verstehen und für sie eine gezieltere Evangelisierungsarbeit planen könnten, so die Initiatoren.

(vatican news)

24 Oktober 2018, 13:57