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Vatican News
Pasto, Kolumbien: Beerdigung eines Mordopfers Pasto, Kolumbien: Beerdigung eines Mordopfers  (AFP or licensors)

Kolumbien: Kirche macht mobil gegen Morde an Menschenrechtlern

Kolumbiens Caritas beteiligt sich an einer Kampagne, die Menschenrechtler im ganzen Land bekannt macht, um sie damit möglichst vor Mord zu schützen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurden in Kolumbien 311 Sozialaktivisten ermordet, berichtet der vatikanische Fidesdienst. An diesem Dienstag tritt der neue Staatspräsident Ivan Duque sein Amt an.

Die gezielten Morde an Menschenrechtlern haben seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit den linksgerichteten Farc-Rebellen zugenommen, da die zuvor von der Guerilla-Organisation besetzten Gebiete nun als „Niemandsland" dem Kampf zwischen kriminellen Gruppen ausgeliefert sind. „Wir spüren die Auswirkungen der Ermordung unserer sozialen Führer", sagt Bischof Héctor Fabio Henao Gaviria, Präsident der Caritas Kolumbien und der nationalen Versöhnungskommission. In einer Gesellschaft, die Jahrzehnte im gewalttätigen Konflikt lebte, sei „die Fähigkeit zur Solidarität“ geschwunden.

Kolumbien brauche in diesem Moment des Übergangs Leader in allen Bereichen, fuhr der Bischof fort. Ausdrücklich würdigte er das Wirken der Menschenrechtler. Jene, die für den Zugang aller zu Wasser, Land oder Straßen kämpften, „sorgen für eine permanente Dynamik der Suche nach einem alternativen Leben für die schwächsten Menschen", so der Präsident der nationalen Versöhnungskommission.

Bischof ermutigt zu neuen Formen gemeinschaftlicher Führung

 

Um die Sozialaktivisten gegen weitere Morden zu verteidigen, empfahl Henao Gaviria zum einen Schutzgemeinschaften, zum anderen neuen Formen gemeinschaftlicher Führung. Die Schutzgemeinschaften sollten die „Schwachstellen der Gefährdung" identifizieren und Regeln der persönlichen und gemeinschaftlichen Selbstverteidigung als Gegenmittel gegen Gewalt aufstellen. Das Prinzip gemeinschaftlicher Führung beruhe darauf, dass die Prozesse des Nachdenkens und der Entscheidung auf mehreren Schultern ruhen; „dadurch wird die physische Eliminierung eines Menschen nutzlos, da es keine einsamen Führer gibt“, so der Bischof.

Wesentlich im Kampf gegen die Morde an den Menschenrechtlern sei auch der Kontakt zu den Behörden, „weil Sicherheitsmaßnahmen und Maßnahmen ergriffen wurden, die nicht bekannt sind". In diesem Sinne fordert Bischof Henao eine „viel größere Anstrengung“ des Staates, um die Wirksamkeit dieser Regeln auf die lokale Ebene zu bringen.

Insgesamt ist die Gewalt seit dem Friedensprozess gesunken

 

Während die Gewalt in Kolumbien insgesamt seit dem Friedensprozess gesunken ist, ist die Zahl gezielter Morde an Menschenrechtlern, vor allem durch paramilitärische Gruppen, massiv gestiegen. Der scheidende Präsident Santos und die FARC-Guerilla unterzeichneten im November 2016 ein Friedensabkommen. Der neue Präsident Iván Duque tritt am Dienstag sein Amt an. Im Wahlkampf hatte der konservative Politiker zunächst den Friedensvertrag heftig attackiert. Später erklärte Duque, er wolle nur Teile des Vertrags „korrigieren“. Offen ließ der neue Präsident auch, ob er die Verhandlungen mit der kleineren ELN-Guerilla wieder aufnehmen werde. Bischof Henao sagte, es gelte „weiter daran zu arbeiten, die Situation durch Dialog zu lösen".

(Fides – gs)

06 August 2018, 13:39