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Harte Kritik für die europäische Politik vom ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts Harte Kritik für die europäische Politik vom ehemaligen Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts  (AFP or licensors)

Kritik auf Glaubens-Forum: EU ohne christliches Wertefundament

Der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, hat den gegenwärtigen politischen Kurs der Europäischen Union kritisiert. „Die EU hat kein gemeinsames christliches Wertefundament mehr“, sagte Münch am Freitag in Fulda. Er kritisierte insbesondere EU-Positionen in der Ehe- und Familienpolitik, zu Abtreibung, Bioethik und in der Migrationspolitik. Es sei Aufgabe der Christen, an die „Seele“ Europas zu erinnern.

Der ehemalige Politiker sprach beim Kongress „Freude am Glauben“ des konservativen Forums Deutscher Katholiken, der bis Sonntag in Fulda stattfindet und dessen Schirmherr er ist. Münch, der vor neun Jahren aus der CDU ausgetreten war, äußerte sich dort auch zum „Kreuz-Erlass“ des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und der Kritik einiger Bischöfe daran. Wer das Anbringen des Kreuzes im Eingangsbereich von Dienstgebäuden als „Spaltung" oder „Ausgrenzung“ kritisiere, fahre einen „Kuschelkurs gegenüber der Bundesregierung und gegenüber dem Islam“, sagte Münch.

Christen gehen „vor dem Zeitgeist auf die Knie" 

 

Nach Einschätzung des emeritierten Bischofs von Fulda, Heinz Josef Algermissen, verliert das Kreuz als „Bekenntnis- und Erkennungszeichen" sowie das Sich-Bekreuzigen zunehmend an Bedeutung in der Gesellschaft. „Es ist schlimm, feststellen zu müssen, dass die eigentliche 'Kreuzabnahme' weniger in Schulen und Gerichtssälen als vielmehr in den eigenen vier Wänden und in den Herzen geschieht", sagte Algermissen in einer Predigt bei einem Gottesdienst zur Eröffnung des Treffens. „Kreuze aber aus politischen Gründen eines faulen Kompromisses wegen abzulegen, ist ganz und gar verantwortungslos", fügte er laut Predigtmanuskript hinzu. Damit schwinde „das zentrale Heils- und Siegeszeichen, vor dem wir atmen, glauben und hoffen können, mehr und mehr aus dem Bewusstsein". Nach Algermissens Einschätzung gehen immer mehr Christen „vor dem Zeitgeist in die Knie".

„Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen" 

 


Die Christen seien zu einer Glaubensgemeinschaft geworden, die „viel Verunsicherung ausstrahlt sowie Ansprüche und Maßstäbe abgebaut hat". Algermissen fragte, wo sich Katholiken außerhalb des „geschützten" Kirchenraums öffentlich noch bekreuzigten. „Faktisch überwältigt sie fast überall die Scham, sich zum eigenen Glauben und Hoffen zu bekennen, unbewusst verbunden mit der elenden Furcht, gegenüber Nichtglaubenden aufdringlich zu wirken." Gleichzeitig entblößten sich die Menschen „sonst massenhaft öffentlich, geben Intimstes etwa über Facebook preis, ohne sich zu schämen".


Der Kongress „Freude am Glauben" des Forums Deutscher Katholiken findet bis Sonntag in Fulda statt. Das Motto lautet „Selbstbewusst mit Christus". Die Veranstalter rechnen für die drei Tage mit rund 1.000 Teilnehmern. Algermissen gehört dem Kuratorium des Forums an, das sich als lockerer Zusammenschluss „papst- und kirchentreuer" Katholiken versteht.


(kna – bw)
 

21 Juli 2018, 11:00