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Helfer suchen nach Überlebenden in Guatemala Helfer suchen nach Überlebenden in Guatemala  (AFP or licensors)

Guatemala: „Alles ist von Lava begraben“

Noch immer wälzen sich Lavaströme den Hang des Volcán de Fuego, „Feuervulkan“, in Guatemala, nur etwa 40 Kilometer von Guatemala-Stadt entfernt, herab.

Marion Sendker und Sofia Lobos – Vatikanstadt

Auch fünf Tage nach dem Ausbruch sind die Schäden noch nicht abzuschätzen. Die Zahl der Toten steigt täglich, zuletzt sprachen die Behörden von 109 Menschen, die die Naturkatastrophe nicht überlebt haben.

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Fast 200 werden noch vermisst – viele von ihnen liegen wohl begraben unter der Lava und der Asche, die an manchen Stellen noch immer nicht abgekühlt ist, berichten Rettungskräfte gegenüber Medien. Die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, sinkt mit  jedem Tag.

Mühsame Bergungsarbeiten

 

Immer wieder erschweren zum Teil heftige Regenfälle die Bergungsarbeiten; in einigen Gebieten bestehe akute Überschwemmungsgefahr, berichten Mitarbeiter der Caritas, die vor Ort nach Verschwundenen suchen.

Es fehlt an fast allem: Selbst Trinkwasserquellen seien wegen Vulkanasche-Verschmutzung schon jetzt vielfach nicht mehr nutzbar.

Bischof Paúl: „Nichts bleibt mehr“

 

Die Naturkatastrophe habe ausgerechnet zwei der ärmsten und abgelegensten Dörfer der Region am schwersten getroffen, in denen die Menschen von Landwirtschaft, Ernte und Arbeit auf dem Land lebten, beklagt Bischof Victor Hugo Palma Paúl aus der Diözese Escuintla gegenüber Vatican News. „Nichts davon bleibt mehr, alles ist von Lava begraben“, so Bischof Paúl.

Wie in Pompeji

 

Für knapp 1,7 Millionen Menschen hat sich am Sonntag alles verändert, als der Feuervulkan, der wegen seiner steilen Hänge als einer der gefährlichsten Vulkantypen der Welt gilt, ein zentralamerikanisches Pompeji schuf.

Drei ganze Ortschaften sind komplett zerstört. Grau in Grau zeichnen sich unter zentimeterdicker Asche Autos ab, Häuser, Leichen.

Die Kirche hat Zeltlager eingerichtet

 

„Direkt zu Beginn hat die Kirche drei Auffangzentren, eine Art Zeltlager, aufgebaut und dort mehr als 600 Menschen aufgenommen, die alles verloren haben“, sagt Bischof Paúl. Seine Diözese Escuintla ist eine der am stärksten betroffenen Regionen.

Ihm ist es wichtig, den Menschen nicht nur materiell beiseite zu stehen, sondern ihnen auch „emotionale und spirituelle Unterstützung“ zu geben, um sie in dieser „schmerzhaften Situation von Angst und Unsicherheit zu trösten“.

„Die dringendsten Grundbedürfnisse wie Wasser, Nahrung, Gesundheit, dürfen natürlich nicht vernachlässigt werden“, fügt er hinzu.

Wie kann den Menschen geholfen werden?

 

„Das erste Gebot der Nächstenliebe ist das Interesse am anderen“, betont der Bischof. Er lobt den Einsatz und die Solidarität der Menschen vor Ort und in der Welt: „Wir sind sehr dankbar für die Aufmerksamkeit, denn der erste Akt der Nächstenliebe besteht darin, denen die leiden, zuzuhören.“

Auch der Papst hatte Anfang der Woche ein Beileidstelegramm nach Guatemala geschickt, in dem er den Familienangehörigen der Todesopfer seine Anteilnahme und sein Gebet versichert. Das gebe Mut, so Bischof Paúl.

„Es gibt auch eine direkte Art zu helfen, zum Beispiel über eine Spende, eine Kollekte. Davon können sich die Menschen dann das kaufen, was sie brauchen.“ Aber, so fügt er hinzu: „Nahrungsmittel, Medikamente hierher zu bringen, ist logistisch fast unmöglich.“

Bischof übt Kritik an der Regierung

 

Gleichzeitig zeigt sich Bischof Paúl besorgt über die Zukunft: Die Schäden seien „enorm“ und die Regierung sei jetzt in der Pflicht, mit Weitsicht und Bedacht zu planen, wie geholfen werden kann.

Fraglich sei auch, wer das alles bezahlen soll: Der Präsident habe zugegeben, dass kaum Mittel zur Verfügung stehen. Das nimmt Bischof Paúl ihm übel: „Vom sozialen Standpunkt aus ist das fragwürdig, denn jede Regierung muss Reservemittel für extreme Fälle wie diesen haben“, sagt er.

Haben die Behörden zu spät reagiert?

 

Auch von anderen Seiten wird Kritik an den Behörden laut: Das Institut für Vulkanologie hatte am Sonntag, vor dem Ausbruch, noch gewarnt, dass der Feuervulkan aktiv sei. Der Katastrophenschutz habe aber darauf nicht reagiert und keine Evakuierungen angeordnet, schreibt die Zeitung El Periódico.

Als der Strom aus Asche, Lava, Gas und Gesteinen dann ausbrach, war es zu spät: Mit bis zu 80 Stundenkilometern und einer Temperatur von bis zu 400 Grad Celsius raste er auf die umliegenden Gebiete zu. Ob die Tragödie hätte verhindert werden können, überprüft jetzt die Staatsanwaltschaft.

(vatican news, diverse pm – ms)

08 Juni 2018, 13:26