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Vatican News
In der Moschee In der Moschee  (ANSA)

Österreich/Nahost: Neue Religionsplattform für Dialog gestartet

Hochrangige christliche und muslimische Religionsvertreter haben am Montag in Wien auf einem Friedensgipfel der Religionen eine Dialogplattform für die Nahost-Region ins Leben gerufen.

Die vom Internationalen Dialogzentrum KAICIID initiierte Plattform startet als Kooperation zwischen Christen und Muslimen, soll aber in weiterer Folge offen für alle Religionen sein. Das war bei einer Pressekonferenz in Wien zu hören, bei der Kardinal Bechara Boutros Rai, der ägyptischen Großmufti Schawki Ibrahim Allam und KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muammar sich der Öffentlichkeit stellten.

Der Aktionsplan der Plattform sieht den regelmäßigen Austausch mit politisch Verantwortlichen vor. Zu den weiteren Tätigkeitsfeldern gehören die Beratung in der Gesetzgebung und bei der Erstellung von Schullehrplänen, die Unterstützung lokaler NGOs für einen friedlichen Dialog sowie die Organisation von kulturellen Veranstaltungen und interreligiösen Treffen.

Kardinal Rai ging in der Pressekonferenz auf den Kern der christlichen Versöhnungsbotschaft ein. Jesus Christus habe selbst Gewalt erfahren, gelitten und vergeben. Sein Beispiel sei die Antwort auf Gewalt, und sein Leben und Wirken machten klar, dass Gewalt nie im Namen Gottes ausgeübt werden dürfe. Das maronitische Kirchenoberhaupt zitierte aus der Schlusserklärung der internationalen Al-Azhar-Friedenskonferenz mit Papst Franziskus im April 2017. Darin sei Gewalt im Namen des Islam rundweg verurteilt worden. Wenn extremistische Gruppen dennoch an blutigen Aktionen festhielten, verhöhnten sie damit die große Mehrheit jener Gläubigen, die Gewalt ablehnten.

Rai hält die KAICIID-Dialogplattform für wichtig. Man müsse Gott dafür danken und hoffen, dass sie zur Überwindung von Extremismus und Gewalt im Namen der Religion im Nahen Osten beitragen könne. 

 

Ruf nach Frieden in Syrien



Der Kardinal-Patriarch forderte auch sofortigen Frieden in Syrien. Nach Ende des Krieges müssten alle sechs Millionen Flüchtlinge wieder nach Syrien zurückkehren können - Muslime und Christen. Die Angehörigen beider Religionen verbinde 1.500 Jahre friedliche Koexistenz in Syrien. Christen und Muslime verbinde in der Region auch die gemeinsame Sprache und Kultur.

KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muammar erklärte bei dem Pressegespräch, dass das Abdullah-Dialogzentrum bereits seit zwei Jahren spezielle Programme für religiöse Autoritäten aus Syrien anbiete. Sie würden für Friedensaufbau trainiert. Daneben gebe es auch Projekte mit Flüchtlingen.



„Kultur der gemeinsamen Verantwortung"

 

Der armenisch-katholische Katholikos Aram I. Keshishian sagte in seiner Rede bei dem Friedensgipfel, die neue Nahost-Dialogplattform sei eine dringende Notwendigkeit, die nur begrüßt werden könne. Es gebe sechs Punkte - Werte teilen, Toleranz fördern, Wissen übereinander vermitteln, gemeinsame zivile Rechte und Pflichten bewusst machen und einfordern, Gewalt überwinden sowie prophetisch wirken. 

Es gehe etwa nicht nur darum, Gewalt vorzubeugen, indem Fundamentalismus verhindert werde. Vielmehr könnten und sollten religiöse Führer durch Mediation und Moderation einen Beitrag zum Aufbau des Friedens leisten. Religionen müssten - um nicht Teil des Problems zu sein - aktiv beim Aufbau des Friedens mitwirken durch „moralische Autorität und prophetische Sendung", betonte Keshishian. Eine Kultur des Misstrauens und der Konfrontation würde so überwunden „durch eine Kultur der Hoffnung und der gemeinsamen Verantwortung".



Großmufti solidarisch



Der Großmufti von Jerusalem und Palästina, Mohammed Ahmad Hussein, kritisierte die israelische Okkupation der Westbank und Ostjerusalems. Seit 1967 gebe es Druck auf Christen und Muslime. Hussein verwies diesbezüglich auch auf den aktuellen Streit um Steuerforderungen der Jerusalemer Stadtverwaltung an die Kirchen. Aus Protest ist deswegen die Grabeskirche bis auf weiteres geschlossen. Der Großmufti solidarisierte sich mit diesem Protest und forderte, dass alle religiösen Heiligtümer in Jerusalem in Sicherheit und Stabilität besucht werden können.

 

(kap - gs)

26 Februar 2018, 16:23