Suche

Cookie Policy
The portal Vatican News uses technical or similar cookies to make navigation easier and guarantee the use of the services. Furthermore, technical and analysis cookies from third parties may be used. If you want to know more click here. By closing this banner you consent to the use of cookies.
I AGREE
Allegro
Programme Podcast
Bischof Paul Tighe, Sekretär im Dikasterium für Kultur und Bildung Bischof Paul Tighe, Sekretär im Dikasterium für Kultur und Bildung 

Bischof Tighe: „Antiqua et Nova" regt zum Nachdenken über KI an

Über das außergewöhnliche Potenzial Künstlicher Intelligenz und die Notwendigkeit für die Menschheit, ihre Entwicklung mit kollektiver Verantwortung zu leiten, spricht anlässlich der Veröffentlichung eines neuen vatikanischen KI-Dokumentes der Sekretär des Dikasteriums für Kultur und Bildung, Bischof Paul Tighe.

Devin Watkins - Vatikanstadt

Das Dikasterium für die Glaubenslehre und das Dikasterium für Kultur und Bildung haben am Dienstag, den 28. Januar, ein gemeinsames Dokument mit dem Titel „Antiqua et Nova: Note über die Beziehung zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz“ veröffentlicht. Das Dokument, so der Sekretär des Kultur-Dikasteriums, solle vor allem katholischen Institutionen und der Menschheit als Ganzes eine Orientierungshilfe für die ethische Entwicklung und Nutzung von KI bieten.

Im Gespräch mit Vatican News betont Bischof Paul Tighe, Antiqua et Nova sei nicht das letzte Wort zum Thema KI, sondern es wolle vielmehr einen Beitrag zur Debatte leisten, indem es Anregungen zum Nachdenken liefere. „Es gibt ein breiteres Verständnis von Intelligenz, bei dem es um unsere menschliche Fähigkeit geht, Sinn und Zweck im Leben zu finden“, sagt er. „Und das ist eine Form der Intelligenz, die Maschinen nicht wirklich ersetzen können.“

*****

Vatican News: Der Heilige Stuhl hat gerade ein Dokument mit dem Titel „Antiqua et nova: Note über die Beziehung zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz“ veröffentlicht. Was würden Sie sagen, ist „neu“ an diesem Dokument und was will es der Welt und insbesondere der Kirche sagen?

Bischof Paul Tighe (Sekretär Dikasterium für Kultur und Bildung): „Dieses Dokument fasst eine Reihe von Überlegungen zusammen, die sich in den letzten Jahren organisch entwickelt haben. Es versucht, den Menschen einige Perspektiven aufzuzeigen, von denen aus sie beginnen können, kritisch über KI und ihren potenziellen Nutzen für die Gesellschaft nachzudenken. Außerdem geht es darum, dann die Menschen ein wenig darauf aufmerksam zu machen, worüber wir nachdenken müssen, um sicherzustellen, dass wir nicht versehentlich etwas schaffen oder zulassen, dass etwas geschaffen wird, was der Menschheit und der Gesellschaft schaden könnte.

Ich würde sagen, es gibt hier ein gewisses Element der Warnung. In den Anfängen der sozialen Medien waren viele von uns sehr schnell bereit, deren außergewöhnliches Potenzial zu nutzen. Wir haben nicht unbedingt die Nebenwirkungen gesehen, die sich in Form von Polarisierung, Fake News und anderen Problemen gezeigt haben.

Wir wollen aber etwas begrüßen, das ein großes Potenzial für die Menschen hat. Wir wollen dieses Potenzial sehen und gleichzeitig auf die möglichen Schattenseiten aufmerksam machen. Ich denke, das ist es, was wir hier zu tun versuchen.

An einem Tag liest man in den Zeitungen Schlagzeilen, dass die KI die Rettung für uns alle sein wird. Am nächsten Tag lesen wir, dass sie die Vernichtung und das Ende der Welt bedeuten wird. Wir versuchen, den Menschen einen ausgewogeneren Ansatz zu bieten. Das Dokument konzentriert sich auf eine Reihe von Dingen. Es gibt die Hauptthemen, über die jeder schon nachgedacht hat: Fragen zur Zukunft der Arbeit, zum Krieg, zu Deep Fakes, zur Ungleichheit. Und es gibt ethische und gesellschaftliche Fragen, mit denen wir uns befassen wollen.

„Was ist es, das dem menschlichen Leben Wert, Zweck und Bedeutung verleiht?“

Aber wenn wir uns mit diesen Themen befassen, versuchen wir auch, uns auf eine grundlegendere Frage zu konzentrieren, nämlich die anthropologische Frage, also was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Was ist es, das dem menschlichen Leben Wert, Zweck und Bedeutung verleiht? Wir erkennen an, dass KI-Systeme bestimmte Teile unseres Menschseins verbessern und erweitern können, nämlich unsere Fähigkeit zu denken, zu verarbeiten, zu erkennen, zu entdecken, Muster zu erkennen und Innovationen zu schaffen. Das kann sie sicherlich verbessern.

Wir möchten auch sagen, dass diese Art von Intelligenz nicht die einzige Art von Intelligenz ist. Es gibt ein breiteres Verständnis von Intelligenz, bei dem es um unsere menschliche Fähigkeit geht, einen Sinn und eine Bedeutung im Leben zu finden. Ein Teil der Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Was ist gut für die Menschheit? Was fördert das menschliche Wohlbefinden? Und das ist eine Form von Intelligenz, die Maschinen nicht wirklich ersetzen können. Wir müssen verstehen, dass in der katholischen Tradition, die in unseren eigenen philosophischen Traditionen, nicht nur im Katholizismus, verwurzelt ist, unser Verständnis von Intelligenz mehr ist als einfaches Denken, Rechnen und Verarbeiten, sondern auch die Fähigkeit einschließt, nach Zweck, Sinn und Richtung in unserem Leben zu suchen.

„Was ist gut für die Menschheit? Was fördert das menschliche Wohlbefinden? Und das ist eine Form von Intelligenz, die Maschinen nicht wirklich ersetzen können“

Ich denke, es geht uns immer um die Suche nach den letzten Wahrheiten, nach dem, was dem Leben Form, Sinn und Bedeutung gibt. Das ist etwas, bei dem wir vielleicht KI einsetzen können, um uns bei bestimmten Elementen zu unterstützen, aber letztlich ist das eine Art von intellektuellem Engagement, das über das hinausgeht, was einfach von einer Maschine erledigt werden kann.“

Symbolbild
Symbolbild   (REUTERS)

Vatican News: Die Entwicklung der KI schreitet in rasantem Tempo voran. Warum haben das Dikasterium für die Glaubenslehre und das Dikasterium für Kultur und Bildung beschlossen, dieses Dokument zu diesem Zeitpunkt zu veröffentlichen?

Paul Tighe: „Aus unserer Sicht stellen sich alle Pädagogen Fragen zum Potenzial der KI für die Bildung und zu den Risiken, wenn sie die Bildung entpersonalisiert. Wir reagieren auch auf Fragen, die uns bei Ad-Limina-Besuchen gestellt werden, da die Bischöfe eine gewisse Orientierung wünschen. Das vorliegende Dokument fasst viele andere Initiativen zusammen und bündelt sie. Es gibt ihm auch eine einheitliche Vision, die versucht, die ethischen Fragen zu vereinen und sie mit der grundlegenderen anthropologischen Vision dessen zu verbinden, was uns zu Menschen macht.

Wider die anthropologische Störung

Die UNESCO sagte, dass die künstliche Intelligenz - und das hat mich sehr beeindruckt - zu dem führt, was sie eine anthropologische Störung nennt. Das Silicon Valley liebt die Sprache der Disruption, des Aufbrechens, um sich neu zu erfinden. Aber wenn wir hier über das Wesen des Menschseins sprechen und darüber, was das menschliche Leben zufriedenstellend macht, dann ist es sehr wichtig, dass wir kritisch darüber nachdenken und dass wir die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Lebens nicht ausklammern.

Meiner Meinung nach tauchen in diesem Dokument vor allem Fragen auf, die sich auf das Risiko einer zunehmenden Ungleichheit durch KI beziehen. Man kann das ganz allgemein an der Verteilung dessen sehen, was mit der Digitalisierung passiert ist, die zu einer Zunahme einer sehr kleinen Zahl außerordentlich reicher Menschen geführt hat, die über außerordentlich viel Macht verfügen, für die sie nicht unbedingt gegenüber anderen Institutionen rechenschaftspflichtig sind. Wie können wir also sicherstellen, dass dies nicht dazu führt, dass die Einheit der Menschheitsfamilie, die nicht nur eine wirtschaftliche Einheit ist, sondern auch den Zugang zu Macht und Informationen bedeutet, zerbrochen wird?

Einer der Bereiche, in denen die KI ein außerordentliches Potenzial besitzt, ist das Gesundheitswesen. Aber wir wissen, dass die Gesundheitsversorgung schon jetzt nicht sehr gerecht verteilt ist. Wird dies zu weiteren Ungleichheiten in diesem Bereich führen? Ein Großteil unserer Überlegungen und der Zeitpunkt dafür ist, dass wir etwas brauchen, um die Debatte zu führen.

„Wir wollen kritisch darüber nachdenken, wie sichergestellt werden kann, dass die KI letztendlich von der Menschheit genutzt wird, und zwar in einer Weise, die sicherstellt, dass sie ihr Potenzial zum Wohle aller Menschen ausschöpft“

Vatican News: In dem Dokument wird das Potenzial der künstlichen Intelligenz anerkannt; gleichzeitig vernimmt man einen Unterton der Warnung vor ihrem Missbrauch. Isaac Azimovs Roboter-Romanreihe kommt einem in den Sinn, wenn man über die endgültige Beziehung der Menschheit zur KI nachdenkt. Würden Sie sagen, dass das Dokument eine eher zustimmende oder eine eher vorsichtige Haltung gegenüber der KI einnimmt?

Paul Tighe: Ich hoffe, dass es einen Mittelweg einschlägt und keine der apokalyptischen Visionen aufgreift. Es wird auch nicht versucht, sich vorzustellen, dass die KI von sich aus alle menschlichen Probleme lösen wird. Vielmehr geht es darum, das Potenzial zu erkennen und die außergewöhnliche Leistung der KI zu würdigen. Es ist eine Reflexion über die Fähigkeit der Menschheit, zu lernen, zu innovieren und sich weiterzuentwickeln, was eine gottgegebene Fähigkeit ist. Das wollen wir würdigen.

Gleichzeitig heißt es aber auch: Wir wissen aus der Vergangenheit, dass viele wunderbare Innovationen, die ein großes Potenzial hatten, aus verschiedenen Gründen problematisch wurden. Problematisch, weil die Systeme selbst vielleicht Mängel aufwiesen. Problematisch, weil Menschen dieselbe Technologie für sehr gute oder sehr schlechte Zwecke nutzen konnten. Problematisch, weil die Systeme - und wir denken hier an KI - in einem bestimmten wirtschaftlichen und politischen Umfeld entwickelt wurden und möglicherweise bereits von den Werten dieses Umfelds geprägt sind.

Anwendungen künstlicher Intelligenz auf dem Smartphone
Anwendungen künstlicher Intelligenz auf dem Smartphone   (REUTERS)

Wir wollen kritisch darüber nachdenken, wie sichergestellt werden kann, dass die KI letztendlich von der Menschheit genutzt wird, und zwar in einer Weise, die sicherstellt, dass sie ihr Potenzial zum Wohle aller Menschen ausschöpft. Die Menschheit muss sich die Prozesse zu eigen machen und darauf achten, dass sie ein Gefühl der Verantwortung entwickelt.

Und hier setzt Azimovs Roboter-Serie an. Wo wird die Verantwortung liegen? KI-Maschinen werden außergewöhnliche Dinge tun. Wir werden manchmal nicht in der Lage sein zu verstehen, wie sie sie tun. Sie entwickeln die Fähigkeit, sich selbst umzuprogrammieren und voranzukommen. Wir müssen also versuchen zu sagen: Wo liegt die Verantwortung? Viele Leute in der Branche sprechen heute davon, dass KI ,ethisch durchdacht‘ sei. Man sollte sich von Anfang an überlegen, wo die Probleme liegen. Was sind die Schwierigkeiten? Wie können wir so planen, dass wir Probleme vermeiden? Das heißt also, wie machen wir sie sicher, damit sie gut funktioniert und keine Fehlfunktionen auftreten. Wie stellen wir sicher, dass sie nicht leicht von Leuten ausgenutzt werden kann, die sie für schlechte Zwecke verwenden wollen? Wie stellen wir sicher, dass die Datenbanken, die die KI konditionieren, tatsächlich die gesamte menschliche Erfahrung widerspiegeln und nicht nur das, was bereits digitalisiert wurde. Wie stellen wir also sicher, dass es etwas ist, das das Beste von uns Menschen widerspiegelt?

Deshalb versuchen wir immer, diejenigen in die Verantwortung zu nehmen, die entwerfen, die planen, die entwickeln, aber auch diejenigen, die KI einsetzen.“

Verantwortung bei Entwicklern und Nutzern

Vatican News: Wenn Sie einen Aspekt des Dokuments hervorheben könnten, welcher wäre das?

Paul Tighe: „Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Aspekt des Dokuments ist, den ich hervorheben möchte, aber was ich den Menschen sagen möchte, die diesen Text lesen, egal ob sie katholisch oder nicht katholisch sind, ist, dass das Ziel darin besteht, sich so gut wie möglich darüber zu informieren, was hier geschieht, und sich nicht entmachtet oder ausgegrenzt zu fühlen. Ich sage das als jemand, der schon älter ist, und ich sage das zu meiner Generation, nicht um das Gefühl zu haben, dass wir uns drücken.

Eine Sache, die ich den Leuten sagen würde, ist, dass sie anfangen sollten, die Technologien zu nutzen, sie zu erforschen, zu sehen, wie außergewöhnlich sie sind, aber auch anfangen sollten, ihnen gegenüber kritisch zu sein, zu lernen, sie zu bewerten und über sie nachzudenken. Was ich daraus mitnehmen würde, ist die Bedeutung von Verantwortung.

Jeder Einzelne sollte sich Gedanken darüber machen, inwieweit er oder sie selbst verantwortlich ist, und zwar auf der Ebene des Nutzers. Werde ich anfangen, Inhalte zu teilen, von denen ich weiß, dass sie zweifelhaft sind, von denen ich weiß, dass sie Hass provozieren sollen… Ich muss die persönliche Verantwortung dafür übernehmen, wie ich KI nutze und was ich damit mache.“

(vatican news - cs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

28. Januar 2025, 08:54
<Zurück
April 2025
MoDiMiDoFrSaSo
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930    
Vor>
Mai 2025
MoDiMiDoFrSaSo
   1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031