Suche

Kardinal Parolin im römischen Palazzo Giustiniani Kardinal Parolin im römischen Palazzo Giustiniani 

Naher Osten: Kardinal Parolin besorgt über Eskalation

Am Rande einer Veranstaltung im italienischen Senat (Kleine Kammer) über Kardinal Achille Silvestrini hat sich der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zu den jüngsten Anschlägen am Roten Meer und in Erbil geäußert: Wenn keine gegenteiligen Maßnahmen ergriffen würden, werde sich der Konflikt ausweiten, befürchtet Parolin. Der Kardinal wiederholte am Mittwoch auch den Aufruf des Papstes an die WEF-Teilnehmer in Davos zu einer „integrativen und sozialen Wirtschaft“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Der italienische Kurienkardinal äußerte die Hoffnung, dass die katholischen Werte, wie der des Lebens, „in der heutigen Politik einen Platz finden und in die Realität umgesetzt werden können“. Er blicke „mit großer Sorge“ auf die jüngsten Angriffe der Houthi-Rebellen im Roten Meer, die Eskalation der Gewalt in Gaza und auch auf den iranischen Raketenangriff auf Erbil in Irakisch-Kurdistan. Er befürchte „eine Ausweitung, eine Eskalation“ des Konflikts, „wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden“, so der Kardinal wörtlich: „Das ist genau das, was wir vermeiden wollten.“

Darüber habe sich auch der Papst bei der Generalaudienz besorgt gezeigt, so Parolin weiter. „Einer der grundlegenden Punkte ist, dass dieser Konflikt nicht ausgeweitet werden darf...“, sagte der Kardinal im Gespräch mit einigen Reportern am Rande einer Veranstaltung im Palazzo Giustiniani im italienischen Senat in Rom. Bei der Veranstaltung ging es um die Figur des italienischen Kardinals Achille Silvestrini. „Die Gefahr ist da, die Gemüter sind so aufgeheizt und die Situation ist heikel... Wir müssen darauf achten, dass jeder versucht, die Reaktionen zu kontrollieren, damit es nicht zu einem Flächenbrand kommt“, so Parolin.

Parolin wirbt erneut für Zwei-Staaten-Lösung

Der Kardinal ging auf die Besonderheiten des Konflikts zwischen Israel und der Hamas ein und bekräftigte, was für den Heiligen Stuhl die „Lösung“ sei: zwei Völker, zwei Staaten. Dieses Modell werde jedoch von der Hamas kategorisch abgelehnt, bekräftigte Hamas-Führer Khaled Meshal am Mittwoch. „Für uns sind stattdessen zwei Völker, zwei Staaten weiterhin die Lösung. Wichtig ist auch hier, einen Weg zu finden, um den Dialog zu verwirklichen, damit er materiell geführt werden kann“, so Parolin.

Engagement für humanitäre Dimension in der Ukraine

Mit Besorgnis blickte Parolin auch auf das Schicksal der Ukraine und bekräftigte das Engagement des Heiligen Stuhls für eine Friedenslösung: „Auch wenn wir uns, zumindest bisher, auf die humanitäre Dimension beschränken“, stellte er klar. „Einer der zehn Punkte des Friedensplans Selenskijs befasst sich mit der humanitären Dimension, und darauf konzentriert der Heilige Stuhl seine Bemühungen“, erläuterte Parolin.

Im Hinblick auf die von Selenskij selbst geforderte hochrangige Friedenskonferenz in Davos, wo er auf dem am Dienstag eröffneten Weltwirtschaftsforum sprach, erklärt Parolin, dass der Heilige Stuhl wie bei den drei vorangegangenen Ausgaben (die letzte in Saudi-Arabien) auf jeden Fall daran teilnehmen werde: „Jetzt nimmt der vom Staatssekretariat ernannte ständige Vertreter in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero, an diesem Treffen teil“, bestätigte Parolin.

Raum für christliche Werte in der Politik

Dem Kardinal wurde auch eine Frage zum 30. Jahrestag des Endes der Christdemokratie in Italien gestellt. Ob es „vielleicht an einem politischen Gebilde“ fehle, „das die Forderungen der Katholiken vertritt“, wollte ein Journalist wissen. „Die Vergangenheit lässt sich nicht wiederholen“, antwortete Parolin. „Es war eine Zeit, die ihre Stärken und Schwächen und auch ihre Grenzen hatte, aber sie ist vorbei und wir wissen wie. Jenseits der Formel ist es wichtig, dass die Werte der Katholiken - die humanistische Werte sind - einen Platz in der heutigen Politik finden und auch in die Realität umgesetzt werden können.“

Dies seien Werte wie „Solidarität“ und „Subsidiarität“, die auch „Prinzipien unserer Verfassung“ sind, präzisierte Parolin. Er nannte auch den Lebensschutz. „Es ist unser Thema. Das Leben in all seinen Phasen, seinen Dimensionen, seinen Ausdrucksformen, vom natürlichen Anfang bis zum natürlichen Ende“, betonte der Kardinal.

Die Journalisten wünschten Parolin auch alles Gute zu seinem 69. Geburtstag, den er am Mittwoch feierte.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

18. Januar 2024, 11:03