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Eine Messe mit dem Papst im Petersdom Eine Messe mit dem Papst im Petersdom  (Vatican Media)

Papstdekret: Normen zur „Alten Messe“ „notwendige Korrektur"

Mit dem Dekret „Traditionis custodes“ hat der Papst den ordentlichen Messritus als „einzige Ausdrucksweise“ des Römischen Ritus festgelegt und strengere Regeln für die sogenannte „Alte Messe“ aufgestellt. Radio Vatikan ordnet den Schritt ein. Ein Kollegengespräch.

Stefan Kempis (Radio Vatikan): Benedikt XVI. hatte den „Außerordentlichen Ritus“ 2007 allgemein zugelassen, Franziskus schränkt solche Feiern jetzt wieder ein. Ist das eine Kehrtwende?

Anne Preckel (Radio Vatikan): Es mag auf einige wie eine Kehrtwende wirken - aber der Schritt wird von Franziskus selbst eher als notwendige Korrektur gerechtfertigt. Im Brief an Bischöfe weltweit würdigt Franziskus ja die Bemühungen seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. um die Einheit der Kirche – diese seien großzügig gewesen, so formulierte das der Papst, als sie verschiedene liturgische Formen gestatteten. Johannes Paul II. hatte ja 1984 unter bestimmten Bedingungen den tridentinischen Ritus gestattet, Benedikt XVI. ließ mit „Summorum pontificum“ (2007) die sogenannte „Alte Messe“ als „außerordentliche Form des römischen Ritus“ allgemein zu.

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Nur ist die Rechnung eben nicht aufgegangen, sagt Franziskus - es gab nicht mehr Einheit, sondern Spaltung. Und deshalb sah er eine Einschränkung als notwendigen Schritt. Es sieht das wohl ein bisschen wie das Beschneiden eines Baumes, der besser wächst, wenn man den ein oder anderen Trieb abschneidet. Nicht zu vergessen ist, dass der Papst vor der Entscheidung Bischöfe in aller Welt gefragt hat: Wie läuft das denn bei euch? Tja, und offenbar sah der Papst nach dieser Bestandsaufnahme die Notwendigkeit, einzugreifen.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. - Archivfoto
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. - Archivfoto

Kempis: Der Papst hat mit Blick auf die sogenannte „Alte Messe“ in der Tat von Missbrauch und Spaltungen gesprochen. Worauf hat er sich da bezogen?

Preckel: Franziskus beklagt, dass die sogenannte „Alte Messe“ im Grunde nicht als gemeinschaftsstiftendes, sondern als Mittel der Absonderung und Abspaltung missbraucht wurde. Sie sei ausgenutzt worden, um – wie er das formuliert – „Klüfte zu vergrößern, Divergenzen zu verstärken und Unstimmigkeiten zu fördern, die die Kirche verletzten“. So sei in dem Kontext manchmal behauptet worden, nur dieser Ritus entspreche der „wahren katholischen Kirche“, und die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe die katholische Tradition „verraten“. Gegen diese Liturgiereform hat sich unter anderem die Priesterbruderschaft St. Pius X. um den französischen Erzbischof Marcel Lefebrvre gewandt, die auch gegen päpstliches Verbot eigene Priester geweiht hat.

Franziskus erwähnt die Piusbrüder nicht explizit, hält solche Absonderungstendenzen aber offensichtlich für verfehlt. Deshalb hat er jetzt den ordentlichen Messritus als „einzige Ausdrucksweise“ des Römischen Ritus festgelegt. Dabei muss man aber auch festhalten: Der Dialog mit den Piusbrüdern läuft auch unter Franziskus weiter.

Kempis: Abgeschafft ist die sogenannte „Alte Messe“ aber nicht – es gibt nur strengere Regeln.

Preckel: Ja, das stimmt. Sie ist eben unter Auflagen möglich. Der Papst macht damit die Tür nicht einfach zu, sondern kommt denjenigen entgegen, denen diese Liturgieform am Herzen liegt. Sie müssen sich fortan nur strikt an Regeln halten – diese Messfeiern also in Abstimmung mit dem Ortsbischof halten, in Einheit mit Rom und auf einer Linie mit den Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, mit Lesungen in der Landessprache und Priestern, die sich die Einheit der Gemeinde auf die Fahnen geschrieben haben.

(vatican news – pr)

 

17 Juli 2021, 11:04