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Papst an Bischöfe weltweit: „Die Einheit verteidigen“

In einem Begleitbrief an alle Bischöfe weltweit erläutert der Papst die Gründe für seinen Erlass zur „Alten Messe“, den der Vatikan an diesem Freitagmittag bekannt gab.

Die Notwendigkeit, einzugreifen

Darin bezieht sich der Papst auf Ergebnisse eines Vatikanfragebogens zur Praxis der „Alten Messe“ seit ihrer Zulassung durch Benedikt XVI. in Ortskirchen weltweit. „Die Antworten, die ich erhielt, offenbarten eine Situation, die mich betrübt und beunruhigt, und bestätigten die Notwendigkeit, einzugreifen“, erläutert der Papst in seinem Brief. Bemühungen seiner Vorgänger um die Einheit der Kirche seien „oft ernsthaft missachtet“ worden, schreibt Franziskus: „Eine vom heiligen Johannes Paul II. und mit noch größerer Großzügigkeit von Benedikt XVI. angebotene Möglichkeit, die Einheit des kirchlichen Leibes unter Achtung der verschiedenen liturgischen Empfindlichkeiten wiederherzustellen, ist dazu benutzt worden, die Distanzen zu vergrößern, die Unterschiede zu verhärten, Gegensätze aufzubauen, die die Kirche verwunden und ihren Fortschritt behindern und sie der Gefahr von Spaltungen aussetzen“, klagt der Papst. Eine Versöhnung und größere Einheit in der Kirche seien nicht eingetreten.

„Über die Missbräuche der einen und der anderen Seite bei der Feier der Liturgie“ sei er „gleichermaßen erschüttert“, nimmt Franziskus kein Blatt vor den Mund. Er kritisiert, dass die Zelebration des vorkonziliaren Ritus „vielerorts nicht den Vorschriften des neuen Missale treu ist“. Im Begleitschreiben des Papstes schreibt er: „Ich bin gleichermaßen traurig über die Missbräuche beider Seiten bei der Feier der Liturgie. Wie Benedikt XVI. stigmatisiere auch ich, dass die Vorschriften des neuen Messbuchs vielerorts nicht getreu zelebriert, sondern sogar als Ermächtigung oder gar Verpflichtung zur Kreativität verstanden werden, was oft zu Verzerrungen an der Grenze des Erträglichen führt.“

Liturgische Feiern in Gemeinschaft mit der Kirche

Zugleich sei er „traurig über die Instrumentalisierung des Missale Romanum von 1962, die zunehmend von einer wachsenden Ablehnung nicht nur der Liturgiereform, sondern auch des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt“ sei. In „Worten und Haltungen vieler“ werde „immer deutlicher, dass ein enger Zusammenhang besteht zwischen der Wahl der Feiern nach den liturgischen Büchern vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Ablehnung der Kirche und ihrer Institutionen im Namen dessen, was sie für die ,wahre Kirche‘ halten. Das ist ein Verhalten, das der Gemeinschaft widerspricht und jenen Drang zur Spaltung nährt.“ Diese Spaltungen, so der Papst, widersprächen nicht nur dem Konzil, sondern auch biblischer Lehre. Liturgische Feiern seien „keine privaten Handlungen, sondern Feiern der Kirche, die das 'Sakrament der Einheit' ist. Sie müssen in Gemeinschaft mit der Kirche erfolgen“. Am Konzil zu zweifeln bedeute „letztlich am Heiligen Geist selbst zu zweifeln, der die Kirche leitet“, so Franziskus.

Der Papst begründet vor Hintergrund dieser Missstände dann seine Entscheidung, die „Alte Messe“ durch den Erlass „Traditionis custodes“ zu reglementieren und Abweichungen ein Ende zu setzen: „Um die Einheit des Leibes Christi zu verteidigen, bin ich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Befugnis zu widerrufen.“ Mit seiner Entscheidung, den ordentlichen Messritus als „einzige Ausdrucksweise“ des Römischen Ritus festzulegen, antworte er auf Bitten von Bischöfen aus aller Welt, so Franziskus. Durch die „Sorgfalt und Wachsamkeit“ der Bischöfe könne „Gemeinschaft auch in der Einheit eines einzigen Ritus“ zum Ausdruck gebracht werden.

(vatican news – pr)

16 Juli 2021, 13:38