Suche

Vatican News

Von der Leyen: „Christentum ist tief eingewoben in Europa“

Etwa eine halbe Stunde hat das Gespräch der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Papst Franziskus gedauert, der sie an diesem Samstagvormittag im Apostolischen Palast des Vatikans empfing. Anlässlich des Besuchs haben wir mit der deutschen Politikerin unter anderem über die Rolle des Christentums im heutigen Europa gesprochen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die Präsidentin der Europäischen Kommission sprach nach der Papst-Audienz etwa eine Stunde lang mit dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und mit dem vatikanischen Sekretär für die Beziehungen zu anderen Staaten, Erzbischof Paul Richard Gallagher.

Ursula Von der Leyen und Papst Franziskus
Ursula Von der Leyen und Papst Franziskus

Von der Leyen überreichte dem Papst eine fotostatische Kopie der Schuman-Erklärung von 1950 und eine zweibändige Geschichte der Europäischen Union. Der Papst seinerseits überreichte der Präsidentin der EU-Kommission, wie es seine Gewohnheit mit Staats- und Regierungschefs ist, seine Texte, also Enzykliken und Exhortationen, unter anderem die letzte Ausgabe der Friedensbotschaft und das gemeinsam mit dem Großimam von al-Azhar unterzeichnete Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit. Der Papst überreichte auch eine Bronzemedaille, die an die Worte des Propheten Jesaja im Kapitel 32 erinnert: „Die Wüste wird ein Garten werden“.

Ursula Von der Leyen im Interview mit Mario Galgano
Ursula Von der Leyen im Interview mit Mario Galgano

Wir stellten Frau Von der Leyen auch eine Frage auf Deutsch:

Radio Vatikan: Es ist ja so, dass Europa bekanntlich christliche Wurzeln hat, auch wenn es heute verschiedene Konfessionen in Europa gibt: wir haben im Süden Katholiken und im Norden Protestanten sowie Orthodoxen im Osten, aber mittlerweile auch viele Gläubige anderer Religionen, die europäische Bürger sind. Welche Rolle spielt denn Ihrer Meinung nach die Religion – oder die Religionen – und vor allem das Christentum, im heutigen Europa?

Von der Leyen: „Das Christentum ist tief eingewoben in Europa. In der Tat, Sie haben die christlichen Wurzeln beschrieben, und man spürt jeden Tag in unserem täglichen Handeln den Ursprung der christlichen Werte: Wenn es um das große Thema des Friedens geht; wenn es um die Würde des Menschen – zum Beispiel in der Rechtsstaatlichkeit – geht… Aber auch wenn es um Solidarität geht und in älteren Formulierungen würde ich dann auch sagen was „Barmherzigkeit“ betrifft. Da merkt man die Wurzeln des Christentums, und wie tief es eingewoben ist in unseren Alltag. Aber auch die Bewahrung der Schöpfung, zum Beispiel, wenn man etwa über das Thema des Klimawandels redet. Und insofern spielt in unseren alltäglichen Themen das Christentum eine große Rolle, mit den Werten, auf denen es basiert. Aber es gibt noch eine zweite Komponente: In Zeiten der Polarisierung, des Populismus, des Nationalismus ist die große, einende Kraft der Religion, die für den Zusammenhalt spricht, die für die Versöhnung spricht, von immenser Bedeutung. Und wenn man sich vor Augen führt, dass es das Einende ist das uns die Kraft gibt, den Alltag, und vor allem die Aufgaben, zu bewältigen, dann versteht man, welch große Rolle die Religion spielt.“

Zukunft Europas

Zum Abschluss des Besuchs im Vatikan teilte der Pressesaal mit, dass während des „herzlichen Gesprächs“ auf die guten bilateralen Beziehungen verwiesen wurde, „die dank des strukturierten Dialogs zwischen den beiden Seiten weiterentwickelt wurden“, sowie auf die laufenden Initiativen zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Europäischen Union. Der Papst und Von der Leyen befassten sich dann mit dem Thema der menschlichen und sozialen Entwicklung des Kontinents, auch im Hinblick auf die kürzlich begonnene Konferenz über die Zukunft Europas. Das Gespräch sei „mit einer Reihe von Themen von gemeinsamem Interesse“ fortgesetzt worden, wie z.B. die sozialen Folgen der Pandemie, Migration und Klimawandel sowie die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten.

(vatican news)

22 Mai 2021, 13:26