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Seltenes Bild: die heilige Familie, in der Mitte Josef, der Vater, als Arbeiter Seltenes Bild: die heilige Familie, in der Mitte Josef, der Vater, als Arbeiter  (©t0m15 - stock.adobe.com)

Radioakademie Josefsjahr (3): Johannes Pauls Blick auf Josef

Wir sind inmitten des von Papst Franziskus ausgerufenen „Jahres des heiligen Josef“. In unserer März-Radioakademie beschäftigen wir uns mit diesem schweigsamsten aller Heiligen, und in der dritten Folge tun wir dies in den Worten des heiligen Papstes Johannes Paul II., der ein Lehrschreiben über Josef vorgelegt und auf Deutsch über ihn gepredigt hat. Eine Kostprobe aus unserer Sendereihe über den Pflegevater Jesu.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Mit keinem Heiligen – ausgenommen Maria - hat sich das päpstliche Lehramt so ausgiebig befasst wie mit Josef. Pius IX. ernannte den Ziehvater Jesu 1870 zum „Universalpatron der Kirche", Leo XIII. betonte die Beziehung des Zimmermanns Josef zur Welt der Arbeit, so dass Pius XII. ihn 1955 zum „Patron der Arbeiter" erkor und ihm sogar einen zweiten Gedenktag im Kirchenkalender zubilligte, den 1. Mai. „Josef der Arbeiter" heißt der Gedenktag, den Papst Pius 1955 einführte. Josef ist damit - neben Johannes dem Täufer - einer von nur zwei Heiligen, dem die katholische Kirche gleich zwei Gedenktage im Kirchenjahr widmet.

Johannes Paul II., der schon als Kind mit seinem Vater im polnischen Wadowice die Messe in der St. Josefs-Kirche besuchte, verfasste als Papst eine lange Meditation über den „Beschützer des Erlösers“ - Redemptoris Custos, 1989 war das, im Jahr der epochalen politischen Wende Europas.

Redemptoris Custos - Beschützer des Erlösers

Redemptoris Custos bezieht sich auf Redemptoris Mater, die weitaus bekanntere Marien-Enzyklika von 1987. In Redemptoris Custos, Beschützer des Erlösers, präsentiert Johannes Paul II. den heiligen Josef nicht, wie das lange Zeit gesehen wurde, als Patriarchen und Herrscher seiner Familie, sondern vielmehr als Vorbild eines liebenden Vaters. Deshalb weist „Redemptoris Custos“ auf das Josefsbild von Papst Franziskus in „Patris Corde“ (das Herz des Vaters) hin.

Hier zum Hören:

„Der heilige Josef wurde von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen: auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlöung mit und ist tatsächlich Diener des Heils.”

Josefs Vaterschaft ist nicht eine, die sich aus der Zeugung von Nachkommen ergibt; aber sie ist auch keine „scheinbare" oder bloß „Ersatz"-Vaterschaft, hält Johannes Paul fest. Nein: Die Vaterschaft des heiligen Josef hat „voll und ganz an der authentischen menschlichen Vaterschaft und der Aufgabe eines Vaters in der Familie teil“.

„Josef ist das Vorbild der Demütigen, die das Christentum für große Ziele bestimmt“

„Schließlich geht es um die Heiligung des Alltagslebens, die ein jeder seiner Lage und Stellung entsprechend erlangen muss und die nach einem für alle annehmbaren Vorbild gefördert werden kann: Der hl. Josef ist das Vorbild der Demütigen, die das Christentum für große Ziele bestimmt; ... er ist der Beweis dafür, dass es, um gute und glaubwürdige Nachfolger Christi zu sein, keiner ,großartigen Dinge' bedarf, sondern nur allgemeine, menschliche, schlichte, aber wahre und glaubwürdige Tugenden erforderlich sind.“

1980, im Jahr nach dem Erscheinen von „Redemptoris Custos“, widmete der Papst aus Polen dem heiligen Josef eine Katechese bei der Generalaudienz. Er sprach in jenen Jahren bei den Mittwochs-Audienzen eigentlich fast unausgesetzt über die Theologie des Leibes, doch am 19. März 1980 unterbrach er diese Reihe zugunsten des Hl. Josef – der den Inhalten der Theologie des Leibes freilich nicht fremd ist.

„Die ganze Lebensbeschreibung Josefs und das Vollmaß seiner Heiligkeit sind in dem Wort enthalten: ,Er tat es´“

„Als Josef erwachte ‒ lesen wir bei Matthäus ‒ , tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte" (Mt 1, 24). Mit diesen wenigen Worten ist alles gesagt. Die ganze Lebensbeschreibung Josefs und das Vollmaß seiner Heiligkeit sind in dem Wort enthalten: ,Er tat es´. Josef, wie wir ihn aus dem Evangelium kennen, ist ein Mann der Tat. Er ist ein Mann der Arbeit. Das Evangelium hat nicht ein einziges Wort von ihm bewahrt. Es hat aber seine Taten beschrieben: einfache Alltagshandlungen, die aber gleichzeitig eine klare Bedeutung für die Erfüllung der göttlichen Verheißung in der Geschichte des Menschen besitzen; Werke, die von geistiger Tiefe und reifer Schlichtheit erfüllt sind.”

Johannes Paul streicht heraus: Josef ist so still wie strahlend. Und es braucht, wie der Papst sagt, „die Hellsichtigkeit der Kontemplation, um die leuchtenden Züge der Gestalt des Josef von Nazaret offenbar zu machen”. Gott hat Josef zum „Mann seines Vertrauens auf Erden erkoren”.

Unsere Radioakademie zum Josefsjahr kann wie üblich auf CD bestellt werden. Gegen einen Unkostenbeitrag senden wir Ihnen alle drei Folgen der Sendereihe gebündelt auf einem Tonträger zu, Bestellungen bitte an cd@radiovatikan.de.

(vatican news)

24 März 2021, 15:43