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Magnolienbaum vor einer Kathedrale Magnolienbaum vor einer Kathedrale  (ANSA)

Die Waffen nieder: Was Gläubige tun können

Das Thema Abrüstung stand im Mittelpunkt einer virtuellen Konferenz, die der Heilige Stuhl diese Woche veranstaltete. Gläubige haben eine entscheidende Rolle bei der Förderung des Friedens, betonte dabei Bruno-Marie Duffé, Sekretär des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

Das dreistündige Treffen unter dem Motto „Advancing integral disarmament in times of pandemic” (Ganzheitliche Abrüstung in Zeiten der Pandemie vorantreiben) brachte am Dienstag Forschende, Religionsvertreter und Persönlichkeiten aus der römischen Kurie zusammen. Es griff den Appell zur Abrüstung auf, den Papst Franziskus gemeinsam mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres lanciert hatten.

Wie einen globalen Waffenstillstand fördern?

Ein weltweites Schweigen der Waffen oder gar eine komplette Abrüstung scheint angesichts der Lage der Welt ein schwer zu realisierender Traum. Dessen ungeachtet überlegten die Teilnehmenden des Webinars, wie ein globaler Waffenstillstand gefördert und die Produktion und Verbreitung von Waffen gestoppt werden kann. Sie stützten sich auf die beiden Enzykliken von Papst Franziskus, „Laudato si'" über den Schutz des gemeinsamen Hauses und „Fratelli tutti" über Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft, die beide „den Gedanken der Versöhnung entwickeln", so Bruno-Marie Duffé.

Hier zum Hören:

Die Coronakrise habe viele Fragen zum Thema Solidarität, internationale Beziehungen, Abrüstung und Frieden zum Vorschein gebracht, bemerkte der französische Kurienpriester. Damit die Entwicklungen in die richtige Entwicklung gehen können, brauche es die Einsicht, dass Religionen einen Beitrag zu leisten haben, wenn sie in ihrem Einsatz für Frieden und gegen das Wettrüsten ernst genommen werden.

Förderung der integralen Sicherheit

Bei dem Webinar des Heiligen Stuhles zur Abrüstung kamen Vorschläge auf, von religiöser Seite die Beratung bei politischen Entscheidungsträgern zu verbessern, in gewissen Passagen das Völkerrecht neu zu formulieren und die Rechtsstaatlichkeit zu stärken, erklärte Duffé. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bedeutung des Multilateralismus, das heißt die Bestrebung, internationale Herausforderungen grundsätzlich international zu beraten und zu lösen, etwa mit Hilfe von Staatenbünden wie den Vereinten Nationen. Der Heilige Stuhl versucht mit seinem diplomatischen Apparat beständig auf die Stärkung des multilateralen Gedankens hinzuwirken.

Breit diskutiert wurde beim Webinar die Frage integraler Sicherheit, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin aufgeworfen hatte. Es handle sich um einen „ganzheitlichen Schutz", der alle Dimensionen des kollektiven Lebens und besonders die Gesundheit und die Ökologie berücksichtigt, so der Sekretär des Dikasteriums für ganzheitliche menschliche Entwicklung.

Waffengeschäft in den USA
Waffengeschäft in den USA

Gläubige, Akteure in einer Pädagogik des Friedens

„Gläubige haben eine wichtige Rolle zu spielen, indem sie die am Wettrüsten beteiligten Führer und die Waffenhersteller herausfordern. Das mag ein bisschen utopisch erscheinen", sagt Duffé, „aber als das Alte Testament vom Gelobten Land sprach, war das auch sehr utopisch", genauso übrigens wie nach dem Ersten Weltkrieg die Rede vom Völkerbund.

„Die Gläubigen und diejenigen, die in den Fußspuren Christi gehen, sind Träger einer Utopie, die aber in Schritte umgesetzt werden muss", sagt Bischof Duffé. Ohne von der Realität abgekoppelt zu sein, geht es darum, „den Entscheidungsträgern bei der Suche nach einer Pädagogik des Friedens und einer Einbindung in die internationale Zusammenarbeit und Entwicklung zu helfen, die es uns ermöglicht, aus dem Krieg herauszukommen".

Die Päpste und der Frieden

Papst Franziskus hatte mehrfach gesagt, seiner Auffassung nach erlebe die Welt derzeit einen dritten Weltkrieg, der stückchenweise ausgefochten werde. Zum ersten Mal warnte er 2014 in Südkorea davor. Niemand, so der Papst, dürfe sich an die zunehmende Grausamkeit in der Welt gewöhnen. Auch auf dem Weg nach Polen 2016, einen Tag nach dem Mord an dem französischen Priester Jacquel Hamel, hielt er fest: „Dies ist Krieg. Es gab den von 1914 mit seinen Methoden; dann den von 1939 bis 1945, ein weiterer großer Weltkrieg; und jetzt ist es dieser...." Allerdings handle es sich nicht um einen Religionskrieg, hielt der Papst fest. „Es herrscht Krieg der Interessen, es herrscht Krieg ums Geld, es herrscht Krieg um die Ressourcen der Natur, es herrscht Krieg um die Herrschaft über die Völker: Das ist der Krieg. ... Alle Religionen, wir alle wollen den Frieden. Den Krieg, den wollen die anderen." 

Der Einsatz für Frieden ist eines der Leitmotive der Päpste seit Benedikt XV., der eindringlich vor dem Ersten Weltkrieg warnte. Ein Jahrhundert später ist der besondere Beitrag von Franziskus zur päpstlichen Friedensethik sein Zugehen auf andere Religionen, um dem Ziel der Gewaltlosigkeit in der Welt näher zu kommen. Diesbezügliche Marksteine seines Pontifikats sind seine Teilnahme an einer internationalen Friedenskonferenz an der Al Azhar-Universität von Kairo 2017, seine Reise nach Abu Dhabi 2019 mit der Unterzeichnung des Dokuments über die Geschwisterlichkeit „aller Menschen und das friedliche Zusammenleben in der Welt" sowie seine in Assisi unterzeichnete Enzyklika „Fratelli tutti“ von 2020.

(vatican news – gs)

26 März 2021, 12:30