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Vatikan: Trennung der Kirchen kann Versöhnung den Weg bereiten

Luther und die Kirchenspaltung vor 500 Jahren bleibt ein Thema im Vatikan. „Wir können die Geschichte der Trennung nicht aufheben, aber sie kann Teil unserer Geschichte der Versöhnung werden“, heißt es im Geleitwort einer neuen italienischen Übersetzung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die der päpstliche Einheitsrat und der Lutherische Weltbund nun ankündigten.

Das Geleitwort trägt die Unterschriften von Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Einheitsrates, und von Martin Junge, dem Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes. Die neue Übersetzung sei ein wichtiger gemeinsamer Schritt im Bemühen, der historischen ökumenischen Vereinbarung eine breitere Aufnahme zu verschaffen, hieß es in einer Erklärung vom Montag aus dem Vatikan. Die Veröffentlichung der aktualisierten italienischen Übersetzung des Dokuments von 1999 und der begleitenden Texte erfolgte am 3. Januar, zu dem Tag, an dem Katholiken und Lutheraner des 500. Jahrestages der Exkommunikation Martin Luthers gedenken. Damit wollten die katholische Kirche und die Lutheraner ihre „feste Absicht“ unterstreichen, „den Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft gemeinsam weiterzugehen“.

Die Herausgabe der neuen Übersetzung markiert den Beginn einer zehnjährigen Vorbereitungszeit auf ein neuerliches gemeinsames Gedenken von Lutheranern und Katholiken, nämlich an den 500. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 2030. Gemeinsam wolle man die Einheit und nicht die Spaltung zum Ausgangspunkt des Gedenkens nehmen, hieß es in der Erklärung aus dem Vatikan.  Man wolle nach dem „suchen, was in den Unterschieden, ja sogar in den Gegensätzen gemeinsam ist, um so auf die Überwindung kirchentrennender Unterschiede hinzuarbeiten“, zitiert die Mitteilung das ökumenische Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ von 2017.

Statt Spaltung: Weg zur Einheit

Das Augsburger Bekenntnis aus dem Jahr 1530 war nach heutigem Erkenntnisstand der letzte große Versuch in der Reformationszeit, die Einheit der Kirche zu retten. 1517 hatte der deutsche Augustinermönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht und eine Bewegung ausgelöst, die zur Kirchenspaltung führte. 500 Jahre später reiste Papst Franziskus zu einem großen Protestantentreffen ins schwedische Lund und würdigte dabei das Reformationsgedenken: die Kirchen hätten zuletzt „als Geschwister, nicht als Rivalen“ an Luthers Thesen-Veröffentlichung vor 500 Jahren erinnert. In Lund unterzeichneten der Papst und der Präsident des Lutherischen Weltbundes Munib Younan am 31. Oktober 2016 eine „Gemeinsame Erklärung“, die an die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ von 1999 anknüpft, ein Grundlagentext der Ökumene.

(vatican news – gs)

05 Januar 2021, 09:13