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Desinfizierung im Petersdom Desinfizierung im Petersdom  

Vatikan: Corona hat keine besseren Menschen aus uns gemacht

Aus Sicht des Vatikan hat die Coronavirus-Pandemie dem Bildungssystem „weitere Schäden“ zugefügt oder zumindest bestehende Probleme verschärft. Bildungsunterschiede aufgrund verschiedener gesellschaftlicher Herkunft dürfe es nicht mehr geben. Auch die Wirtschaft dürfe nicht bereits bestehende Unterschiede noch verschärfen, mahnte der Präsident der vatikanischen Güterverwaltung Apsa, Nunzio Galantino, diesen Freitag. Bei einer internationalen Online-Konferenz forderte er eindringlich Investitionen in Bildung – „und zwar auf mutige, neue und intelligente Weise.“



„Die Meilensteine der ganzheitlichen Ökologie für eine menschliche Wirtschaft“ lautete das Motto der zweitägigen Web-Konferenz, welche die Päpstliche Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice organisiert hatte. Der Präsident der vatikanischen Güterverwaltung Apsa hielt am Freitagnachmittag das Schlussstatement. Darin ging er auch auf die Coronavirus-Pandemie ein - und zog ein bitteres Fazit:

„Ich würde aufhören, dem Coronavirus eine ,Erziehungsfunktion' zuzusprechen. Wenn wir uns umschauen, scheint es nicht so, als hätte diese Tragödie uns bisher besonders viel gelehrt, was die Lebensqualität der Überlebenden verbessern würde. Es hat sich größtenteils erhärtet, dass das Virus uns nicht zu besseren Menschen macht.“

„Es hat sich größtenteils erhärtet, dass das Virus uns nicht zu besseren Menschen macht.“

Rückentwicklung zu mehr Gleichgültigkeit

Das zeige auch die weltweite Reaktion der Politiker auf die Pandemie, führte Galantino aus. Es scheine eine „Rückentwicklung“ zu geben, mehr Gleichgültigkeit oder gar Hass in den zwischenmenschlichen Beziehungen:

„Besonders gegenüber all jenen, die als ,anders‘ wahrgenommen werden. Es fällt uns schwer anzunehmen, dass wir, so wie Papst Franziskus es sagt, alle im gleichen Boot sind. Das gelingt uns noch nicht einmal angesichts dieser so weit verbreiteten Tragödie.“

Der Schlüssel: Wirtschaft und Bildung

Die Coronavirus-Pandemie führe negative Entwicklungen in zwei Bereichen besonders vor Augen, so Galantino: Wirtschaft und Bildung. Mit Blick auf die Wirtschaft sagte er, man müsse sich nun wirklich fragen, ob es nicht an der Zeit für ein Wirtschaftssystem sei, das sich nicht nur an Produktion und Profit orientiere und Lebensqualität, soziale Gerechtigkeit oder Steuergleichheit vernachlässige – ebenso wie etwa die Alphabetisierung, das Gesundheitssystem oder den Umweltschutz.

Angesichts der aktuellen Lage gelange das Konzept der „ganzheitlichen Ökologie“, für das Papst Franziskus besonders in seiner Sozialenzyklika „ Laudato si“ wirbt, wieder zu „großer Aktualität“, so Galantino. Er plädierte auch für die Lektüre der jüngsten Enzyklika des Papstes, „ Fratelli tutti“, in der Franziskus für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung wirbt.

internationale Online- Konferenz „Die Meilensteine der ganzheitlichen Ökologie für eine menschliche Wirtschaft“
internationale Online- Konferenz „Die Meilensteine der ganzheitlichen Ökologie für eine menschliche Wirtschaft“

Für den von Papst Franziskus angemahnten Wandel der Gesellschaft und Wirtschaft ist für den Präsident der vatikanischen Güterverwaltung die Bildung ein entscheidender Faktor. Bildung und Erziehung als Orte der Vermittlung von Kultur, ästhetischen und moralischen Werten seien die Basis für Verhaltensänderungen, so Galantino in seiner Schlussrede der internationalen Online-Konferenz von Centesimus Annus.

Centesimus Annus Pro Pontifice

Centesimus Annus Pro Pontifice ist eine päpstliche Stiftung mit Sitz im Vatikan. Papst Johannes Paul II. hatte sie 1983 zusammen mit einer Gruppe katholischer Unternehmer gegründet. Ziel der Stiftung ist die weltweite Förderung der katholischen Soziallehre. 

(vatican news - sst)

30 Oktober 2020, 16:26