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Priesterweihe im Petersdom Priesterweihe im Petersdom  (Vatican Media)

Der Zölibat und das Konzil

Es ist in diesen Tagen in aller Munde: der Priesterzölibat. Das Konzilsdekret „Presbyterorum Ordinis“ spricht von der „kostbaren Gabe des priesterlichen Zölibats“, stellt aber auch fest, dass sie „durch die Natur des Priestertums“ nicht erforderlich ist und enthält Worte der Wertschätzung für diejenigen, die „ausgezeichnete verheiratete Priester“ sind. Denn es gibt sie, verheiratete katholische Männer, die Priester sind.

Bezüglich der Debatte zur Verteidigung des priesterlichen Zölibats sagte der Direktor des vatikanischen Presseamtes, Matteo Bruni, am Montag, dass die Position von Papst Franziskus zum Zölibat bekannt sei. Bruni erinnerte an das, was Franziskus bei seiner Rückreise aus Panama im Flugzeug sagte: „Ein Satz des heiligen Paul VI. kommt mir in den Sinn: ,Ich ziehe es vor, mein Leben zu geben, bevor ich das Gesetz des Zölibats ändere´.“

Ein Geschenk, kein Dogma

In der Debatte wurde auch an den diesbezüglichen Standpunkt des Zweiten Vatikanischen Konzils erinnert. Das Konzilsdekret Presbyterorum Ordinis über den Dienst und das priesterliche Leben, das von Paul VI. am 7. Dezember 1965 verkündet wurde, besagt: „Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen.“

Freier, Gott und anderen dienen

Der Zölibat - so das Dekret - habe also aus vielen Gründen ein Zweckmäßigkeitsverhältnis zum Priestertum. In der Tat sei die priesterliche Sendung ganz dem Dienst an der neuen Menschheit gewidmet, die Christus, der Sieger des Todes, mit seinem Geist in der Welt erweckt habe. Dank des Zölibats hielten die Priester leichter „mit ungeteiltem Herzen“ an Gott fest und „widmen sich in ihm und für ihn freier dem Dienst an Gott und den Menschen, dienen seinem Reich und seinem Werk der übernatürlichen Erneuerung wirksamer und sind so besser bereit, eine breitere Vaterschaft in Christus zu empfangen“. „So verkünden sie also vor den Menschen, dass sie sich ausschließlich der Sendung der Verlobung der Christen mit dem einen Bräutigam widmen wollen“, der Christus sei, und „sie werden zu einem lebendigen Zeichen jener zukünftigen Welt, die bereits durch den Glauben und die Liebe gegenwärtig ist, in der die Kinder der Auferstehung nicht in der Ehe vereint sind“.

Eine bestätigte Gesetzgebung für die lateinische Kirche

Aus diesen Gründen – so das Konzilsdekret weiter – „wurde der Zöibat zunächst den Priestern empfohlen und schließlich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt. Diese Heilige Synode billigt und bekräftigt von neuem das Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind, wobei ihr der Geist das Vertrauen gibt, dass der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten.“

Die Gnade der Treue

Das Konzil „ermahnt auch alle Priester, die im Vertrauen auf Gottes Gnade in freier Entscheidung nach Christi Vorbild den Zölibat auf sich genommen haben, ihm großmütig und mit ganzem Herzen anzuhangen und treu in diesem Stand auszuhalten in der Erkenntnis der hohen Gnadengabe, die ihnen vom Vater gegeben wurde und die der Herr so offenkundig gepriesen hat. Sie sollen dabei immer jene Geheimnisse vor Augen haben, die durch sie bezeichnet werden und ihre Erfüllung finden. Und je mehr in der heutigen Welt viele Menschen ein Leben in vollkommener Enthaltsamkeit für unmöglich halten, um so demütiger und beharrlicher werden die Priester und mit ihnen die ganze Kirche die Gabe der Beständigkeit und Treue erflehen, die denen niemals verweigert wird, die um sie bitten. Zugleich werden sie alle übernatürlichen und natürlichen Hilfen anwenden, die jedem zur Verfügung stehen; sie sollen vor allem die durch die Erfahrung der Kirche bewährten aszetischen Verhaltensweisen, die in der modernen Welt nicht weniger notwendig sind, befolgen.“

Das Geschenk des Zölibats zu schätzen

Das Dekret schließt damit das dem Zölibat gewidmete Kapitel ab: „So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, daß er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.“

(vatican news – sc/mg)

14 Januar 2020, 11:34