Suche

Vatican News
Im Radio-Studio: Bischof Bahlmann Im Radio-Studio: Bischof Bahlmann 

Synodenblog, Tag 18: Umgehen lernen mit dem medialen Druck

Der deutsch-brasilianische Bischof Johannes Bahlmann führt während der Amazonien-Synode Tagebuch für uns. Bahlmann ist Franziskaner, stammt aus Visbek im Bistum Münster und ist seit 2009 Bischof von Óbidos mitten im Amazonas.

Mittwoch, 23.10.2019

Die Gruppe, die das Schlussdokument der Synode schreibt, befasst sich heute und morgen mit den Änderungswünschen, die aus den Sprachzirkeln kamen. Am Freitagnachmittag wird uns Synodalen dann das fertig überarbeitete Dokument vorgestellt. Während einige wenige das Schlussdokument schreiben, haben alle anderen schlicht und einfach: frei! Jede und jeder gestaltet seine Zeit anders. Nach zweieinhalb intensiven Wochen Synode sind diese zwei Tage wie ein Geschenk, um das zu erledigen, was vielleicht auf der Strecke geblieben ist und man noch gerne tun möchte.

Seit dem ersten Synodentag lernen wir viel von Papst Franziskus. An erster Stelle steht seine Präsenz, sein bloßes Dasein. Zu den Vollversammlungen kommt er zu Fuß aus der Casa Santa Marta (die aber auch nur ein paar Schritte entfernt liegt), meist begleitet von ein paar Teilnehmern, die auch dort untergebracht sind. Und dann ist Franziskus ganz schlicht und ohne viel Aufhebens mit dabei, wie alle anderen. Wer immer mit ihm reden möchte, kann auf ihn zugehen. Einige möchten nur ein wenig Smalltalk und natürlich ein Foto, andere überbringen ein kleines Geschenk. Alles mit einer Natürlichkeit, die beeindruckt.

In der Synodenaula sitzt der Papst immer sehr ruhig auf dem für ihn vorgesehenen Stuhl und hört aufmerksam zu, wenn jemand spricht. Manchmal ergreift er am Ende der Sitzung kurz das Wort, um dieses oder jenes zu vertiefen oder seinen Eindruck wiederzugeben.

Seine Haltung lässt Demut erkennen. Er ist aufmerksam gegenüber allen. Deutlich wird bei ihm auch die Sorge um die Kirche und Gesellschaft sowie sein Einsatz als Hirte, dem das Wohl der Menschen am Herzen liegt.

Gemeinsam lernen wir aber auch mit dem Druck umzugehen, der durch die Medien und die sozialen Netzwerke zu uns dringt. Da ist wirklich eine riesige Bandbreite an Interpretationen, Einschätzungen und auch Kritik bis hin zu, ja, Urteilen. Etwas möchte ich sagen: Ich erlebe die Synode irgendwie anders. Ich meine an diesem Punkt für alle sprechen zu können. Wir erleben einen Geist der Geschwisterlichkeit und ein Klima des Gebetes. Der Heilige Geist ist spürbar anwesend. Unter uns herrscht eine dichte Atmosphäre. Die Fähigkeit des Hörens, des Hinhörens auf die anderen, gerade weil sie anders sind, bringt uns in eine tiefere Dimension und lässt uns nicht an der Oberfläche bleiben. Der Respekt vor anderen Menschen und anderen Meinungen hilft, Dinge besser zu verstehen und neu zu überdenken.

Wir suchen und ringen um einen Konsens, das ist ein weiterer Aspekt des Ganzen. Und über allem steht die Liebe zur Kirche und zur Wahrheit, die Jesus Christus selber ist.

(vatican news)

24 Oktober 2019, 17:25