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Vatikan bei Nacht Vatikan bei Nacht 

D: Lob und Kritik am Vatikan-China-Abkommen

Der Chef der Missionsbenediktiner Sankt Ottilien, Jeremias Schröder, begrüßt das Abkommen zwischen dem Vatikan und China: „Wir haben dieses Abkommen ersehnt". Jedoch übt er auch Kritik.

Die Missionsbenediktiner sind seit 1920 in China und seit 1985 auch in der kommunistischen Volksrepublik tätig. Zwar habe es dort bisher bereits „ein sehr ernsthaftes katholisches Leben" gegeben, jedoch sei die Kirche oft als „Kirche der Kollaborateure“ diffamiert worden.

Das Thema Bischofsernennungen habe das kirchliche Leben „tatsächlich bedrückt". Jede Bischofsernennung und -weihe sei zu einer Belastungsprobe geworden. Da die Frage der Bischofsnachfolge kaum gelöst werden konnte, habe es in China keine altersbedingten Rücktritte gegeben. Männer seien bis weit über ihr 90. Lebensjahr hinaus im Amt geblieben, oft jahrelang nicht mehr zur effektiven Bistumsleitung fähig. „Das alles hat dem Leben der Kirche geschadet, und das kann sich nun hoffentlich wenden." Man werde jetzt aufmerksam verfolgen müssen, wie sich die neue Verständigung auswirke. Der vorläufige Charakter des Abkommens biete auch der katholischen Seite die Chance zu einer Revision.

Mitwirkung einer Regierung nichts Ungewöhnliches

Kritik äußert Schröder ebenfalls: „Schwer verständlich ist, warum die Einzelheiten dieser Lösung nicht bekannt gemacht werden.“ Das gebe wieder Anlass zu Spekulationen und würde die Kritiker dieses Brückenschlags bestärken. Dabei sei die Mitwirkung einer Regierung bei der Ernennung von Bischöfen an sich nichts Ungewöhnliches. „In Venezuela wurden die Bischöfe bis ins 20. Jahrhundert hinein vom Parlament gewählt.“ Auch in Bayern dürfe die Staatsregierung bei einer Ernennung Einwände vorbringen. Belastend sei aber, dass die Fertigstellung des jahrelang vorbereiteten Abkommens in eine Zeit falle, in der Chinas Religionspolitik wieder spürbar repressiver sei.

Der Vatikan und China hatten im September ein „vorläufiges Abkommen“ zur Ernennung von Bischöfen geschlossen. Papst Franziskus erkannte in diesem Zusammenhang acht regierungstreue Bischöfe an, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern sind seit 1951 unterbrochen.

(kna - hs)

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28. November 2018, 11:37