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Das Symbol der Olympischen Spiele in Tokio Das Symbol der Olympischen Spiele in Tokio  (AFP or licensors)

Tokio 2021: Papst würde Geschwisterlichkeits-Medaille vergeben

Tokio bereitet sich auf die Olympischen Spiele vor, die im Zeichen der Pandemie stehen. Papst Franziskus hatte den Sport immer als Mittel zur Stärkung der Harmonie zwischen den Völkern gepriesen.

Alessandro Gisotti und Mario Galgano - Vatikanstadt

Ursprünglich sollten die Olympischen Spiele von 24. Juli bis 9. August 2020 stattfinden. Aufgrund der Corona-Krise entschied sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu einer Verschiebung um ein Jahr. Die Spiele beginnen nun am 23. Juli 2021 und enden am 8. August.

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Es gibt diejenigen, die sie bereits als „die traurige Olympischen Spiele“ bezeichnet haben. Um die Ausbreitung von Covid-19 zu vermeiden, wird es in Tokio keine Zuschauer auf den Tribünen der Stadien geben, Umarmungen zwischen Athleten sind nicht erlaubt, und die Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer müssen sich ihre Medaillen selbst um den Hals hängen, um jeden möglichen Kontakt zu vermeiden.

Olympischer Trainingsplatz in Tokio
Olympischer Trainingsplatz in Tokio

Papst Franziskus hat immer wieder das erzieherische Potenzial des Sports für junge Menschen betont, die Bedeutung des „Sich-in-die-Reihe-Stellens“ und des Fair Play, sowie – und das tat er auch während seines Aufenthalts im Gemelli-Krankenhaus – den Wert der Niederlage. Denn die Größe eines Menschen zeige sich mehr, wenn er falle, als wenn er triumphiere, so Franziskus. Das gelte im Sport genauso wie im Leben.

Anfang des Jahres sagte der Papst in einem langen Interview mit der Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“: „Der Sieg enthält einen Nervenkitzel, der sogar schwer zu beschreiben ist, aber auch die Niederlage hat etwas Wunderbares (...) Aus bestimmten Niederlagen entstehen schöne Siege, denn sobald der Fehler erkannt ist, wird der Durst nach Wiedergutmachung entfacht. Ich würde sagen: Diejenigen, die gewinnen, wissen nicht, was sie verpassen.“

„Der Sport hilft uns, eine Kultur der Begegnung und der Solidarität zu verbreiten, sagte Papst Franziskus im Februar 2017 einer Delegation der „Special Olympics" Weltwinterspiele aus der Steiermark in Österreich. „Sie, Athleten und Assistenten zusammen, zeigen, dass es weder Hindernisse noch Schranken gibt, die nicht überwunden werden könnten." Gerade in einer Zeit der Brüche und Polarisierungen aller Art könne der Sport daher eine universelle Sprache sein. 

Gemischte Gefühle

Ein Jahr nach der pandemiebedingten Verschiebung der Olympischen Spiele bereite sich Japan mit gemischten Gefühlen auf das Sportereignis schlechthin vor: Freude und Trauer, Stolz und Sorge. Doch bei diesen Olympischen Spielen, die aufgrund der strengen Maßnahmen stattfinden, könnte die Bedeutung und der Wert des Ereignisses gerade in seinem Symbol hervortreten: den fünf ineinander verschlungenen Ringen, die den Geist der Geschwisterlichkeit und Harmonie unter den Völkern aufzeige. Es sei eine Botschaft, die heute sicherlich dringend gebraucht werde, da wir „alle im selben Boot“ sitzen und neben vielen Schwierigkeiten einem unerwarteten Epochenwechsel mit noch unvorhersehbaren Folgen gegenüberstehen, wie der Papst immer wieder während der Pandemiezeit sagte.

Sieg und Siegeswillen

Doch Papst Franziskus hebt auch die Bedeutung des Sieges und des Siegeswillens hervor, wie er es indirekt in den Pressemitteilung des vatikanischen Pressesaals bei den letzten Fußball-Europameisterschaften und der Copa America tat. Es geht dem Papst um das Bewusstsein, dass die Athleten in der Arena oder auf dem Sportplatz „keine Energie sparen“, um zu gewinnen. Dieser Wettbewerbsgeist habe man auch schon bei der letzten Olympischen Spiele, 2016 in Rio de Janeiro, gesehen.

Andererseits, wenn Franziskus oft seine Wertschätzung für die Amateur- und Gemeinschaftsdimension des Sports und seine soziale Funktion zum Ausdruck gebracht hat, so weiß er sehr wohl, dass die sportliche Aktivität, vor allem auf professioneller Ebene, vom Vergleich und der Überwindung der Grenze lebt. Dieser Wettkampf sei zuallererst mit sich selbst. „Zeigen Sie, welche Ziele durch die Anstrengung des Trainings erreicht werden können, was großen Einsatz und auch Verzicht erfordert“, sagte der Papst im Juni 2018 zu den italienischen Schwimmern. „All das ist eine Lektion für das Leben, vor allem für Ihre Altersgenossen. Das ist die Hoffnung, dass diese Olympischen Spiele in Tokio in der Lage sein werden, Wettkampfspannung und Einheitsgeist zu verbinden. Grenzen überwinden und Schwächen teilen. Heute geht es mehr denn je darum, nicht nur die Goldmedaille zu gewinnen - der Traum und das Ziel eines jeden olympischen Athleten -, sondern auch gemeinsam die Medaille der menschlichen Geschwisterlichkeit zu gewinnen“, so der Papst.

(vatican news)

19 Juli 2021, 13:30